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Amtl. Bekanntmachungsblatt d. Gemeinde Losheim/See
Ausgabe 15/2022
Aus unserer Gemeinde in Wort und Bild ...
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Partnerschaft Losheim am See - Bokungu Kongo RDC

Seife wird aus Palmöl und Natronlauge gemacht - das erfordert Sorgfalt und Schutzmassnahmen bei der manuellen Herstellung.

Die Waldbauern sind stolz auf ihre erste Seife. Jetzt muss sie noch rund 4 Wochen ausreifen.

Die Früchte der Ölpalme sind nicht nur der Grundstoff für die Seifen- und Medikamentenherstellung. Ihr Öl ist auch unentbehrlich in der Küche.

Weiteres Selbsthilfeprojekt erfolgreich durchgeführt

Mit Losheimer Unterstützung konnte dieser Tage im Bokungu - Territorium des Tshuapa - Regenwaldes das Partnerprojekt „Seifen - Über Leben im Regenwald“ (dokumentiert auf betterplace.org) in die dritte und letzte Phase geführt werden. Aussergewöhnlich an diesem Unternehmen ist seine lange Geschichte, die Dauer- und damit Nachhaltigkeit.

Hintergrund ist der „afrikanische Weltkrieg“ um die Jahrtausendwende, der wider allen Erwartens auch über die abgelegene und isolierte Regenwaldregion kam. Bis ins Dorf Yokungueteka. Die Menschen dort gehören zum traditionellen Nkole-Königreich, dessen Familienverband vor Jahrhunderten von anderen Savannenvölkern in den menschenfeindlichen Urwald verdrängt wurde. Aus Kriegern/Jägern wurden Waldbauern und Fischer. Dank umsichtiger Führung erarbeiteten sie sich bescheidenen Wohlstand: neben der Grundnahrung Maniok bauten sie vor allem Mais und Bohnen an. Ein innovativer Regent führte erfolgreich Trockenreis ein, sowie Fischteiche für eine gesunde Ernährung. Pilze, Raupen, Wild, Gemüse, Früchte sammelten sie im Wald. Zum Verkauf kam Kaffee; die Kautschukplantage sicherte regelmässiges Einkommen. Kinder konnten zur Schule zu gehen, einige in eine gute Ausbildung in der Landeshauptstadt.

Dann passierte die Katastrophe, mit der niemand gerechnet hatte: es gab Krieg, und der kam bis in diese abgeschiedene Region. Und er blieb. Für ein ganzes Jahrzehnt, mit anschliessender militärischer Besetzung. Die Europäer verliessen fluchtartig die Region, um nicht wiederzukommen; darunter die Händler, die die Landwirtschaftsprodukte aufgekauft hatten. Von Plünderungen, der Zerstörung der Infrastrukur hat sich die Region bis heute nicht erholt. Dörfer mussten aufgegeben werden. Die einheimische Bevölkerung konnte nicht weglaufen: sie flüchtete in den undurchdringlichen Urwald. So auch die Bewohner von Yokungueteka. Sie richteten sich in provisorischen Camps ein. Es dauerte Jahre, abgeschnitten von der Welt, bis sie zögerlich ihr Dorf wieder in Besitz nahmen. Alles musste neu aufgebaut werden. Die Felder, die einfachen Häuser, die Dorfschule hatte sich der Wald geholt...

Um die Rückkehr der Dorfbevölkerung zu unterstützen und den Wiederaufbau, schlossen sich einige Bauern zusammen, begleitet durch die Selbsthilfeorganisation des Nkole-Volkes FoLiNko, vor allem in Person des damaligen Abiturienten Fabrice Lifala aus der Regentenfamilie (ursprünglich hatte der sich in den Dienst der Kirche stellen wollen, aber die Mittel der im Krieg verarmten Familie hatten nicht gereicht für die Aufnahme ins „Kleine Seminar“). Fischteiche, ein Palmenhain wurden angelegt. Dazu legten sie natürliche Palmenbestände im Wald frei damit sie besser wachsen können, neue Ölpalmen wurden dazu gepflanzt. Diese Arbeit verlangte den mittellosen Waldbauern viel ab: eine Palme benötigt 4-5 Jahre Arbeit bis zum ersten Ertrag. Also ein Projekt in die Zukunft, das Ausdauer und Durchhaltevermögen fordert. Nicht ganz einfach, wenn Kinder hungern, es an allem fehlt. Etwas erleichtert wurde dieser Einsatz durch gespendetes Arbeitsgerät das Fabrice vermittelte. Seit rund 5 Jahren tragen die Jungpalmen Früchte, erstes Palmöl konnte gewonnen werden: für die lokale Küche, Brennstoff für einfache Lampen.

Mit Hilfe unserer Projektunterstützung konnten die Bauern ihr beispielgebendes Projekt weiter voranbringen: die durch den jahrelangen Einsatz abgestumpften und verbrauchten Werkzeuge wurden ersetzt und der Palmenhain damit aufgefrischt und ergänzt. Ein Dorf - Haus wurde mit lokalen Mitteln saniert und ein Lagerraum angelegt. In einer zweiten Phase erfolgte die Anschaffung und Installation einer eigenen lokalen Ölmühle (die Benutzung der fremden hatte einen Grossteil der Erträge gekostet).

Mit der gesteigerten Ölproduktion samt Schaffung von Lagermöglichkeiten konnten die Bauernvereinigung ihre Aktivitäten jetzt um eine Seifenproduktion ergänzen. Die dazu benötigten Materialien mussten in der rund 250 km entfernten Provinzhauptstadt Boende, ein Teil im 500 Flusskilometer entfernten Mbandaka eingekauft und via Bokungu ins Dorf geschafft werden: per Einbaum und zum Schluss mit den Fahrrädern, die ebenfalls von unseren Spendern finanziert wurden. Seife ist das Haupt-Hygiene-Produkt und ein echter Allrounder für die Menschen im Regenwald: Körperpflege, Abwasch, Kleiderwäsche, Schutz gegen Parasiten,... - in der abgelegenen Gegend rar und teuer. Auf den regionalen Märkten ist sie gefragt... Mit einem Teil des Erlöses will die Bauernvereinigung soziale Bedarfe im Dorf finanzieren.

Fabrice hat die Wartezeit nach seinem Studiumsabschluss genutzt, um von Mbandaka nach Bokungu (ins „Interieur“) zu reisen und einmal mehr die Bauernvereinigung zu unterstützen. Diesmal als staatlich anerkannter Umweltingenieur. Unter seiner Leitung und dank seiner Ausdauer, allen Widrigkeiten zum Trotz, konnte die dritte und letzte Projektphase erfolgreich abgeschlossen werden. Er ist stolz auf die erbrachte Leistung; aus dem Initial - Projekt kann jetzt eine „unité de production“ werden, ein auf Dauer angelegtes Unternehmen, das der Dorfgemeinschaft zugute kommt und einen wichtigen Beitrag leistet auch zum Wohlergehen der Anderen. Der junge Projektbegleiter ist inszwischen wieder zurück in der Provinzhauptstadt vor den Toren des Salonga - Nationalparks. Dort wartet er auf Bescheid, dass er endlich in seine Berufseinführung starten kann. Wir wünschen ihm und den Waldbauernfamilien guten Erfolg. Und sagen „merci mingi“, auch in ihrem Namen, herzlichen Dank, allen Unterstützern. Und: wenn Menschen im Regenwald ein Auskommen haben, dann hat auch unsere grüne Weltlunge gute Aussichten.

regenwald.leben.mensch

Kontakt: W. Leinen, info@konga-ev.de.