Partnerschaftsvereinsvorsitzender Steffen Kraus (4.v.l.) erhält im Beisein von Bürgermeister Daniel Kiefer (3.v.l.), der stellvertretenden Ortsvorsteherin von Orscholz, Marietta Schmitz (5.v.l.) sowie der Orscholzer Erntekönigin Michelle (2.v.l.) mit ihrer Prinzessin Juline (1.v.l.) als Erinnerung an das 40-jährige Partnerschaftsjubiläum eine Sonnenuhr aus den Händen des Vorsitzenden aller Partnerschaften in Loireauxance, Jean Réthoré (6.v.l.).
Mettlach-Orscholz/Varades. Die Partnerschaft zwischen Mettlach-Orscholz und Varades/Loireauxence feierte am Himmelfahrtswochenende ihr 40-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit den weiteren partnerschaftlichen Verbindungen zu Bezid/Sângeorgiu de Pădure in Rumänien und Knighton in Wales wurde in Varades ein Wochenende der Begegnung, der Erinnerung und der europäischen Freundschaft gestaltet. Die Einladung zu den Jubiläumsfeierlichkeiten war von den Gemeinden Loireauxence, Montrelais und Ingrandes-Le Fresne sowie dem Partnerschaftsausschuss „Loire et Auxence sans Frontière“ ausgesprochen worden. Anlass waren 40 Jahre Partnerschaft mit Orscholz, 25 Jahre mit San Giorghiu/Bezid und 15 Jahre mit Knighton.
Aus Orscholz war die Partnerschaft mit einer starken Delegation von fast 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern angereist. Angeführt wurde die Gruppe vom Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Orscholz, Steffen Kraus, Bürgermeister Daniel Kiefer, der stellvertretenden Ortsvorsteherin von Orscholz, Marietta Schmitz sowie der Erntekönigin Michelle mit ihrer Prinzessin Juline. Damit wurde deutlich, wie lebendig und breit getragen die Verbindung zwischen Orscholz und Varades auch nach vier Jahrzehnten ist.
Bereits am Donnerstag begann das Jubiläumswochenende mit einem Empfang und dem Abend in den Gastfamilien. Am Freitag standen ein gemeinsamer Ausflug nach Guérande sowie ein Aufenthalt in Piriac-sur-Mer auf dem Programm, bevor der Tag mit einem Aperitif und einem gemeinsamen Abendessen im Espace Alexandre Gautier in Varades ausklang. Der Samstag war geprägt von einer Wanderung rund um Notre-Dame du Marillais, einem gemeinsamen Mittagessen am Étang des Garenne in Belligné, Begegnungen bei Spielen, einer Foto- und Filmausstellung sowie dem „Verre de l’amitié“. Am Abend folgten das offizielle Foto, der Empfang und die Festveranstaltung mit Ansprachen in mehreren Sprachen.
In seiner Festrede würdigte Bürgermeister Daniel Kiefer die Partnerschaft zwischen Orscholz und Varades als „vier Jahrzehnte gelebter Freundschaft, vier Jahrzehnte der Begegnung, vier Jahrzehnte des Austausches und der Verbundenheit“. Eine solche Partnerschaft sei weit mehr als eine formelle Verbindung zwischen zwei Orten: Sie sei „ein lebendiges Band zwischen Menschen“ und ein sichtbares Zeichen dafür, dass aus dem Willen zur Verständigung echte Freundschaft entstehen könne. Kiefer hob zugleich seine persönliche Verbundenheit hervor: Seit 2004, als er erstmals in den Ortsrat von Orscholz gewählt wurde, sei er Teil dieser Freundschaft und regelmäßig zu Gast bei den Weinmessen in Varades gewesen. „Diese Partnerschaft ist gelebtes Europa im besten Sinne – nicht das Europa der Verordnungen und Programme, sondern das Europa der Menschen“, so Kiefer.
Jean Réthoré, Präsident von „Loire et Auxence sans Frontière“, erinnerte an die Anfänge der Partnerschaft im Jahr 1985 und an die Menschen, die diese Freundschaft aufgebaut und über Jahrzehnte getragen haben. Besonders würdigte er Louis Le Samedi und Walter Liebrecht, zwei Briefträger, deren Initiative den Grundstein für das partnerschaftliche Miteinander gelegt habe. Rethore betonte, Städtepartnerschaften seien „weit mehr als Reisen oder Zeremonien“; sie seien „menschliche, aufrichtige und dauerhafte Verbindungen“ sowie Freundschaften, die Grenzen, Generationen und Jahre überdauerten. Gerade in der heutigen Zeit müsse alles gefördert werden, was Völker einander näherbringe, den Dialog erhalte und die Freundschaft zwischen Nationen stärke.
Auch Yann Viau, stellvertretender Bürgermeister von Varades in der Gemeinde Loireauxence, stellte die Bedeutung persönlicher Begegnungen in den Mittelpunkt. Die Jubiläen zeugten von Beständigkeit, Kontinuität und vielen prägenden Momenten – von gemeinsamen Mahlzeiten über Gespräche bis hin zu echter Freundschaft. „Das ist Städtepartnerschaft: auf andere zugehen, entdecken, verstehen – und schließlich feststellen, dass wir viel mehr gemeinsam haben, als wir denken“, sagte Viau sinngemäß. Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen in Europa bezeichnete er die Freundschaft zwischen den Gemeinden als „eine einfache, aber starke Antwort“ und als konkrete Art, Frieden auf kommunaler Ebene zu leben.
Steffen Kraus, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Orscholz, hob in seiner Ansprache die besondere Atmosphäre des Jubiläumstreffens hervor. Vor 40 Jahren sei genau in Varades die Partnerschaft zwischen Orscholz und Varades unterzeichnet worden. Heute sei die Vision, alle Partnerstädte in Varades zusammenzubringen, Wirklichkeit geworden. Kraus machte deutlich, warum sich die vielen Ehrenamtlichen über Jahrzehnte engagieren: „Weil es schön ist.“ Es sei schön, persönliche Freundschaften zu haben, bereichernd, die Lebensart im anderen Land zu erleben, und wertvoll, durch gemeinsame Projekte europäische Freundschaft zu fördern. Dabei verwies er auch auf sportliche Zeichen der Verbundenheit, etwa Wanderer, Läufer und Radfahrer, die die Strecke zwischen Orscholz und Varades zurückgelegt haben. Als Symbol der Freundschaft überreichte die Orscholzer Delegation ein Geschenk, das zeigen soll, wo Varades seine Freunde in Europa findet.
Marietta Schmitz, stellvertretende Ortsvorsteherin von Orscholz, übermittelte zunächst herzliche Grüße der Orscholzer Ortsvorsteherin Silke Brausch, die nicht persönlich teilnehmen konnte. In ihrer Rede erinnerte Schmitz sehr persönlich an die Anfänge der Partnerschaft. Vor 40 Jahren habe ihr verstorbener Mann Günter als damaliger Ortsvorsteher das Privileg gehabt, diese Partnerschaft mit aus der Taufe zu heben. Die Vision sei damals wie heute klar gewesen: „Wir wollten Brücken bauen.“ Frieden und Freundschaft entstünden nicht nur in den großen Palästen der Politik, sondern genau dort, wo Menschen einander begegnen. Heute, 40 Jahre später, sei aus dieser Saat etwas Gewachsenes entstanden: Aus offiziellen Besuchen seien private Besuche geworden, aus Fremden Familienmitglieder.
Das Jubiläumswochenende machte deutlich, dass die Partnerschaft zwischen Orscholz und Varades/Loireauxence auch nach 40 Jahren lebendig ist. Getragen von Vereinen, Familien, Kommunalverantwortlichen und zahlreichen ehrenamtlich Engagierten ist aus einer offiziellen Verbindung längst eine echte Freundschaft geworden. Die Feierlichkeiten in Varades waren damit nicht nur ein Rückblick auf vier Jahrzehnte gemeinsamer Geschichte, sondern zugleich ein starkes Zeichen für die Zukunft: für Begegnung, Zusammenhalt, Frieden und ein Europa, das im direkten Miteinander der Menschen erfahrbar wird.