Über 50 Partnerinnen und Partner von kommunalen, kulturellen, kirchlichen und sozialen Einrichtungen setzten im Saarland ein Zeichen gegen Gewalt und für Zivilcourage im Netz. Sie sind Teil des Aktionsbündnisses „Courage im Netz – Gemeinsam gegen Hass und Hetze“. Die Kreisstadt Merzig ist seit 2022 Premium-Partner und bot in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus Merzig und der Landesmedienanstalt Saar zwei Workshops rund um die Themen Cybermobbing und -grooming an.
Die Initiative „Courage im Netz“ verfolgt das Ziel, die Persönlichkeitsrechte aller Internetnutzerinnen und -nutzer zu verteidigen, die Durchsetzung des Rechtes zu erleichtern und damit Freiheit und Demokratie im Internet zu schützen. Nach der Gründung durch die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfahlen im Jahr 2017 hat sich zur Prävention und Bekämpfung von digitaler Gewalt auch im Saarland ein Aktionsbündnis aus der Landesmedienanstalt Saarland und mehreren saarländischen Ministerien zusammengeschlossen. Das Bündnis besteht aus dem Ministerium für Inneres, Bauen und Sport, dem Ministerium der Justiz sowie dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit.
Um pädagogische Fachkräfte sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger zu schulen, fanden hierzu im Jugendhaus Merzig zwei Workshops mit der Theaterpädagogin und Schauspielerin Christine Manami Münster-Domke statt. Bei der ersten Schulungsveranstaltung ging es um „Strategien gegen Cybermobbing: Gemeinsam gegen digitale Gewalt“. Im zweiten Schulungstermin standen „Strategien zum Schutz vor Sexting und Cybergrooming“ im Fokus.
Zum Auftakt des ersten Workshops begrüßten Oberbürgermeister Marcus Hoffeld und Jugendhausleitung Julia Schmitt die Anwesenden. Marcus Hoffeld dankte der Landesmedienanstalt, der Dozentin und allen Teilnehmenden und betonte, dass Hass im Netz alle angeht. Umso wichtiger sei es, über den sicheren Umgang aufzuklären und das Thema aktiv anzupacken. Ein weiteres Dankeschön richtete er an das Team des Jugendhauses Merzig für die Austragung der Schulung.
Im ersten Termin setzte sich die Gruppe intensiv mit dem Phänomen des (Cyber-) Mobbings auseinander. In einem emotionalen Vortrag der Geschichte „Ich will fliegen“ zog Frau Münster-Domke die Teilnehmenden mit ihrem schauspielerischen Talent in den Bann, um die katastrophalen und tödlichen Folgen von Cybermobbing zu verdeutlichen. Basierend auf diesem Fallbeispiel konnten die Teilnehmenden mit Geschichten und Videos die Formen des (Cyber-)Mobbings kennenlernen oder in Lern-Spielen ein sicheres Online-Profil erstellen. Durch Zahlen und Fakten aus wissenschaftlichen Studien ging heraus, wer besonders als Opfer gefährdet ist und wie die rechtlichen Grundlagen aussehen. Dabei wurde vor allem die Bedeutung von Präventionsarbeit bei Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern hervorgehoben, um für das Thema zu sensibilisieren. So ist es wichtig, nicht nur die Symptome zu bekämpfen, sondern Medienkompetenz zu fördern und das Selbstwertgefühl der jungen Menschen zu stärken. Auch der richtige Umgang mit Mobbing-Vorfällen war mit der „No-Blame-Approach“ im Fokus – einem Verzicht auf Schuldzuweisung zugunsten gegenseitiger Unterstützung.
Im zweiten Schulungstermin setzte sich die Gruppe mit den Themen Cyber-Grooming und Sexting auseinander. Cybergrooming ist der strafbare Versuch von Erwachsenen, gezielt über Online-Plattformen oder andere Chats Minderjährige anschreiben, um einen sexuellen Kontakt herzustellen. Sexting benennt das Versenden und Empfangen von sexuell eindeutigen Nachrichten, Fotos oder Videos per Smartphone oder Computer. Die Teilnehmenden konnten ihre eigenen Erfahrungen im Bereich von (un)gewollten sexuellen Nachrichten online durch eine anonyme Umfrage einbringen. Empirische Daten der JIM-Studie belegen, dass Cybergrooming ein weitverbreitetes Phänomen ist - 88% der Mädchen und 78% der Jungen erhielten unaufgefordert Sexting Nachrichten, hierbei waren 98% der Opfer 13 Jahre oder jünger. Umso wichtiger ist es, bei Eltern und pädagogischen Fachkräften ein Bewusstsein zu erschaffen und durch eine frühe Aufklärung einen offenen Raum für Gespräche über Sexualität zu schaffen, damit junge Menschen sich Erwachsenen ohne Scham anvertrauen können. Hierfür konnten sich die Teilnehmenden mit den rechtlichen Grundlagen und Straftatbestände vertraut machen und einen Überblick erhalten, auf welchen Onlineplattformen sich Täterinnen und Täter bewegen. Darüber hinaus gab Frau Münster-Domke Tipps weiter, um Jugendlichen beim Erstellen von sicheren Profilen zu helfen und wie Fake-User erkennbar sind.
Die Jugendhausleitung Julia Schmitt schaut auf die beiden Veranstaltungen zurück: „Die Workshops haben deutlich gemacht, dass digitale Gewalt eine gesamtgesellschaftliche Thematik ist. Junge Menschen sind insbesondere betroffen. Umso wichtiger ist es, Jugendliche zu stärken, Fachkräfte und Eltern zu schulen und gemeinsam Verantwortung für einen respektvollen Umgang im Netz zu übernehmen.“