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Wolfhager Stadtanzeiger
Ausgabe 14/2019
Kindergartennachrichten
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Kita Villa Kunterbunt/Istha

Unsere Geschichten in Buchformat

Unsere gebastelten Figuren

Arbeiten mit Tablet, PC und Drucker

Geschichten-Werkstatt mit den Vorschulkindern

Haben moderne Medien wie Tablet und Co. schon etwas in der Kita zu suchen?

Im Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) sind die Grundlagen und die Philosophie dafür, was Betreuung, Förderung und Erziehung beinhalten soll, verankert und das für alle Bildungsorte, die mit Kindern von 0 - 10 Jahren zu tun haben. Einer der Bildungsbereiche, die dieser BEP beschreibt und der von Fachkräften in einer Kita gefördert werden soll, ist Kinder zu sprach- und medienkompetenten Kindern zu erziehen.

Unsere Welt ist ohne moderne Medien nicht mehr denkbar, umso mehr ist die Kompetenz, mit modernen Medien zielgerichtet umgehen zu lernen, sie für die eigenen Ziele zu nutzen und sich nicht von ihnen benutzen zu lassen unabdingbar geworden. Um dies von klein auf lernen zu können, sollten moderne Medien wie Tablet und CO gerade in der Kita genauso einen Platz als Arbeitsinstrument einnehmen, wie beispielsweise Schere, Hammer oder Lineal.

„Boah, das sieht ja aus wie ein echtes Comic-Heft“, war Dilaras Kommentar, nachdem sie die erste fertige Szene der gemeinsamen Geschichte aus dem Drucker in ihren Händen hielt. „Wir sehen aus wie Schauspieler“, war Willems Meinung, als er sich selbst mitten in einer Szene der Geschichte entdeckte. Solche Ergebnisse aus der gemeinsamen Gruppenarbeit hatte wohl keines der Kinder erwartet. Aber von Anfang an: Aufgabe unserer Vorschulkinder war es, eine eigene Geschichte zu erfinden, zu gestalten und diese anderen zu präsentieren. Zuerst haben alle Kinder einer Geschichte gelauscht, die anhand von 12 Szenen im DIN A3 Format im Erzähltheater Kamishibai präsentiert wurde. Dann haben sich die Kinder Gedanken darüber gemacht, was zu einer guten Geschichte dazu gehört: natürlich ein Held, ein Ort, wo die Geschichte spielt, eine Aufgabe oder ein Abenteuer, das der Held lösen bzw. bestehen muss, ein Böser oder Widersacher, aber auch Helfer und auf jeden Fall, da waren sich alle einig, ein gutes Ende. Außerdem braucht jede Geschichte natürlich einen Namen bzw. einen Titel. Jedes Kind durfte nun einen Teil der eigene Geschichte bestimmen und dann wurden die Teile aneinandergefügt und das Skript für eine neue, eigene Geschichte war geboren! Im nächsten Schritt wurden die Szenen für die Hintergründe, wie z.B. ein Wald, ein Schloss, eine Höhle, der Sandkasten der Kita oder eine Backstube o.ä. aus dem Internet kopiert bzw. mit dem Tablet fotografiert und am Drucker in A3 Format ausgedruckt. Danach wurden die Figuren und Dinge gebastelt oder fotografiert, die für die Szenen der Geschichte wichtig waren: z. B. eine Torte, ein Zuckersack, ein Superheld, ein Einhorn, ein Ritter oder Fotos von sich selbst in unterschiedlichen Posen. Die Figuren und ausgeschnittenen Fotos wurden nun für die unterschiedlichen Szenen, die die Seiten des Buches ergeben, auf die Hintergründe gelegt und erneut mit dem Tablet fotografiert. Jedes Kind durfte nun eine Szene vom Tablet auf den PC laden und vom PC aus den Druck anstoßen, damit dann letztlich die fertige Szene in DIN A3 Format in den Händen gehalten werden konnte. Nun brauchte die Geschichte noch den abschließenden Text und fertig. Mit “Das Monster und die Kämpfer“, „Ritter und Fee retten das Einhorn“ und „Geisterschreck- der Zucker ist weg!“ entstanden drei ganz unterschiedliche Geschichten in gemeinsamer Teamarbeit und jede Geschichte ist in drei unterschiedlichen Präsentationen zu bewundern. Einmal als Geschichte im Tablet: selbst vertont kann man sich diese in ganz moderner Weise vom Tablet vorlesen lassen. Einmal als ganz gewöhnliches Bilderbuch zum gemütlichen Vorlesen und Erzählen z.B. auf unserem Sofa. Und einmal als Bilder im DIN A3 Format zum Erzählen der Geschichte für eine Gruppe mit dem Erzähltheater Kamishibai.

Höhepunkt war dann der Tag der Verabschiedung der Vorschulkinder. Am Vormittag präsentierten die Großen den Kleinen in der Kita ihre Geschichte mit dem Erzähltheater und am Nachmittag vor einem großen Publikum, den eigenen Eltern. Es gab viel Applaus und allen Kindern stand der Stolz auf ihre eigene Geschichte ins Gesicht geschrieben.

Tablet und Co. waren bei diesem Projekt jedoch nur Arbeitsinstrumente, die zu einem ganz bestimmten Zweck eingesetzt und genutzt wurden. Außer den Medienkompetenzen wie Umgang mit Tablet, Maus, PC und Drucker, Nutzung des Internets, mit Mikrofonaufnahmen Szenen vertonen und Figuren mit „Tricks“ auf den Szenen platzieren und fotografieren etc. brauchte es aber noch ganz viele weitere Kompetenzen und Kenntnisse, damit die Ergebnisse zu Stande kommen konnten, z.B. den roten Faden von Geschichten erkennen und erarbeiten, was zur Struktur einer Geschichte dazu gehört, Fantasie und Kreativität entwickeln, in Teamwork arbeiten, Absprachen treffen, sich Aufgaben aufteilen und sich gegenseitig helfen, Figuren basteln, einen Text für eine Geschichte erfinden und sich trauen, die Geschichte anderen zu präsentieren, an einer Sache ausdauernd dran zu bleiben und sich darauf zu konzentrieren u.v.m.! All das haben unsere Vorschulkinder geschafft und drei ganz unterschiedliche Geschichten sind ein bleibendes Ergebnis für alle folgenden Kita-Kinder.