Die Freude am Wahlabend war groß - im Anschluss wurden sowohl Wahlergebnis als auch der Sieg der Nationalelf gefeiert. Bild: privat
Mit einem deutlichen Ergebnis haben die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Nonnweiler eine Entscheidung getroffen: Jonas Reiter (CDU) wird neuer Bürgermeister der Hochwaldgemeinde. In der Stichwahl setzte sich der 30-Jährige mit 61,2 Prozent der Stimmen gegen den Mitbewerber Henning Bock durch und übernimmt das Amt am 1. Oktober 2026. Damit wird Reiter zugleich der jüngste Bürgermeister im Saarland.
Die Freude über den Wahlsieg ist groß – doch für Reiter sei das Ergebnis vor allem eines: „Ein großer Vertrauensvorschuss der Wählerinnen und Wähler, dem ich ab Tag eins gerecht werden möchte.“
Die Stichwahl hatte sich am Wahlabend zunächst unerwartet in die Länge gezogen. Bereits gegen 18.45 Uhr lagen die Ergebnisse aus neun von zehn Wahlbezirken vor, ehe die endgültige Entscheidung noch auf sich warten ließ. In der Kurhalle verfolgten Kandidaten und Unterstützer gemeinsam die Auszählung – parallel lief auch das Fußballspiel. Als erster Jubel ausbrach, war die Verunsicherung erstmal groß – aber es war dann doch „nur“ das erste Tor der Deutschen Nationalelf. Gegen kurz vor acht stand dann das Ergebnis fest. Der Wahlkampf selbst sei von großer Unterstützung getragen worden, erzählt Reiter. Familie, Freunde sowie zahlreiche Helferinnen und Helfer hätten in den vergangenen Wochen mit angepackt. Zum Schluss ging es am Samstag noch mit einer Türhänger-Aktion in den Endspurt: Rund 70 Unterstützer mobilisierten noch einmal gemeinsam für den Wahltag. Unterstützung sei aus dem ganzen Saarland gekommen – insbesondere aus Reihen der Jungen Union.
Vom Ortsvorsteher und Landtagsabgeordneten ins Rathaus
Jonas Reiter bringt trotz seines Alters bereits politische Erfahrung mit. Seit rund 15 Jahren engagiert er sich politisch. Bereits mit 18 Jahren zog er in den Gemeinderat ein, später wurde er Ortsvorsteher in Primstal. Seit 2022 sitzt er als jüngster Abgeordneter im saarländischen Landtag und engagierte sich mit Schwerpunkt in den Bereichen Wissenschaft, Inneres und Haushalt. Der Primstaler hat Betriebswirtschaftslehre studiert und sein Studium mit einem Masterabschluss abgeschlossen.
Mit dem Wechsel ins Rathaus wird Jonas Reiter auch seine bisherigen politischen Ämter neu ordnen müssen. Sein Amt als Ortsvorsteher von Primstal wird der 30-Jährige mit dem Dienstantritt als Bürgermeister abgeben. Im Ortsrat rückt ein neues Mitglied nach. Die Wahl einer neuen Ortsvorsteherin oder eines neuen Ortsvorstehers erfolgt dann durch den elfköpfigen Ortsrat aus den eigenen Reihen. Auch sein Landtagsmandat wird Reiter niederlegen. Wer nachrückt, ist derzeit noch in Klärung. Da Reiter über die Wahlkreisliste Neunkirchen gewählt wurde, kommen unter anderem Nadine Backes aus St. Ingbert beziehungsweise Mathias Jochum aus Schiffweiler als Nachrückende in Betracht.
Vorbereitung statt Sommerpause
Bis zum offiziellen Dienstantritt bleiben Reiter noch rund dreieinhalb Monate – Zeit, die er nutzen will. „Ich möchte mir im Sommer schon ein Bild machen, zuhören und die Zeit nutzen“, sagt er. Geplant seien zahlreiche Gespräche sowie Besuche in den gemeindlichen Einrichtungen. Wasserwerk, Bauhof, Kindergarten, Peterberg aber auch das gesamte Rathaus will er frühzeitig kennenlernen. Ein neuer Bürgermeister bringe immer Veränderungen mit sich, sagt Reiter – umso wichtiger sei es ihm, zunächst einen Überblick zu gewinnen. Welche Bedarfe gibt es? Welche Ideen bringen die Mitarbeitenden mit? Welche Themen müssen priorisiert werden? Besonders wichtig sei ihm dabei auch die Zusammenarbeit mit den Beschäftigten und ihren Vertretungen. Den Personalrat bezeichnet Reiter ausdrücklich als wichtigen Partner.
„Ein Rathaus der offenen Türen“
Eines seiner zentralen Wahlversprechen betrifft die Verwaltung. Reiter möchte das Rathaus stärker als Dienstleister verstehen. „Die Verwaltung muss noch stärker für die Bürgerinnen und Bürger da sein“, betont er. Konkret will er die Erreichbarkeit verbessern und die Terminpflicht im Rathaus abschaffen. Das Thema sei ihm in vielen Gesprächen im Wahlkampf begegnet.
Wirtschaftsförderung soll Chefsache werden
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Amtszeit soll die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde werden. Nonnweiler verfüge über zahlreiche Gewerbetreibende und starke Gewerbesteuerzahler. Dieses Potenzial wolle er stärker nutzen. Reiter kündigt an, Wirtschaftsförderung zur Chefsache zu machen und den Austausch zwischen Unternehmen – den großen genauso wie den kleineren – gezielt zu fördern. Denkbar seien Unternehmerforen mit branchenübergreifenden Referenten, um neue Kooperationen und Ideen anzustoßen. Auch ein Gemeindegutschein gehört zu seinen Überlegungen – mit dem Ziel, Kaufkraft vor Ort zu halten und den lokalen Handel zu stärken.
Eine Gemeinde für alle Generationen
Inhaltlich will Reiter bewusst alle Altersgruppen in den Blick nehmen. Für junge Familien gehe es um verlässliche Kitas und Schulen, um Wohnraum und Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig möchte er Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche stärken.
Dass junge Menschen sich einbringen wollen, davon konnte sich Reiter im Wahlkampf selbst überzeugen. Auch auf der Kirmes in Nonnweiler habe er schon am Montagabend viele junge Menschen erlebt, die eigene Ideen eingebracht hätten. Dieses Engagement wolle er aufnehmen. Bereits im Landtag habe er an einem Jugendbeteiligungsgesetz mitgewirkt – nun wolle er Beteiligung auch vor Ort stärker mit Leben füllen und Jugendforen ausbauen.
Für ältere Menschen sieht Reiter ebenfalls Handlungsbedarf. Mehrgenerationenangebote und insbesondere Mobilität seien wichtige Zukunftsfragen. Ein Bürgerbus könne ein Ansatz sein, auch denkt er darüber nach, Angebote des MGHs stärker in die Ortsteile zu bringen. „Wir müssen alle Generationen im Blick behalten“, sagt Reiter. Sein Ziel sei eine Gemeinde, in der Menschen gerne leben – unabhängig vom Alter. Oder wie er es selbst formuliert: „Alle sollen sagen können: Hier lebe ich gerne, hier fühle ich mich wohl.“
Zum Abschluss richtet der künftige Bürgermeister seinen Dank ausdrücklich an alle Bürgerinnen und Bürger – nicht nur an diejenigen, die ihn gewählt haben.
„Demokratie funktioniert nur, wenn Menschen mitmachen und sich beteiligen. Ich freue mich über jeden, der dazu beitragen möchte, unsere Gemeinde gemeinsam weiterzuentwickeln.“ (LeWe)