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Blick in unsere Grossgemeinde
Ausgabe 8/2026
Vereine und Verbände
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Nationalparkdorf Marienhagen

100 Jahre Dorfgemeinschaftshaus Marienhagen

Der Weg der Turnhalle des TV Marienhagen zum DGH der Nationalparkgemeinde

Gegründet wurde der Turnverein Marienhagen im Jahr 1922. Sinn und Zweck der Gründung sollte „die allseitig körperliche Ausbildung seiner Mitglieder und die Förderung einer namhaften sowie vaterländischen Gesinnung sein, aber es wurde auch vereinbart, dass parteipolitische und religiöse Bestrebungen innerhalb des Vereins verboten sein sollen.“ Erster Vorsitzender des Vereins war ein Herr Schmidt, der auf der Hütte in Thalitter arbeitete. Nach dessen Wegzug übernahm ein Herr Keller kurzzeitig den Vorsitz und letztlich wurde Otto Lohof aus Marienhagen als 1. Vorsitzender bestätigt.

Der Verein legte den Wahlspruch des Turnvaters Jahn (ihm zu Ehren wurde ein „Jahn-Stein“ aufgestellt) als Turngesetz der damaligen Zeit „Frisch – Frei – Fröhlich - Fromm“ zu Grunde, wobei der Begriff „Fromm“ nicht mit dem religiös-kirchlichen Begriff der Frömmigkeit zu sehen ist, sondern meint eher tüchtig, fleißig. Über dem Haupteingang der Turnhalle wurde später beim Bau der Halle ein kunstvoller Stein mit den o.g. „4 F“ und dem Sinnspruch „Einigkeit macht stark“ eingemauert …. und so mancher von uns wird sich noch an „Heulen – Onkel und seinen oft zitierten Ausspruch erinnern: Ihr müsst die Turnübungen wie aus dem FF beherrschen….“ Gleichzeitig wurde der Turnverein Mitglied im Dachverband der Deutschen Turnerschaft ( DT ).

Der erste Turnplatz wurde von dem Vorstand (Otto u. Friedrich Lohof, Fritz Keller, Heinrich Rausch, Heinrich Müller – um nur einige Namen zu nennen) zunächst auf einem kleinen Platz in der heutigen „Kahne“ mit dem „Aufbau eines Recks im Freien“ betrieben (das Hüten von Schafen u. Schweinen wurde ab dem 10.05.1923 dort untersagt). Ab 1924 wurde im Winter die „ernsthafte Turnerei vor allem als Leibeserziehung“ in der Scheune von Lohofs (gegenüber der Kirche / „Cafe“) in „stets frohen Stunden“ betrieben…. Ein gebrauchter Barren als weiteres Übungsgerät aus Massenhausen konnte durch den Erlös von Getreidespenden gekauft werden.

Übrigens ist auch zu erwähnen, dass jeder Turner zu jener Zeit verpflichtet war, regelmäßig an der Turnstunde teilzunehmen, sonst erfolgte bei unentschuldigtem Fehlen eine Strafe von 20 Pfennig und ein dreimaliges Fehlen führte zum Ausschluss. Der Turnverein fand immer mehr begeisterte Anhänger und so wurde bereits im Jahr 1925 „voller Mut und Kraft“ vereint mit dem Bau einer Turnhalle u.a. auch zur „Förderung des Zusammengehörigkeitsgefühls“ begonnen. Außerdem sollten die Schulkinder endlich einen zweckmäßigen Raum zum Turnen, die Schule und die Gemeinde einen Versammlungsraum für die Gestaltung von Elternabenden, Weihnachts-, Schul- und Unterhaltungsabenden erhalten – und absolut fortschrittlich zu jener Zeit – es wurde ein allgemeiner Baderaum vorgesehen.

Der feierliche Spruch zur Grundsteinlegung am 07.Juni 1926 war: „Möge diese Stätte dazu dienen, wieder deutsche Treue, Liebe und Einigkeit in die Gemeinde sowie Vaterland zu bringen, dann ist der Zweck erfüllt – Das wollte Gott!“

Die Kalksteine zum Bau wurden eigenhändig im naheliegenden Gemeinde-Steinbruch gebrochen (Ludwig Gernandt, Heinrich Kimm, Fritz Gernandt) und mit dem gefällten Bauholz aus dem Schachtental zur Baustelle durch die Spann- und Fuhrdienste von Friedrich Höhle, Friedrich Freund und Heinrich Emde gebracht. Das Sandfahren übernahm Hr. Wittmer-Eigenbrodt aus Hof Lauterbach, da im Gegenzug Heinrich Rausch, Wilhelm Bauch u. Will. Müller dort beim Fichten pflanzen geholfen hatten. Die Zeichnung zum Bau der Halle wurde unentgeltlich von Heinrich Müller vollzogen, der zusammen mit seinem Bruder Karl sowie August Geitz und Ludwig Eger auch die Zimmerarbeiten übernahm. Für die Maurerarbeiten waren Wilhelm Bauch sen. u. jun., Heinrich Rausch, Fritz Hille und Fritz Gernandt zuständig. Die behauenen Kunststeine an Fenstern und Türen übernahmen Friedrich u. Otto Lohof, Heinrich Kimm und Fritz Gernandt. Karl Figge fertigte die Fenster und die Türen.

Schon im Winter 1926 konnte die erste Weihnachtsfeier im Rohbau der Halle „bis in die frühen Morgenstunden“ gefeiert werden – unter Begleitung „des schon obligatorischen Eierpfannkuchens“, „geistigen Getränken“ und fröhlichem Gesang. Insbesondere durfte hier das Lied „Turner auf zum Streite“ nicht fehlen … von dem vor allem die 4. Strophe mit Herzblut gesungen wurde:

Auf denn, Turner, ringet

prüft der Sehnen Kraft

Doch zuvor umschlinget

euch als Bruderschaft

Großes Werk gedeiht

nur durch Einigkeit

1927 wurden die Mauern verputzt, Dielen verlegt und eine Verschalung angebracht, so dass vom 31. Juli bis 01.August 1927 die offizielle Einweihung erfolgte - bei gleichzeitiger Durchführung eines Bezirksturnfestes.

1963/66 erfolgte das Anlegen des Sportplatzes seitlich der Turnhalle als einer „der schönsten Plätze weit und breit in der gesamten Umgebung.“

Am 11.11. 1964 standen grössere Reparatur- und Umbauarbeiten an, so dass „um eine bessere Finanzierung dieser Erfordernisse“ zu haben, der Vorstand des Turnvereins beschloss, die Turnhalle an die Gemeinde zu übertragen, unter Vorbehalt eines weiterhin gültigen Mitbestimmungsrechtes für den Verein. Der Übergabevertrag wurde am 01.10.1965 bei einem Notar in Korbach seitens des Turnvereins und der Gemeinde unterschrieben – aus der einstigen Bezeichnung „Turnhalle wurde nun offiziell das Dorfgemeinschaftshaus von Marienhagen.“

Am 22.01.1966 wurde verkündet, dass die Mehrzweckhalle um weitere 5 Meter in der gesamten Breite erweitert werden sollte, die Bühne vergrössert werde, eine Bücherei, eine Küche, eine Kegelbahn, neue Sanitäranlagen und ein Umkleideraum mit zusätzlichen Duschräumen geplant seien.

Im Laufe der folgenden Jahre erweiterte sich das Sport-Angebot des Vereins zunehmend vom „aktiven Turnen“ zusätzlich u.a. auf Fussball-, Wintersport-, Wander-, Volkstanz-, Schwimm-, Gymnastik-, Fitness- und Leichtathletik Abteilungen.

Am 18. September 1983 wurde das Richtfest gefeiert und vom 16.-17.06.1983 erfolgte die Einweihung des Anbaus des neuen Umkleidegebäudes an das Dorfgemeinschaftshaus mit einem vielseitigen Festprogramm.

Vom Juni 2000 bis zum August 2001 wurde der Eingangsbereich gänzlich neu an die vordere Seite verlegt, während im Bereich des alten Eingangs die neue Küche mit angrenzender Kühlzelle und eine neue Thekenanlage entstanden. Ebenso wurden die Umkleidekabinen mit den Duschen umgestaltet. Am 18. August 2001 wurde für den neuen Eingang der Schlüssel feierlich von dem Bürgermeister Plünnecke an den damaligen Ortsvorsteher Dr. Reinhard Kubat übergeben.

Unser Dorfgemeinschaftshaus in Marienhagen besteht bis heute und ermöglicht UNS allen die Durchführung vielseitiger Aufgaben und Veranstaltungen – freuen wir UNS schon jetzt auf das große 100 jährige Jubiläum im Jahr 2026 - seien WIR gespannt auf Eierpfannkuchen, geistigen Getränken und vielleicht auch einem gemeinsam angestimmten Lied : „Turner auf zum Streite“ ….

Helmut Rikus
Dr. Heinrich Knoche
1. Vorsitzender TV Marienhagen