Vor dem mit den Spenden beladenen LKW: Landrat Frank John (5. v. l.), Giuseppe Nardi (6. v. l.), Dr. Susanne Nimmesgern (4. v. l.) und Dr. Violetta Frys (3. v. l.) mit Initiatorinnen und Unterstützern der Spendensammlung.
Das Team des Frauenbüros des Saarpfalz-Kreises hat über einige Monate medizinische Hilfsmittel gesammelt, um eine Spendenaktion des gemeinnützigen Vereins „Zukunft für Otschakiw“ zu unterstützen. Jetzt war es Augenzeuge, als u. a. Rollatoren im Wert von etwa 30 000 Euro in einen LKW von Dr. Theiss Naturwaren verladen wurden, der sich anschließend Richtung Otschakiw in der Ukraine aufmachte. Den Termin vor Ort begleiteten u. a. Giuseppe Nardi, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Theiss Naturwaren GmbH, Landrat Frank John, die Frauenbeauftragte Dr. Susanne Nimmesgern, die Europabeauftragte und Leiterin der Stabsstelle Europa Dr. Violetta Frys sowie Unterstützerinnen und Unterstützer der Spendenaktion.
Am 24. Februar jährte sich zum vierten Mal, dass der Krieg über die Ukraine hereingebrochen ist. Viele Menschen verließen ihre Heimat, um im Ausland Schutz zu finden. Auch im Saarpfalz-Kreis sind viele ukrainische Flüchtlinge dabei, Fuß zu fassen und sich ein neues Leben aufzubauen. Das Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises bietet seit Jahren Beratung in diversen Lebenslagen sowie verschiedene Sprachangebote, weshalb es zu einer viel frequentierten Anlaufstelle auch für Flüchtlinge geworden ist. Im Rahmen eines niedrigschwelligen Sprachkurses ist im November 2025 die Idee entstanden, eine Spendenaktion des gemeinnützigen Vereins „Zukunft für Otschakiw“ zu unterstützen.
Otschakiw ist eine Kleinstadt am Schwarzen Meer im Süden der Ukraine, etwa 70 Kilometer östlich von Odessa, die durch den Krieg die Hälfte ihrer Bevölkerung eingebüßt hat. Zurück blieben vorwiegend alte Menschen, Kinder und sehr viele Versehrte, für die es so gut wie keine Unterstützung gibt. Deshalb haben engagierte Einwohnerinnen und Einwohner vor einem Jahr eine private Hilfsorganisation ins Leben gerufen, die sich vor allem um Kinder und Kriegsversehrte kümmert. Die Organisation vor Ort wird von Viktoria Chorna geleitet, deren Mutter den Sprachkurs des Frauenbüros in Homburg besucht. Diese bat um Unterstützung beim Sammeln medizinischer Hilfsmittel, die in der Ukraine kaum mehr zu bekommen sind.
Zum Auftakt der Aktion organisierte das Frauenbüro Anfang Dezember 2025 einen ukrainischen Nachmittag mit landestypischen Gerichten, einer Kunstgewerbeausstellung und einem Kinderchor, der ukrainische Volkslieder vortrug. Die Veranstaltung stieß auf lebhaftes Interesse und zahlreiche Helferinnen aus dem Umfeld des Frauenbüros waren tagelang damit beschäftigt, leckere ukrainische Spezialitäten in großer Menge zuzubereiten. Auch die aufgestellte Spendenbox war schnell gefüllt und ihr Inhalt wurde in dringend benötigte Pflegeprodukte für Otschakiw investiert.
Die Reaktionen der Bevölkerung auf den Spendenaufruf für medizinische Hilfsmittel waren überwältigend, und die Mitarbeiterinnen des Frauenbüros waren über Wochen damit beschäftigt, die großzügig bereitgestellten Hilfsgüter im gesamten Landkreis abzuholen, zu registrieren und wenn nötig zu säubern. Auch das Saarbrücker Sanitätsfachgeschäft BIGRAtec beteiligte sich an der Aktion. Neben zahlreichen Gehhilfen und Rollatoren stellte es ein elektrisches Pflegebett und zwei elektrische Rollstühle zur Verfügung. Da deren Akkus nicht mehr funktionsfähig waren, hatte die Homburger Firma Saarbatt großzügigerweise vier Geräte auf eigene Kosten zur Verfügung gestellt.
Landrat Frank John unterstrich das große Engagement im Saarpfalz-Kreis für die ukrainischen Freundinnen und Freunde und die Kontinuität der humanitären Brücke in die Ukraine. Sein Dank galt allen, die die Spendenaktion ins Leben riefen und sich daran beteiligten. „Angesichts des unfassbaren Leids in der Ukraine sind nach wie vor unsere Solidarität und die Bereitschaft, den Menschen dort zu helfen, gefordert. Ein Projekt dieser Größenordnung wäre ohne starke Partner aus unserer heimischen Wirtschaft nicht denkbar. Ein besonderer Dank gilt deshalb der Firma Dr. Theiss Naturwaren. Sie stellt uns für den Transport nach Otschakiw nicht nur die notwendige Logistik und Transportkapazitäten zur Verfügung, sondern ist seit Beginn des Krieges eine verlässliche Stütze unserer Hilfsbemühungen“, so der Landrat.
Die Stabsstelle Europa des Saarpfalz-Kreises, die für den grenzüberschreitenden Austausch mit den europäischen Partnerlandkreisen zuständig ist, stellte den Kontakt zu Dr. Theiss Naturwaren her. Das Unternehmen, das in Homburg seit Jahren für die tatkräftige Unterstützung kultureller und sportlicher Veranstaltungen als auch sozialer Projekte bekannt ist, erklärte sich sofort bereit, die Hilfsgüter beim Frauenbüro abzuholen, zu verpacken und für den Transport vorzubereiten.
Giuseppe Nardi betonte: „Die Unterstützung der Menschen in der Ukraine ist für uns seit Beginn des Krieges Ausdruck unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmen. Umso mehr begrüßen wir die Initiative des Saarpfalz-Kreises und der engagierten ehrenamtlichen Ukrainerinnen, die mit großem persönlichen Einsatz diesen Hilfstransport möglich gemacht haben. Gerne beteiligen wir uns erneut und unterstützen den aktuellen Transport unter anderem mit einem Generator für ein Krankenhaus in Kiew. Eine verlässliche medizinische Versorgung ist gerade unter den gegenwärtigen Bedingungen von entscheidender Bedeutung. Mein Dank gilt allen Beteiligten für ihr außergewöhnliches Engagement. Dieses gemeinsame Handeln ist ein starkes Zeichen gelebter Solidarität.“
Die Spendenaktion des kreiseigenen Frauenbüros ist ein weiteres Beispiel für das große bürgerschaftliche Engagement und das erfolgreiche Zusammenspiel verschiedener Akteurinnen und Akteure im Saarpfalz-Kreis.