Das einzige als Synagoge erkennbare jüdische Bet- und Versammlungshaus der Region steht in Vöhl. Der über drei Geschosse reichende Sakralraum in der Mittelgasse 9 ist während der hessischen Sommerferien montags bis freitags von 9 bis 17:00 Uhr geöffnet. „Landkulturboten“ – das sind gut vorbereitete Schülerinnen und Schüler – erklären das frühere Aussehen des Raumes, die Bedeutung von blauem Sternenhimmel und Frauenempore und erzählen, durch welche glücklichen Umstände die Synagoge die Pogromnacht und das „zweite Sterben der Synagogen“ nach dem Krieg überstanden hat. In den Räumen der früheren Lehrerwohnung sind eine originale Schabbeslampe aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, Thorarollen, das Poesiealbum einer 1942 im Gas gestorbenen Vöhler Jüdin und viele andere Kultusgegenstände zu sehen.
Im Sakralraum der Synagoge kann auch die Ausstellung „Shtil, di Nacht iz oysgeshternt“ besucht werden. Künstler aus Neuseeland, Indien, Israel, Togo, Surinam, Frankreich und Deutschland haben aus nicht mehr verwendbaren Brettern aus der Kuppel der Synagoge Kunstwerke hergestellt, die im Sakralraum hängen, stehen oder liegen. Tafeln mit Infos über die Künstler und ihre Arbeiten ermöglichen einen selbstständigen Rundgang durch die Ausstellung. Die Öffnungszeiten: montags bis freitags 9 bis 17:00 Uhr, sonntags 15:00 – 18:00 Uhr.
Das Foto nahm Stadtler im Atelier der Israelin Penny Hes Yassour südlich des Sees Genezareth auf. Yassour hatte das Synagogenbrett der Länge nach durchgeschnitten. Die vordere Hälfte mit dem goldenen Stern links wurde um einen Leuchter ergänzt, den sie auf einem Foto aus dem Jahr 1932 vom Inneren des Vöhler Betraumes gesehen hat. Über der Rückseite auf der rechten Seite hat sie das Fachwerkhaus angedeutet. Durch die Beleuchtung wirkt das Kunstwerk besonders stark.
Am kommenden Sonntag um 15:00 Uhr erzählt Heimatgeschichtler Karl-Heinz Stadtler, welche Möglichkeiten des Gelderwerbs hessische und Vöhler Juden vom 16. Jahrhundert bis zu ihrer Vertreibung und Ermordung Mitte des 20. Jahrhunderts hatten. „Judenordnungen“ und Edikte der hessischen Landgrafen und Großherzöge schränkten nicht nur die Berufswahl, sondern auch die Religionsausübung ein. Im 19. Jahrhundert wurden Juden formal gleichberechtigt, doch Vorurteile blieben. Einflussreiche Leute wie z. B. der „Hessische Bauernkönig“ und der antisemitische Reichstagsabgeordnete Otto Böckel nährten Vorurteile gegen angebliche „Wucherer“, Hofaufkäufer, Münzfälscher usw.
Stadtler schildert die Entwicklung der Verhältnisse im Land und in der Region. Er stellt die Vöhler jüdischen Familien vor und erzählt, in welchen Berufen und mit welchen Tätigkeiten sie ihren Lebensunterhalt bestritten.