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Mitteilungsblatt der Gemeinde Nalbach
Ausgabe 29/2020
Seite 4
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Nalbacher Streuobstwiesen

Die Förderung von Streuobstwiesen ist in Nalbach nach wie vor ein Schwerpunktthema, das dieses Jahr vorangebracht werden soll.

Streuobstwiesen sind in der Gemeinde als charakteristischer Bestandteil der Kulturlandschaft von hoher landschaftsbildender und ökologischer Bedeutung. In der traditionellen Kulturlandschaft unserer Region bildeten Streuobstwiesen seit dem Mittelalter breite Grüngürtel rund um Ortschaften und Städte. Bei einer Zählung im Jahr 1965 in Gärten und auf landwirtschaftlichen Flächen im Ortsteil Piesbach wurden noch fast 9.000 Obstbäume, darunter 3.000 Apfelbäume und knapp 4.000 Pflaumen- und Zwetschgen gezählt. Streuobstwiesen waren die typische Anbauform für Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Mirabellen, aber auch Holunder, Pfirsiche, Aprikosen und Mispeln. So konnte sich die Bevölkerung mit allen heimischen Obstsorten selbst versorgen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Obstbau intensiviert und von einzelnen Betrieben übernommen. Streuobstwiesen verloren an Bedeutung, wurden vernachlässigt, in Ackerflächen umgewandelt und deren Rodung sogar staatlich gefördert. Heute sind viele Bestände verschwunden oder stark überaltert, zudem sind die Obstsorten ganzjährig und ohne jeglichen Aufwand im Handel erhältlich. Somit ging teilweise auch das Wissen um Verwertung, Lagerung, Trocknung und Einmachen von Obst verloren.

Die Hochstämme der Streuobstwiesen stehen wie rein zufällig „verstreut“ in der Landschaft, ganz im Gegensatz zu den niederstämmigen Plantagenobstanlagen. In ökologischer Hinsicht bildet der Aufbau der Streuobstwiesen aus Obstbaum-Hochstämmen und krautigem Unterwuchs besonders strukturreiche und artenreiche Lebensräume, die zahlreichen Arten Nahrung, Wohnstätte und Rückzugsmöglichkeiten bieten. Neben verschiedenen Wildbienen- und Schmetterlingsarten sind heute selten gewordene Vögel wie Pirol, Wiedehopf, Steinkauz, Waldohreule, Gartenrotschwanz und verschiedene Specht- und Würgerarten auf Streuobstwiesen angewiesen. Für Siebenschläfer, Garten- und Baumschläfer sowie viele Fledermausarten bilden Höhlen im Stamm älterer Bäume wichtige Nistmöglichkeiten.

Der Erhalt als Lebensraum sowie der Erhalt der kulturlandschaftlichen Bedeutung der Streuobstwiesen ist das größte Ziel, das die Gemeinde mit dem Streuobst-Projekt verfolgt. Gleichermaßen soll die gemeinschaftliche Arbeit auf den Streuobstwiesen bei Schnittkursen, Ernteaktionen und der Verarbeitung von Erträgen sowie die Weitergabe von Wissen rund um die Streuobstwiesen gefördert werden.

Bereits im Juni 2019 fand eine Infoveranstaltung mit dem Verein „Bliesgau Obst“ und dem saarländischen Streuobstkoordinator Felix Ackermann in Körprich statt. Es folgten Orts- und Gemeinderatsbeschlüsse über die Wiederherstellung verwilderter Streuobstbestände und die Neuanlage von Streuobstwiesen auf Gemeindeflächen, die im Herbst dieses Jahres angegangen werden sollen. Ebenfalls hat die Gemeinde Nalbach 2019 erstmals nach Jahren wieder am Obstbaumpflanzprogramm der Gemeinden im Landkreis Saarlouis teilgenommen. Auch hier zeigte sich das große Interesse am Thema Obstwiesen: 200 Obstbäume wurden bestellt und in den Gärten aller vier Ortsteile angepflanzt. Auch dieses Jahr beteiligt sich die Gemeinde Nalbach wieder am Pflanzprogramm.

Daneben ist ein weiteres Ziel des Streuobstprojekts, das Wissen rund um die Pflege von Obstbäumen und Streuobstwiesen sowie um die Nutzung und Verarbeitung der Erträge herausgestellt und wiederbelebt werden. Einen Anfang macht der „Arbeitskalender für die Streuobstwiese“ des Verbands der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz e.V., der zu jedem Monat des Jahres die üblicherweise anstehenden Arbeiten auf der Streuobstwiese darstellt. Geplant sind des Weiteren nicht nur Schnittkurse und gemeinsame Pflanzaktionen, sondern auch Workshops u.a. zum Bau von Nistmöglichkeiten, Obstsortenwahl, Lagerung und Verarbeitung von Obst. Darüber hinaus sollen Keltertage zusammen mit dem Obst- und Gartenbauverein Körprich veranstaltet werden. Zum Keltern wird ein Pasteurisierer zur Verfügung gestellt, sodass der eigene, frisch gepresste Apfelsaft haltbar gemacht werden kann. Und nicht zuletzt werden Informations- und Unterrichtsmaterialien in „Streuobstwiesen-Rucksäcken“ zusammengestellt, die von Schulen und Kindergärten, aber auch von Privatpersonen, z.B. für Ausflüge oder zum Einlesen in das Thema bei der Gemeinde ausgeliehen werden können.

Die Obstwiesenpflege im Juli

Oft kommt es zwischen Juni und Juli zu einem sogenannten Juni- bzw. Julifall. Vereinzelt werfen Apfelbäume kleine, noch nicht ausgereifte Früchte ab, was eine natürliche Ausdünnung zur Folge hat. Mitunter kann dieser Fall auch durch die erste Generation des Apfelwicklers verursacht werden. Darum sind alle Früchte aufzulesen und von der Streuobstwiese zu entfernen. Hierdurch kann einem stärkeren Befall durch den Apfelwickler vorgebeugt werden.

Reife Steinfrüchte wie Kirschen können jetzt geerntet werden. Hierbei können zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Ein Sommerschnitt kann hier nicht nur zur Auslichtung der Bäume genutzt werden, sondern hilft auch bei der Ernte. Äste, die geschnitten wurden, können sicher und mühelos am Boden abgeerntet werden.

Auch steht im Juli die Zeit der ersten Mahd an. Idealerweise sollten nur Teile der Obstwiese gemäht werden, um ein mosaikartiges Strukturgebilde in der vorhandenen Flora zu erzielen. Wenn möglich, sollte das Mähgut auf der Wiese für einige Tage liegen bleiben, um es den Pflanzen zu ermöglichen, die gebildeten Samen ausbreiten zu können. Auch wenn diese Möglichkeit nicht besteht, ist es von großer Bedeutung, das Mähgut nicht auf der Wiese zu belassen, sondern abzuräumen. Hierdurch werden dem Boden Nährstoffe entzogen, was für den Artenreichtum der Pflanzen und der damit einhergehenden Fauna äußerst wichtig ist.