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Neues aus Merzig
Ausgabe 50/2022
Redaktioneller Teil
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Integriertes Dorfentwicklungskonzept „IDEK“ für den Bietzerberg geht in die Endphase

Merziger Stadtrat fasst Beschluss in der Sitzung am 20.12.2022

In ländlichen Regionen sind die Ortskerne oftmals Visitenkarte und gleichzeitig Problemlage. Diese typischen Strukturprobleme des ländlichen Raumes zeigen sich auch in vielen Merziger Stadtteilen. So sorgt der demografische Wandel für einen Rückgang der Einwohnerzahl, welcher zu einer Zunahme von Immobilien-Leerständen führt und gleichzeitig einen Rückgang der Versorgungsinfrastruktur (Gastronomie, Nahversorger, Dienstleistungsangebote) mit sich bringt.

Insbesondere die Gebäude in den Altortbereichen sind auf Grund ihres baulichen Zustandes für potenzielle Käufer meist wenig attraktiv. Dabei entspricht die Bausubstanz oftmals nicht mehr den zeitgemäßen Anforderungen. Darüber hinaus besteht teilweise aber auch im öffentlichen Raum Gestaltungsbedarf, wovon häufig die Ortsmitten besonders betroffen sind.

Die Kreisstadt Merzig hat mit ihrem Konzept „Strategie Stadtteilentwicklung“ auf die bekannten Probleme in den Stadtteilen reagiert und unter anderem die Erarbeitung von „Integrierten Dorfentwicklungskonzepten“ (kurz „IDEK“ genannt) in den einzelnen Stadtteilen beschlossen.

Für Harlingen ist im Jahr 2019 gemeinsam mit der Schule für Architektur der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Saar) aus Saarbrücken ein Studienprojekt durchgeführt worden, in dessen Rahmen sich die Studierenden mit Ideen zu einer Neustrukturierung der Ortsmitte beschäftigt haben. Dabei fand ein Austausch in Form von mehreren Treffen zwischen den Harlinger Bürgerinnen und Bürgern und den Studierenden statt, bei denen über Wünsche und mögliche städtebauliche Entwürfe diskutiert wurde.

Da sich ähnliche Probleme wie in Harlingen auch in den unmittelbaren Nachbardörfern Bietzen und Menningen offenbart haben, wurde für die drei Stadtteile des „Bietzerberges“ ein gemeinsames „Integriertes Dorfentwicklungskonzept“ ins Leben gerufen.

Grundsätzliches Ziel des IDEK war es, für die drei kulturell und funktional eng miteinander verzahnten Stadtteile ein gemeinsames Leitbild zu formulieren, um darauf Entwicklungsmaßnahmen aufbauen zu können. Als übergeordnete Zielstellung galt es leistungsfähigere Angebote der Daseinsvorsorge zu finden und einen möglichst großen Erhalt der dörflichen Identität zwischen den drei Stadtteilen, unter Beachtung deren jeweiliger Stärken und Schwächen, zu sichern.

Begleitet wurde die Bearbeitung des IDEK durch das Planungsbüro ArgusConcept aus Homburg. Im Rahmen der Erstellung fand in der Folge eine intensive Zusammenarbeit mit der Bevölkerung statt. So wurden unter anderem in jedem Stadtteil Workshops abgehalten. In der Folge wurde darüber hinaus ein umfassender Fragebogen mit rund 40 Fragen zu den unterschiedlichsten Themenfeldern entwickelt und im Internet zur Verfügung gestellt. Ergänzt wurde dieses Angebot zusätzlich durch eine direkte Ansprache von Bürgerinnen und Bürgern durch die Mitglieder der Ortsräte, die die Möglichkeit einer anlogen Teilnahme anboten. Ein Rücklauf von mehr als 400 Teilnehmern lieferte umfassende Basisinformationen, wie die Bietzerberger Bürgerinnen und Bürger die aktuelle Situation in ihren Dörfern bewerten und welche Verbesserungen sie sich für die Zukunft wünschen.

Der finale Entwurf des IDEK wurde den Ortsräten in einer gemeinsamen Sitzung am 19. Juli 2022 im Bürgerhaus in Harlingen vorgestellt. Den Ortsratsmitgliedern wurde angeboten, im Nachgang zur Sitzung abschließend noch letzte Korrekturen einzubringen.

Als ein zentraler Schwerpunkt im IDEK wird die Neugestaltung der Dorfplätze als Begegnungsorte in den drei Stadtteilen gesehen. Ein weiteres Ziel ist aber auch die Stärkung des ÖPNV, des Alltagsradverkehrs und die Entwicklung weiterer Angebote der Elektromobilität sowie eine Verbesserung des Zugangs zum Bahnverkehr. Darüber hinaus sollen neue Freizeitangebote für Jugendliche und junge Erwachsene geschaffen werden. Ein Wunsch in diesem Zusammenhang wäre die Errichtung eines multifunktionalen Kultur- und Sporthauses am Bietzerberg, das allen Vereinen offensteht. Wichtig erscheint aber auch eine stärkere touristische Profilierung des Bietzerberges durch die Entwicklung neuer Themen und Angebote.

Das Integrierte Dorfentwicklungskonzept „Bietzerberg“ soll nun in der Sitzung des Stadtrates am 20. Dezember 2022 als Grundlage für weitere städtebauliche Planungen in den Stadtteile Harlingen, Bietzen und Menningen beschlossen werden.