Ein fiktives Waldbrandszenario forderte am 30. Mai 2026 das volle Spektrum des regionalen Katastrophenschutzes. Unter dem Übungsnamen „Goldesberger Wolf“ absolvierten 145 Einsatzkräfte einen zweigeteilten Ausbildungstag, der von technischer Stationsausbildung am Vormittag bis hin zur komplexen Alarmübung am Nachmittag reichte.
Der Tag begann auf dem Gelände der Pommernanlage in Wolfhagen. Gemäß des hessischen Katastrophenschutzkonzeptes bilden die Kommunen spezialisierte Löschzüge für den überörtlichen Einsatz und um den örtlichen Grundschutz aufrecht zu erhalten. Der Landkreis Kassel hat diesen Einheiten spezifische Schwerpunktfähigkeiten zugewiesen:
| • | Habichtswald/Zierenberg: Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden. |
| • | Breuna: Bewältigung von Unwetterlagen. |
| • | Niestetal/Nieste: Löschwasserförderung über lange Wegstrecken. |
| • | Baunatal: Technische Hilfeleistung und Logistik. |
Neben der Vorstellung dieser Schwerpunktfähigkeiten erklärten Feuerwehrkameraden diverse Sonderfahrzeuge.
Im Fokus standen die Wechselladerfahrzeuge (WLF):
• Das WLF Kran mit Abrollbehälter (AB) Kran sowie der AB Rüst (beide Feuerwehr Baunatal). Das über 10 Meter lange und rund 26 Tonnen schwere Wechselladerfahrzeug Kran ist mit einem eigenen Ladekran sowie einer eingebauten Seilwinde ausgestattet und dient der technischen Rettung und Bergung in Katastrophenfällen. Ergänzt wird es durch den Abrollbehälter Kran, der umfangreiches einsatztaktisches Zubehör wie Rettungskörbe, Tierhebegeschirre oder Greifer mitführt, um Menschen und Tiere aus Höhen oder Tiefen zu retten sowie schwere Lasten zu bewegen oder zu sichern. Der AB Rüst ist ein flexibler Spezialcontainer, der umfangreiches, schweres Gerät für große technische Hilfeleistungen (wie Verkehrsunfälle, Gebäudeeinstürze oder Bauunfälle) enthält. Er dient als rollende Werkstatt und Ergänzung, wenn die normale Fahrzeugbeladung nicht ausreicht.
• Das WLF der Feuerwehr Hofgeismar mit dem AB Tank. Die mobilen Wassertanks sind ein wichtiger Baustein, um den gesetzlichen Verpflichtungen des Landkreises Kassel in der Gefahrenabwehr nachzukommen, insbesondere bei Großbränden, Waldbränden und Einsätzen in Gebieten mit schlechter Löschwasserversorgung.
• Eine Besonderheit stellte der AB Wasser der Feuerwehr Liebenau-Ersen dar: Dieses eigens für den Standort konstruierte Modell wurde im direkten Vergleich zu den anderen Systemen detailliert erläutert.
Bereits in dieser Phase waren Einsatzkräfte des THW Kassel, der DLRG Vellmar und des DRK Breuna anwesend, um sich mit den Fähigkeiten der Partnerorganisationen vertraut zu machen.
Nach der dreistündigen Ausbildung folgte die Verpflegung der Mannschaft direkt im Übungsareal. Die Feldküche Breuna stellte mit Unterstützung des THW Kassel die Versorgung der 145 Einsatzkräfte unter einsatznahen Bedingungen sicher.
Der zweite Teil des Tages führte die Einheiten nach Oberlistingen. Das Szenario: Ein Bodenfeuer auf einer Kiefernfläche drohte auf einen Mischwald überzugreifen.
Um die Phasen der Lageerkundung realgetreu abzubilden, erfolgte die Alarmierung zeitversetzt:
Zuerst wurde die örtlich zuständige Feuerwehr Breuna alarmiert. Anschließend wurden die KatS-Züge Habichtswald/Zierenberg und Niestetal/Nieste sowie die WLF Hofgeismar mit AB Tank und das WLF Liebenau mit AB Wasser aus der Pommernanlage in den Übungsraum gerufen.
Im Ortsteil Rhöda richtete die DLRG Vellmar einen Fahrzeughalteplatz ein und übernahm den Lotsendienst für die anrückenden Fremdkräfte.
Die Technische Einsatzleitung (TEL) wurde am Feuerwehrhaus Oberlistingen etabliert. Hierbei stellte das THW Kassel mit seinem Zugtrupp das Personal und Fahrzeug für die Übungsleitstelle und Regieeinheit.
Die eintreffenden Züge erhielten spezifische Aufträge vom Einsatzleiter:
Lufterkundung & Personensuche: Die Drohneneinheit aus Habichtswald wurde zu Beginn der Übung direkt der Einsatzleitung unterstellt. Sie unterstützte die Kräfte am Boden maßgeblich durch eine präzise Erkundung der Schadenslage aus der Luft. Neben der Brandüberwachung wartete eine besondere Zusatzaufgabe auf das Drohnenteam: Zwei Kinder der Kinderfeuerwehr Ehlen waren im Waldgebiet als „vermisste Personen“ positioniert worden. Sie konnten mithilfe der Drohnentechnik erfolgreich gesucht, lokalisiert und zu den nächsten Kräften geführt werden, die sie in Obhut nahmen.
Der Löschzug 12 (Zierenberg/Habichtswald) übernahm die Brandbekämpfung eines durch das Waldbrandausbilderteam des Landkreises professionell vorbereiteten Bodenfeuers. Hierzu mussten alle Fahrzeuge zunächst über einen Kilometer rückwärts in den Wald fahren, um jederzeit für einen möglichen Rückzug abfahrtbereit zu stehen.
Der Löschzug Breuna errichtet eine sog. nasse Haltelinie. Hierbei wurde das Gelände mittels Schlauchleitungen und mobiler Technik mit Wasser benetzt, um eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Bevor die Schlauchleitungen lagen, musste eine eigene Wasserversorgung aus einem Feuerlöschteich hergestellt werden.
Die Einheiten aus Niestetal/Nieste bauten zwei kilometerlange Schlauchleitungen und mehrere Wasserübergabepunkte auf. Unterstützt wurden sie durch die WLF, die in der Anfangsphase bis zu 10 m³ Wasser als Puffer bereitstellten. Die Feuerwehr Volkmarsen unterstützte diesen Abschnitt mit einem zusätzlichen Löschfahrzeug.
Dass eine solch komplexe Großübung reibungslos funktioniert, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis langer Planung: Vorbereitet und ausgearbeitet wurde diese Übung von den Zugführern der KatS-Löschzüge Breuna, Niestetal/Nieste, Zierenberg/Habichtswald und Baunatal mit Unterstützung des THW OV Kassel.
Die medizinische Absicherung der 145 Einsatzkräfte übernahmen die Johanniter Kassel mit einem RTW. Der Brandschutzaufsichtsdienst des Landkreises Kassel begleitete den gesamten Tag und beobachtete sowohl die Ausbildung in Wolfhagen als auch die taktische Umsetzung im Gelände.
Nach rund drei Stunden intensiven Einsatzes konnte die Übung gegen 16 Uhr erfolgreich beendet werden. Die Einsatzkräfte begannen im Anschluss mit dem Rückbau der kilometerlangen Leitungen und Herstellen der Einsatzbereitschaft, um auch nach der Übung jederzeit wieder sofort einsatzbereit zu sein.
Wer Interesse an der Arbeit der Feuerwehr hat oder sich engagieren möchte, ist herzlich eingeladen, an den regelmäßigen Ausbildungsabenden der einzelnen Ortsteile teilzunehmen.
Die Übungszeiten sind wie folgt:
| • | Zierenberg: dienstags, 19.30 Uhr |
| • | Ehlen: dienstags, 19 Uhr |
| • | Oelshausen: mittwochs, 19.30 Uhr |
| • | Dörnberg: mittwochs, 19 Uhr |
| • | Oberelsungen: donnerstags, 19.30 Uhr |
| • | Burghasungen: freitags, 19 Uhr |
Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen – einfach vorbeikommen und Feuerwehrluft schnuppern.
www.feuerwehren-zierenberg.de
www.feuerwehr-doernberg.de
www.feuerwehr-ehlen.de