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mein Mandelbachtal
Ausgabe 7/2026
mein Ormesheim
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Verein für Heimatkunde Ormesheim

Ormesheimer: (v-li) Lydia Hafner geb. Welsch, Alwin Wahrheit und Hans Niederländer

Bericht von Hans Niederländer über das Referendum an der Saar (1952-1955) – 3

Eine andere Geschichte möchte ich auch noch erwähnen. In einer Nacht, während in Blieskastel-Webenheim das jährliche Bauernfest gefeiert wurde, haben wir in Ormesheim noch eine Aktion gestartet, in dem wir eine Fahne mit den Farben schwarz-rot-gold aufhingen, die bundesdeutsche Fahne also, was streng verboten war. Bevor die Saarbrücker Feuerwehr die Fahne herunterholen konnte, passierte noch folgendes: In Ormesheim fand ein Bergmannsfest statt. Aus diesem Anlass kam der damalige Arbeitsminister Klein in unseren Ort. Als er bei einem Rundgang an der besagten Fahne ankam, sagte er wörtlich: „Unter diesem Lappen gehe ich nicht durch!“ Die Fahne hing an dem ehemaligen Gasthaus Gustav Niederländer (später Gasthaus Groh) an der Oberleitung zum Anwesen Hugo Vogelgesang, also zwischen den Häusern über der Straße. Wenn man sich das heute ansieht, muss man sich fragen, wie das gemacht werden konnte. Es war wohl so, dass einige Leute auf dem Dach des Gasthauses die Ziegel abdeckten, während am Dach von Vogelgesang ein Mann postiert war mit einer langen Leine. Der hatte mit einem Widerhaken und anderen Hilfsmitteln die Fahne zur Mitte gezogen. Das ging zwar ein paarmal schief, aber irgendwann hat sie doch gehangen und die Operation war gelungen.

Von da sind wir dann nach Blieskastel zum Bauernfest gegangen und haben dort mit unserem jugendlichen Leichtsinn die Tribüne mit Sprüchen bemalt, bis plötzlich die Kripo hinter uns stand und uns abführte. In Einzelzellen durften wir dann die Nacht verbringen und wurden am nächsten Tag dem Amtsrichter vorgeführt. Der lag Gott sei Dank auf unserer Linie und hat uns wegen Geringfügigkeit entlassen. Jedenfalls gingen wir nicht als vorbestraft nach Hause. (Fortsetzung folgt)