Am 27. und 29. Mai veranstaltete das Team des „Jugendhaus Merzig“ in Kooperation mit dem Landkreis Merzig-Wadern eine zweitägige „Zukunftswerkstatt“. An den beiden Projekttagen ging es darum, gemeinsam mit den Jugendlichen kreative Ideen für die Umgestaltung des ungenutzten Teils im Hinterhof des Jugendzentrums zu finden.
Auf diesem Platz im Außengelände befand sich lange Zeit eine Skater-Rampe. Über die Jahre wurde die Rampe viel und gerne genutzt, musste aber leider wegen Baufälligkeit abgerissen werden und schafft damit Platz für etwas Neues. Für das Jugendhaus-Team war schnell klar, dass die Jugendlichen selbst entscheiden sollen, wie das Außengelände in Zukunft aussehen soll.
In seiner Rolle als Oberbürgermeister und Vorsitzender des „Jugendhaus Merzig – Jugendnetzwerk e.V.“ begrüßte Marcus Hoffeld die Schritte, um kommunale Jugendbeteiligung zu stärken. Tatkräftige Unterstützung erhielt das Jugendhaus-Team bei der Planung und Durchführung von Vanessa Schillo und Amelie Dick von den Jugendbüros des Landkreises. Die Jugendpflegerinnen brachten ihre Expertise aus der Fortbildung zur „Moderatorin für Kinder- und Jugendbeteiligung“ mit. Ziel der Jugendbeteiligung ist es, dass junge Menschen ihre Interessen direkt vertreten können. Unter dem Leitsatz „nicht für uns, ohne uns“ sollen mit Projekten, wie der Zukunftswerkstatt, Gelegenheiten geschaffen werden, an denen Jugendliche ihre eigene Meinung äußern können und die Meinungen gehört werden.
An beiden Tagen der „Zukunftswerkstatt“ übernahmen Vanessa Schillo und Amelie Dick die Moderation. Um das Format für junge Menschen so zugänglich wie möglich zu machen, setzten die beiden auf eine entspannte Atmosphäre und einen Umgang auf Augenhöhe. Viele Pausen, Spiele und das vom Jugendhaus-Team zubereitete Fingerfood, trugen ebenfalls zur einladenden Atmosphäre bei. Die Zukunftswerkstatt gliederte sich in mehrere Phasen: die Kennenlern-, Kritik-, Fantasie- und Realitätsphase. In allen Phasen waren die Jugendlichen die Experten und konnten ihre Meinung konkret einbringen.
Nachdem sich am ersten Projekttag alle Teilnehmenden bei einem lockeren Spiel kennenlernen konnten und die Regeln für einen offenen und respektvollen Austausch geklärt waren, stieg die Gruppe mit dem Blitzlicht "Was macht einen guten Treffpunkt aus?" in das Thema ein. Hier und in den späteren Phasen konnten die Jugendlichen ihre Einfälle in einem kurzen Satz oder mit einem Wort auf Zetteln festhalten, welche die Moderatorinnen an eine Stellwand anpinnen konnten.
Die Kritikphase bot Raum dafür, dass die Jugendlichen aufschreiben konnten, was ihnen an dem Hinterhof aktuell nicht gefällt, und was fehlt. Die Wünsche nach mehr Deko, Schatten, Beleuchtung und interaktiven Aktivitätsmöglichkeiten hielt die Gruppe schriftlich fest.
Um die Kreativität anzuregen, leiteten die Moderatorinnen anschließend die Fantasiephase mit einem Ideensprint ein. Der spielerische Wettkampf kam bei den Teilnehmenden besonders gut an. Als Wettkampf konnten sie zwei Minuten lang Ideen ungefiltert aufschreiben. Unter anderem wurde die Frage beantwortet: "Was macht der Nikolaus im Sommer?" Der Ehrgeiz und die Fantasie waren geweckt und so sammelten beide Gruppen begeistert Punkte. Im weiteren Verlauf der Fantasiephase ging es darum, den perfekten Hinterhof zu gestalten - ganz ohne Einschränkungen; alles war möglich und Geld spielt an dieser Stelle noch keine Rolle. In verschiedenen Kategorien wie „Chillen und Treffen“, „Kreativität und Kultur“, „Natur und Gestaltung“ oder „Sport und Bewegung“ kamen vielfältige Vorschläge zustande.
Zum Abschluss des ersten Tages fanden sich die Jugendlichen in Gruppen zusammen, um ihren Traum-Hinterhof als Modell zu gestalten. Dabei standen ihnen Plakate, Klemmbausteine, Bastelmaterial sowie Videospiele zur Verfügung, um ihre Ideen darzustellen.
Eine Jugendliche bastelte aus Moosgummi ein Modell von einem Sonnensegel mit integrierter Schaukel, einem Wasserspender und Kiosk-Automat. Bei Gruppe 2 zeigte eine Zeichnung des Jugendhaus-Außengelände mit einen Pool, einer Skate-Rampe sowie einer Chill-Lounge mit Sitzsäcken. Zentral sollte es eine Plattform zum Sitzen und Klettern zwischen zwei großen Bäumen geben. Eine Graffiti-Wand und eine kleine Skater-Rampe durften laut Gruppe 2 auch nicht fehlten. Zuletzt ergänzten sie auf dem Gelände mehrere Mülleimer und Automaten, die nach ihren Wünschen unterschiedlich gefüllt sein sollten: von Snacks und Getränken bis hin zu Verhütungsmitteln und Menstruationsartikeln.
Zwei weitere junge Menschen nutzen das Videospiel Minecraft um in kürzester Zeit ein Modell mit großem Aussichtsturm mit einer Lounge und Wasserrutsche zu bauen sowie einem Volleyballfeld und ein Fitness-Spielplatz mit großem Trampolin. Zur Verpflegung gab es auch bei ihrem Entwurf einige Automaten mit Snacks und Getränken.
Im Laufe des Tages bekam die Gruppe Besuch vom Merziger Ortsvorsteher Timo Hess, der für die Jugendlichen verschiedene Eissorten mitgebracht hatte. Auch Oberbürgermeister Marcus Hoffeld schaute vorbei und zeigte sich davon begeistert, wie enthusiastisch die Gruppe arbeitete.
Den zweiten Projekttag starteten die Teilnehmenden mit einer Reflexion, bei der die Jugendlichen Feedback zum bisherigen Ablauf der Zukunftswerkstatt geben konnten. Als Gast begrüßte die Runde Heike Wagner, Geschäftsführerin des Jugendhauses und Vertreterin der Kreisstadt Merzig. Mit dem Rest der Gruppe konnte sie sich die Vorstellung aller Modelle anhören.
Daran schloss sich die Realitätsphase an. Aus den Fantasie-Konstrukten sollten jetzt umsetzbare Pläne entstehen. Dafür konnten alle Teilnehmenden Prioritäten setzen und die drei wichtigsten Elemente aus allen Modellen notieren. Die wichtigsten Ideen wurden dann im Plenum kritisch geprüft unter dem Aspekt, was davon realistisch umgesetzt werden könnte und was Bedenken aufwarf. Die verbleibenden Ideen wurden zu guter Letzt in einem demokratischen Verfahren priorisiert.
Auf Platz 1 des Rankings stimmten die Teilnehmenden für ein Trampolin - ein Projekt, das sowohl die Begeisterung der Jugendlichen weckt als auch mit geringerem Aufwand realisierbar ist. Auf dem zweiten Platz wünschten sich die Jugendlichen eine erhöhte Plattform mit einem Rückzugsort zum Verweilen. Knapp dahinter lag die Gestaltung einer neuen Graffiti-Freifläche sowie den Bau eines Trinkbrunnens und von Fahrradständern. Der letzte Plan umfasst die Installation eines festen Volleyballnetzes. Zum Abschluss besprach die Gruppe, wie es nach der Zukunftswerkstatt mit den Plänen weitergehen wird.
Die Fachkräfte des Jugendbüros und das Team schauen auf ein gelungenes Projekt zurück. In Feedbackrunden zeigten die Jugendlichen sich begeistert. Insbesondere der Ideensprint und die Fantasiephase waren ein Highlight. Das Jugendhaus Team spricht den Jugendpflegerinnen einen großen Dank aus. „Amelie und Vanessa haben gezeigt, wie Jugendbeteiligung funktioniert, wenn man den jungen Menschen Raum gibt für ihre Themen und Ideen. Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen und freuen uns darauf, an die Umsetzung zu gehen."