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mein Nonnweiler
Ausgabe 10/2026
Allgemeine Nachrichten
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Mein geliebtes Hiwwelhaus

Einladung zur Buchlesung im Jugendtreff Schwarzenbach

In Schwarzenbach kennt man ihn als „Floh“ – auf dem Fußballplatz wie im Leben immer in Bewegung. Doch hinter dem Spitznamen verbirgt sich ein Mann mit Sinn für Geschichte, Sprache und Heimat: Hartmut Fries. Der frühere Polizeibeamte aus Türkismühle, begeisterte Fußballer des TuS Fortuna Schwarzenbach und Gründer einer Kulturinitiative im Ort hat seinem Leben in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine ganz besondere Aufgabe gegeben – die Rettung eines Hauses, das längst Teil der Dorfgeschichte ist: seines „Hiwwelhauses“.

Ein Neuanfang auf dem Hügel

Als seine erste Ehe 2004 zerbrach, stand Fries an einem Wendepunkt. In einer Phase tiefer Dunkelheit entschied er sich bewusst für einen Neuanfang. Ein alter Traum kehrte zurück: der Erwerb eines historisches Bauernhauses. 2005 kaufte er schließlich ein 1839 erbautes, „südwestdeutsches Einhaus“ am nördlichen Ortsrand von Schwarzenbach – in einem Zustand, bei dem man eher an Abriss als an Aufbruch denken würde.

Das Haus, mundartlich „Hiwwelhaus“ – Haus auf dem Hügel – genannt, war baufällig, das Grundstück kaum gesichert, der Innenputz bröckelte von den Wänden. Mit erheblichem finanziellem Aufwand, viel Eigenleistung und unerschütterlichem Willen begann er, Raum für Raum herzurichten, Mauer für Mauer freizulegen und neu zu gestalten. Der Sandstein stammte einst aus der „Steinkaul“, im Inneren entdeckte er einen zugeschütteten Brunnen, ursprünglich 13 Meter tief. Selbst als ihn Behörden darauf hinwiesen, dass der Hügel hinter seinem Haus als Bodendenkmal ersten Ranges gilt, ließ ihn das nicht schrecken – im Gegenteil.

Ein Haus mit Geschichte

Denn hinter dem Hiwwelhaus liegt Geschichte von europäischer Bedeutung. 1849 pflügte der damalige Eigentümer Adam Conrad hinter dem Haus und stieß auf ein keltisches Fürstengrab. Gesichert wurden die Funde von dem Eisenhüttenbesitzer G. A. Böcking. Zu den Grabbeigaben zählten unter anderem eine kunstvoll gearbeitete Goldschale – heute als „Schwarzenbacher Goldschale“ weltbekannt und sogar Motiv einer Briefmarke der Deutschen Bundespost – sowie eine Amphore. Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass es sich bei der „Goldschale“ eigentlich um ein Trinkhorn handelte. Archäologen vermuten, dass hier ein keltischer Fürst aus dem Stamm der Treverer bestattet wurde – mit Blick auf den nahegelegenen Hunnenring. Auch politisch ist das Gebäude in bewegten Zeiten entstanden: Zur Bauzeit gehörte Schwarzenbach zum Großherzogtum Oldenburg, Fürstentum Birkenfeld – eine Folge der Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress 1815.

Vom Kopfschütteln zum Neid

Was anfangs viele Dorfbewohner skeptisch betrachteten, ist heute ein Schmuckstück mit Auszeichnung: 2008 erhielt das Hiwwelhaus Anerkennung im Landeswettbewerb für Bauernhäuser. Aus dem einstigen Sorgenkind wurde ein prägendes Gebäude für das Ortsbild – mit „Grünem Salon“, Friesenzimmer (schließlich braucht ein „Fries“ ein Friesenzimmer), restauriertem Gewölbekeller und einem unvergleichlichen Blick über den Hochwald.

„Wir haben uns gegenseitig aufgebaut“, sagt Fries über die Beziehung zu seinem Haus. In der Arbeit fand er Halt, Hoffnung und neue Kraft. Und nicht nur das: Auch privat brachte das Hiwwelhaus ihm Glück. Mit seiner heutigen Ehefrau Petra, die er aus Jugendtagen kannte, fand er erneut zusammen. Sie unterstützte ihn tatkräftig bei der Sanierung. Seine Söhne Sascha und Benjamin packten ebenso mit an. Das Haus wurde zum Symbol für ein zweites Leben.

Vom Dorf der Originale zum Buch

Hartmut Fries hatte schon immer ein Gespür für Sprache. Bereits als junger Mann schrieb er Büttenreden, später entwickelte er als Vernehmungsbeamter ein feines Gefühl für Worte und Zwischentöne. In Gesprächen über „die alten Zeiten“ in Schwarzenbach wurde er immer wieder ermutigt, die Geschichten der einstigen „Originale“ des Dorfes aufzuschreiben – jener Persönlichkeiten, die das Ortsleben prägten und die heute mancher vermisst. Dieses Projekt trägt er weiterhin in sich; daran arbeitet er noch.

Sein erstes veröffentlichtes Werk jedoch ist ein anderes – ein sehr persönliches: Mein geliebtes Hiwwelhaus. Es ist sein literarisches Debüt. Darin erzählt Fries eindrucksvoll die Geschichte seines Hauses, beleuchtet die historischen Hintergründe, schildert die Entdeckung des keltischen Fürstengrabs hinter dem Anwesen – und beschreibt vor allem seinen eigenen Weg durch Krise, Aufbruch und Neuanfang.

Das Buch ist frisch gedruckt. Und das Hiwwelhaus selbst? Das, sagt sein Besitzer mit einem Augenzwinkern, sei „eigentlich immer noch nicht ganz fertig“.

Einladung zur Lesung

Am 12. März 2026 um 19 Uhr stellt Fries sein neues Buch im Jugendtreff Schwarzenbach erstmals der Öffentlichkeit vor. Die Lesung verspricht nicht nur Einblicke in die bewegte Geschichte eines außergewöhnlichen Hauses, sondern auch in die Lebensgeschichte eines Mannes, der aus Steinen etwas Schönes gebaut hat. Wer erfahren möchte, wie aus einer Lebenskrise ein Herzensprojekt wurde und warum heute viele sagen „Wir beneiden dich um dieses Haus“, sollte sich diesen Abend nicht entgehen lassen. (LeWe)