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Ausgabe 37/2026
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Die Römer im Saarland

 

 

Ein Portrait über die die Legio XIIII

Die Legio XIIII Gemina lässt das Leben römischer Legionäre vor fast 2000 Jahren lebendig werden. Zwischen Rüstung, Feldlager und rekonstruierter Römerstraße geht es den Mitgliedern nicht um Verkleidung, sondern um die möglichst genaue Annäherung an eine vergangene Zeit.

Der Legionär steht bereit. Tunika, Rüstung und Ausrüstung sitzen. Gleich wird marschiert. Schritt für Schritt geht es über das Gelände, in Formation und unter den Augen des Centurios. Was auf den ersten Blick wie eine Szene aus einem Historienfilm wirkt, gehört zum Vereinsalltag der Legio XIIII Gemina aus dem Saarland.

Rund 25 Aktive beschäftigen sich mit einer Zeit, die fast 2000 Jahre zurückliegt. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem römischen Heer unter Kaiser Augustus, genauer auf dem Jahr 8 nach Christus – ein Jahr vor der Varusschlacht. Die historische Legio XIIII war damals in Mogontiacum, dem heutigen Mainz, stationiert.

Doch wer bei Römer-Reenactment nur an Schwert und Schild denkt, greift zu kurz. Im Lager wird gekocht, Feuerholz gehackt, Ausrüstung gepflegt und Nachtwache gehalten. Die Mitglieder marschieren, trainieren Formationen und beschäftigen sich mit Handwerk. Viele Gegenstände ihrer Ausstattung stellen sie selbst her oder rekonstruieren sie nach archäologischen Funden und historischen Quellen.

„Möglichst authentisch“ ist dabei der entscheidende Anspruch. Für die Gewandung und Ausrüstung gibt es Regeln und einen vereinsinternen Kodex. Wie ein Schwert auszusehen hat, welche Form eine Tunika haben kann oder welche Materialien verwendet werden – all das wird nicht beliebig entschieden. Wo die Quellen keine eindeutige Antwort liefern, bleibt allerdings Interpretationsspielraum.

Die 14. Legion

Ihre Inspiration bezieht die Gruppe aus der Geschichte der historischen Legio XIIII Gemina. Die Legion wurde vermutlich 57 vor Christus unter Julius Caesar aufgestellt und später mit anderen Truppenteilen zusammengelegt. Daher stammt der Beiname Gemina, „Zwilling“. In der frühen Kaiserzeit war sie in Mainz stationiert.

Später wurde die Legion in verschiedenen Teilen des Römischen Reiches eingesetzt. 43 nach Christus marschierte sie nach Britannien und spielte dort eine wichtige Rolle bei der Niederschlagung des Aufstands der Boudicca. Dafür erhielt sie den Beinamen Martia Victrix, „Kriegerisch und Siegreich“.

Die Ottweiler Gruppe greift allerdings bewusst nur einen kleinen Ausschnitt aus dieser langen Geschichte auf. Ihre Darstellung konzentriert sich auf das frühe Prinzipat und damit auf eine Zeit, in der Rom vom Stadtstaat zum Imperium geworden war. Gerade diese Umbruchphase macht die Epoche für die Mitglieder interessant.

Der Verein

Die heutige Gruppe wurde 2012 gegründet und ging aus einem Vorgängerverein hervor, dessen Wurzeln bei einer Prätorianergarde in Oberursel liegen. Zu den Gründern gehörten Peter Klein und Thomas Biertümpel.

Klein ist bis heute eine prägende Figur der Gruppe. Als Centurio und Vorsitzender steht er für den Anspruch, historische Genauigkeit und Vereinsleben miteinander zu verbinden. Doch nach vielen Jahren steht für ihn inzwischen ein Wechsel an: Er möchte den Staffelstab an die nächste Generation weitergeben.

Die Suche nach Nachwuchs gehört deshalb zu den aktuellen Aufgaben des Vereins. Dabei müssen neue Mitglieder nicht zwingend als Legionär auftreten. Auch Bogenschützen werden gebraucht, ebenso Menschen, die sich für die zivilen Seiten der römischen Welt interessieren. Römische Küche, Textilarbeiten, Färben und andere historische Handwerke gehören ebenfalls zum Spektrum. Zum Vereinsleben gehört inzwischen auch eine Verbindung nach Rom. Einmal im Jahr reist die Gruppe dorthin, um an Veranstaltungen rund um die römische Antike teilzunehmen. Dort trifft sie eine Partnergruppe, mit der über die Jahre ein persönlicher Kontakt entstanden ist.

Eine Straße für die Ewigkeit

Was die Arbeit der Legio XIIII von einer einfachen historischen Darstellung unterscheidet, zeigt sich besonders im Umgang mit den Details. Die Mitglieder wollen nicht nur wissen, wie etwas ausgesehen haben könnte. Sie wollen möglichst nachvollziehen, wie es funktioniert hat.

Das sichtbarste Ergebnis dieser Arbeit steht bei Ottweiler. Dort hat die Legio XIIII gemeinsam mit Unterstützern einen Abschnitt einer römischen Straße rekonstruiert.

Die Idee entstand aus dem Wunsch, die römische Vergangenheit der Region nicht nur zu erklären, sondern tatsächlich begehbar zu machen. Zwischen Mainzweiler und Welschbach verläuft noch heute ein Weg entlang einer historischen Römerstraße. Parallel dazu entstand 2021 ein rekonstruierter Straßenabschnitt.

Die Anlage ist inzwischen zu einem kleinen römischen Ensemble gewachsen. Zur Straße gehören ein Meilenstein, ein Grabstein und ein Torbogen mit Merkursschrein. 2025 kam eine Statio, eine römische Wach- und Straßenstation, hinzu.

Beim Bau wollten die Vereinsmitglieder so weit wie möglich mit historischen Methoden arbeiten. Vieles entstand in Eigenleistung und mit der Hand. Ganz ohne moderne Technik ging es allerdings nicht. Die Steine wurden aus dem Moselgebiet geliefert, statt sie selbst zu brechen und mit Esel und Karren nach Ottweiler zu bringen.

Der Weg zur fertigen Anlage war ohnehin lang. Nach Angaben des Vereins waren rund 16 Behörden beteiligt. Fast zwei Jahre dauerte der Verwaltungsaufwand, bevor der Bauantrag gestellt werden konnte. Unterstützung kam schließlich von mehreren Sponsoren und Förderern aus Ottweiler und dem Saarland sowie von öffentlichen Trägern.

Heute ist die Anlage nicht nur Vereinsgelände, sondern auch ein Ort der Vermittlung. Mehrmals im Jahr heißt es dann „Statio aperta“ – Station offen. Besucher können dann erleben, wie die Mitglieder ihr Bild vom römischen Alltag zum Leben erwecken. (LeWe)

Bilder: Legio 14

Mehr Infos und Kontakt:

https://legio14.de