Lina wachte früh am Morgen auf.
Die Sonne schien durchs Fenster, und im Garten glitzerten noch die Tautropfen im Gras. „Heute ist Ostern!“, rief sie und sprang aus dem Bett.
Im Wohnzimmer stand ein kleiner Korb, darin lagen bunte Eier und ein Schokohase. Aber daneben lag auch ein kleines Buch mit einem goldenen Kreuz auf dem Deckel. „Was ist das?“, fragte Lina.
Mama kam dazu und setzte sich zu ihr auf das Sofa. „Das ist ein Kinderbibelbuch“, erklärte sie. „Willst du hören, warum wir Ostern feiern?“
Lina nickte und kuschelte sich an Mama.
„Weißt du“, begann Mama, „vor langer Zeit lebte Jesus. Jesus war ein besonderer Mensch. Er hat Menschen geholfen, Kranke getröstet und allen gezeigt, dass Gott sie liebhat. Er hat den Kindern zugehört und mit ihnen gespielt. Viele Menschen mochten Jesus sehr.“
Lina lächelte. „Ich würde auch gern mit Jesus spielen“, murmelte sie.
„Aber nicht alle waren froh über Jesus“, fuhr Mama fort. „Manche waren neidisch und hatten Angst, dass er zu viel zu sagen bekommt. Sie beschlossen, ihn gefangen zu nehmen. Schließlich wurde Jesus zum Tode verurteilt und musste am Kreuz sterben. Seine Freunde waren sehr traurig. Sie dachten: Jetzt ist alles aus.“
Linas Augen wurden groß. „Das ist eine richtig traurige Geschichte“, meinte sie leise.
Mama nickte. „Ja, Karfreitag ist ein trauriger Tag. Jesus wurde in ein Felsengrab gelegt, und ein großer, schwerer Stein wurde vor die Tür gerollt. Die Freunde gingen nach Hause und weinten.“
Eine Weile war es still. Dann fragte Lina: „Und wo ist jetzt das Osterfest?“
Mama lächelte. „Das kommt jetzt. Drei Tage später, ganz früh am Morgen, gingen einige Frauen zum Grab. Sie wollten nach Jesus sehen. Aber als sie ankamen, trauten sie ihren Augen nicht: Der große Stein war weggerollt. Das Grab war offen – und leer!“
„Leer?“, rief Lina erstaunt. „Jemand hat Jesus geklaut?“
„Das dachten die Frauen zuerst auch“, sagte Mama. „Aber dann kam ein Engel und sagte: ‚Habt keine Angst! Jesus lebt. Gott hat ihn auferweckt.‘ Die Frauen erschraken, aber sie freuten sich auch. Später begegneten die Freunde Jesus wirklich wieder. Er sprach mit ihnen, aß mit ihnen und tröstete sie. Da verstanden sie: Der Tod ist nicht das Ende. Bei Gott gibt es immer einen neuen Anfang.“
Lina dachte nach. „Also ist Ostern der Tag, an dem Jesus wieder lebendig wurde?“
„Genau“, sagte Mama. „Ostern erzählt uns: Gott kann aus Traurigkeit wieder Freude machen. Aus Angst kann neue
werden. So wie im Frühling aus kalter Erde neue Blumen wachsen.“
Lina schaute zum Fenster hinaus. Im Garten sah sie die ersten Krokusse und eine kleine Hummel, die über den Rasen brummte. „Dann sind die bunten Eier und die Blumen eigentlich Zeichen dafür, dass neues Leben anfängt, oder?“, fragte sie.
Mama nickte. „Ja. Und der Osterhase versteckt die bunten Eier, damit wir suchen und entdecken: Das Leben ist bunt und voller Überraschungen – so wie Gottes Liebe.“
Lina hielt den Schokohasen fest. „Dann möchte ich heute besonders fröhlich sein“, sagte sie. „Für Jesus. Und weil das Leben weitergeht.“
Sie sprang auf. „Komm, Mama! Wir gehen in den Garten. Vielleicht hat der Osterhase ja noch mehr ‚Hoffnung‘ versteckt.“
Und Hand in Hand gingen sie hinaus in den hellen Ostermorgen.