Am kommenden Sonntag, den 22. März 2026, haben Interessierte erneut die Gelegenheit, in ein fast vergessenes Handwerk einzutauchen: Die historische Nagelschmiede in Sitzerath öffnet von 10:00 bis 12:00 Uhr ihre Türen und lädt Besucherinnen und Besucher jeden Alters zu einer faszinierenden Zeitreise ein.
Einmal im Monat wird die traditionsreiche Werkstatt lebendig und vermittelt eindrucksvoll, wie Nägel vor über hundert Jahren von Hand gefertigt wurden. Mit Feuer, Amboss und geübten Handgriffen entsteht ein authentisches Bild vom Alltag früherer Generationen. Die Vorführungen zeigen anschaulich, mit wie viel Geschick und körperlichem Einsatz das Schmiedehandwerk betrieben wurde.
Die Nagelschmiede in der Hochwaldregion ist ein bedeutendes Zeugnis vergangener Zeiten. Zwischen etwa 1760 und der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war das Nagelschmiedehandwerk in vielen Dörfern weit verbreitet. Aufgrund der großen Armut und wenig ertragreicher Böden betrieben zahlreiche Familien die Schmiedearbeit im Nebenerwerb, um ihr Einkommen aufzubessern.
Hergestellt wurden zunächst Band-, Schloss-, Schiefer- und Schiffsnägel, später vor allem Schuhnägel, deren Bedarf im 19. Jahrhundert stark anstieg. Die Produktion erfolgte vollständig von Hand: Das Eisen wurde im Feuer erhitzt, mit schnellen Hammerschlägen geformt und schließlich in die gewünschte Nagelform gebracht. Unterstützt wurde die Arbeit durch einfache, aber effektive Technik – etwa durch einen Blasebalg, der mithilfe eines Laufrads, oft von einem Hund angetrieben, das Feuer am Brennen hielt.
Mit der Einführung mechanischer Hilfsmittel konnte die Produktion deutlich gesteigert werden. Ein geübter Nagelschmied schaffte bis zu 3.000 Nägel am Tag. In der Hochwaldregion arbeiteten zeitweise rund 800 Menschen im Naglergewerbe und produzierten jährlich mehrere hundert Millionen Nägel. Doch der wirtschaftliche Erfolg währte nicht lange: Überproduktion und Absatzprobleme führten schon früh zu Krisen und schließlich zum Niedergang des Handwerks.
Heute wird die alte Tradition für Besucher wieder erlebbar gemacht. Die historische Nagelschmiede in Sitzerath, gelegen im Buchenweg 11, bietet mit ihren regelmäßigen Öffnungsterminen einen lebendigen Einblick in die Geschichte – anschaulich, informativ und für Jung und Alt gleichermaßen spannend. (LeWe)