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Neues aus Merzig
Ausgabe 11/2026
Redaktioneller Teil
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Gustav-Regler-Preis 2026 der Kreisstadt Merzig für Alena Wagnerová, Gustav-Regler-Förderpreis 2026 des Saarländischen Rundfunks für Maryam Aras

Der mit 10.000 Euro dotierte Gustav-Regler-Preis der Kreisstadt Merzig geht in diesem Jahr an Alena Wagnerová, den mit 4.000 Euro dotierten Gustav-Regler-Förderpreis des Saarländischen Rundfunks erhält Maryam Aras.

Den Gustav-Regler-Preis 2026 der Kreisstadt Merzig, der vom Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes unterstützt wird, erhält die deutsch-tschechische Schriftstellerin, Publizistin und Literaturhistorikerin Alena Wagnerová.

In der Begründung der Jury heißt es: „Ein zentrales Anliegen von Wagnerovás Schaffen ist die Sichtbarmachung der komplexen deutsch-tschechisch-jüdischen Verflechtungen sowie der biografischen Brüche, die historische Gewalt- und Zwangserfahrungen in individuellen Lebensläufen hinterlassen haben. Wagnerovás Arbeiten zeichnen sich durch eine konsequente Erinnerungsperspektive aus, die marginalisierte Stimmen ins Zentrum rückt und historisches Unrecht reflektiert. Ihre literarischen wie publizistischen Texte verbinden präzise Beobachtung mit analytischer Klarheit und ermöglichen Einblicke in gesellschaftliche Mentalitäten und politische Entwicklungen Mitteleuropas. Ihr Stil ist sachlich, differenziert und von großer sprachlicher Disziplin geprägt. Mit ihrem Lebenswerk strebt sie eine Versöhnung der Erinnerungskulturen an. Es besitzt über die Literatur hinaus hohe gesellschaftliche Relevanz. Es befördert Humanität, historische Verantwortung und den Dialog über nationale und kulturelle Grenzen hinweg. Damit erweist sich Alena Wagnerová als europäische Intellektuelle im Geiste jener Ideale und Werte, für die auch Gustav Regler gekämpft und geschrieben hat.“

Den Gustav-Regler-Förderpreis 2026 des Saarländischen Rundfunks erhält Maryam Aras für ihren literarischen Essay „Dinosaurierkind“.

Die Begründung der Jury lautet: „Ausgehend vom Lebensweg ihres Vaters, der in den 1960er Jahren den Iran verließ und sich in Deutschland sowohl gegen das Regime Schah Mohammad Reza Pahlavis als auch gegen die sich nach der iranischen Revolution herausbildende Diktatur unter dem Ajatollah Ruhollah Khomeini auflehnte, verwebt der Text autobiografische Spurensuche mit einer Reflexion über den Machtmissbrauch autoritär agierender Regime. Ihr Text legt Verdrängtes der deutschen Geschichtsschreibung offen und bietet eine Gegenwartsanalyse, die sich beharrlich für Aufarbeitung und Verstehen einsetzt. Aras´ Sprache bearbeitet multiperspektivisch eine historische Wirklichkeit, ohne die prosaische Kälte ihres Gegenstandes zu scheuen. Dabei steht die politische Signifikanz ihres Textes in der Tradition Gustav Reglers.“

Die Kreisstadt Merzig, unterstützt vom Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes, und der Saarländische Rundfunk verleihen alle drei Jahre gemeinsam in Würdigung von Werk und Leben des Schriftstellers Gustav Regler, zur Anerkennung literarischer Verdienste um interkulturelle und internationale Verständigung sowie zur Förderung des Nachwuchses den Gustav-Regler-Preis der Kreisstadt Merzig sowie den Gustav-Regler-Förderpreis des Saarländischen Rundfunks. Mit dem Gustav-Regler-Preis wird eine bereits erbrachte herausragende literarische Gesamtleistung gewürdigt, der Gustav-Regler-Förderpreis zeichnet junge Autorinnen und Autoren aus.

Die bisherigen Gustav-Regler-Preisträger beziehungsweise Förderpreisträger sind André Weckmann und Martin Bettinger (1999), Giwi Margwelaschwili und Ernestine Leutgeb (2002), Roger Manderscheid und Christopher Ecker (2005), Erasmus Schöfer und Susanne Schedel (2008), Arnfrid Astel und Cordula Simon (2011), Michael Buselmeier und Miriam Sachs (2014), Michael Kleeberg und Verena Mermer (2017), Guy Helminger und Bernd Marcel Gonner (2020), Katja Petrowskaja und Marty Sennewald (2023).

Die Jury bestand 2026 aus Klaus Behringer (Vertreter des saarländischen Schriftstellerverbandes), Dr. Nathalie Jacoby (Leiterin des Literaturarchivs Luxemburg), Jun.-Prof. Dr. Daniel Kazmaier (Université Lorraine/ Metz), Peter König (Vertreter des SR), Annemay Regler-Repplinger (Vertreterin der Kreisstadt Merzig), Marty Sennewald (Förderpreisträger 2023) und Prof. Dr. Sikander Singh (Leiter des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsaß).

Die Preisverleihung findet am Freitag, 12. Juni, 18.30 Uhr, im Schloss Fellenberg statt.

Am Vorabend lesen die beiden Preisträgerinnen, Alena Wagnerová und Maryam Aras, aus ihren Werken und sind zu erleben im Gespräch mit SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs in der Merziger Stadtbibliothek, am Donnerstag, 11. Juni, 19.30 Uhr. Hierzu sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Ein Mitschnitt der Veranstaltung wird am Mittwoch, 24. Juni, 19.30 Uhr, in „Literatur im Gespräch“ auf SR kultur zu hören sein.

Anmelden kann man sich zur Veranstaltung in der Stadtbibliothek Merzig telefonisch unter 06861/85391 oder per E-Mail: stadtbibliothek@merzig.de.