Ein aktueller Fall aus der Region zeigt: Betrüger nutzen gefälschte Support-Nummern bei Google, um Handys fernzusteuern und zu betrügen. Eine heimtückische Masche, die mit einer einfachen Paket-Suche beginnt.
Ein Geschädigter hat von zwei Paketen vorerst nur eins geliefert bekommen. Er sucht bei Google nach dem Kundenservice des Paketdienstes DPD, um den Verbleib des zweiten Pakets zu klären. Die Suchmaschine liefert an erster Stelle die Berliner Telefonnummer 030 166 394 72. Am anderen Ende melden sich vermeintliche Mitarbeiter, die professionell auf das Anliegen eingehen. Um den Kunden für die Unannehmlichkeiten zu entschädigen, versprechen die Betrüger eine Gutschrift von 50 Euro sowie dann auch noch aus Kulanz die volle Erstattung des Warenwerts. Doch statt einer Überweisung folgte eine technische Falle.
Unter Anleitung der Betrüger installiert der Geschädigte zwei (legale) Apps aus dem Google Play Store:
| 1. | Zoho Assist Remote Desktop |
| 2. | Add-On: Universal |
Durch die Bestätigung eines Zugriffscodes und die Aktivierung des Add-Ons erhalten die Täter die vollständige Fernsteuerung über das Smartphone. Sie konnten den Bildschirminhalt in Echtzeit sehen und das Handy wie in den eigenen Händen bedienen.
Finanzieller Schaden durch Krypto-Transfer
Im Glauben, die Erstattung auf sein PayPal-Konto zu erhalten, wurden dann auch diese Daten freigegeben. Die Täter nutzten diesen Zugriff, um unbemerkt insgesamt drei Überweisungen in einer Gesamthöhe von über 800 Euro zu tätigen. Das Geld floss nicht an den Geschädigten, sondern an den Krypto-Dienstleister „MoonPay“. Solche Zahlungen in Kryptowährungen sind in der Regel nicht rückgängig zu machen.
Wichtige Sicherheitshinweise für Bürger:
| • | Vorsicht bei Suchergebnissen: Betrüger schalten Anzeigen oder manipulieren Suchergebnisse (SEO-Spam – Phishing über Suchmaschinen), damit ihre Nummern bei der Suche nach „Support“ ganz oben erscheinen. Prüfen Sie die Nummer immer auf der offiziellen Webseite des Unternehmens (Impressum). |
| • | Niemals Fernwartung für Kundenservice: Seriöse Unternehmen wie DPD, DHL, Banken fordern Sie niemals auf, Apps wie Zoho Assist, AnyDesk oder TeamViewer auf Ihrem Smartphone zu installieren, um Probleme zu lösen oder Geld zu erstatten. |
| • | Keine Freigabe von Zugangsdaten: Geben Sie Passwörter, TANs oder Zugriffscodes niemals am Telefon weiter und öffnen Sie keine Banking-Apps, während eine Fernsteuerung aktiv ist. |
| • | Reaktion im Ernstfall: Falls Sie bereits eine solche App installiert haben: Trennen Sie sofort die Internetverbindung, schalten Sie Ihr Handy in den „Flugmodus“, löschen Sie die Apps und lassen Sie umgehend Ihre Konten und Karten über den Notruf 116 116 sperren. |
Erstatten Sie bei Betrugsverdacht immer Anzeige bei der Polizei.
Weitere Informationen – auch für Vereine und Gruppen – sind in der Geschäftsstelle der ehrenamtlichen Seniorensicherheitsberater beim Seniorenbüro des Landkreises St. Wendel unter der Telefonnummer 06851/801-5201 oder per E-Mail an seniorenbuero@lkwnd.de erhältlich. Dorthin können auch Anfragen für kostenfreie Vorträge und Beratungen gerichtet werden