Ostern gilt als das zentrale Fest des Christentums. Es erinnert an die Auferstehung Jesu Christi und markiert den Höhepunkt des Kirchenjahres. Anders als Weihnachten hat Ostern jedoch kein festes Datum – es kann zwischen dem 22. März und dem 25. April stattfinden. Diese Besonderheit hat historische, astronomische und religiöse Gründe, die bis in die Anfänge des Christentums reichen.
Vom jüdischen Passah zum christlichen Osterfest
Das Osterfest hat seine Wurzeln im jüdischen Passahfest, das an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten erinnert. Nach allen vier Evangelien fiel die Kreuzigung Jesu auf den Tag vor dem jüdischen Passah, also auf den 14. Nissan im hebräischen Kalender. Da sich dieser Mondkalender am Zyklus des Mondes orientiert, verschiebt sich auch der Termin des Passahfestes jedes Jahr gegenüber dem Sonnenkalender.
Frühe Christengemeinden feierten die Auferstehung Christi zunächst in enger Anlehnung an diesen jüdischen Termin. Später setzte sich im Westen jedoch die Praxis durch, Ostern am Sonntag nach dem Passah zu feiern – als Erinnerung an den Tag der Auferstehung.
Das Konzil von Nicäa und die Einführung der Osterregel
Im Jahr 325 legte das Konzil von Nicäa den Ostertermin verbindlich fest: Ostern sollte am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert werden. Als Grundlage für diese Berechnung wurde der 21. März als offizieller Frühlingsbeginn definiert. Damit ergibt sich die Spanne zwischen dem 22. März als frühestem und dem 25. April als spätestem möglichen Ostersonntag.
Ziel dieser Regelung war, Christen weltweit ein einheitliches Osterdatum zu geben – unabhängig vom jüdischen Kalender. Doch die Umsetzung war komplizierter als gedacht, da sie drei verschiedene Zeitrechnungen vereinen musste: die Woche (sieben Tage), den Mondmonat (rund 29,5 Tage) und das Sonnenjahr (365 Tage).
Berechnungsprobleme und Streit um den richtigen Termin
Schon in den ersten Jahrhunderten führten unterschiedliche Berechnungsmethoden zu teils erheblichen Abweichungen. So feierten Gemeinden in Alexandria und Gallien im selben Jahr Ostern mit über einem Monat Unterschied. Auch im Mittelalter kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen über den korrekten Termin – besonders zwischen der römischen Kirche und den keltischen Christen Britanniens.
Die Einführung des gregorianischen Kalenders im Jahr 1582 sollte die Berechnungen vereinheitlichen, führte aber zunächst zu neuen Differenzen. Während katholische Länder den neuen Kalender übernahmen, hielten protestantische Regionen und die orthodoxen Kirchen noch lange am julianischen Kalender fest.
Erst im 18. Jahrhundert wurde auch in den protestantischen Gebieten Mitteleuropas eine angepasste Berechnung verbindlich, wodurch evangelische und katholische Christen in Deutschland heute gemeinsam Ostern feiern. In den orthodoxen Kirchen gilt jedoch weiterhin der julianische Kalender – weshalb deren Osterfest meist später stattfindet.
Wunsch nach einem einheitlichen Ostertermin
Trotz aller Versuche der Annäherung gibt es bis heute keinen weltweit einheitlichen Ostertermin. Der Ökumenische Rat der Kirchen bemüht sich seit den 1990er-Jahren um eine gemeinsame Lösung, die auf modernen astronomischen Berechnungen basieren und sich auf den Standort Jerusalem beziehen soll. Ein gemeinsamer Ostertermin wäre ein bedeutendes Zeichen der ökumenischen Einheit – bislang ist allerdings keine Einigung erzielt worden.
Ein seltenes Beispiel für ein gemeinsames Osterfest war das Jahr 2001, als ost- und westkirchliche Christen am selben Tag feierten. Solche Übereinstimmungen bleiben jedoch die Ausnahme. (LeWe)