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Ausgabe 29/2026
Allgemeine Nachrichten
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Einblicke in ein jahrhundertealtes Handwerk

Großes Holzkohlemeilerfest zum 50-jährigen Jubiläum des Heimatvereins Neuhütten

Es war ein beeindruckendes Schauspiel von geschichtlicher Tragweite und handwerklicher Präzision, das am letzten Wochenende im Juni zahlreiche Besucher aus dem Hochwald nach Neuhütten lockte. Anlässlich seines Jubiläums erweckte der Heimatverein Neuhütten eine historische Tradition zu neuem Leben: das traditionelle Handwerk der Köhlerei.

Bereits am Freitag, dem 19. Juni, wurde das imposante Holzbauwerk im Rahmen eines feierlichen Festakts entzündet. Musikalisch umrahmt vom Männerchor Neuhütten und gefolgt von stimmungsvoller Live-Musik der Band „Die Meilers“, begann damit die entscheidende, heiße Phase des Projekts. Ab diesem Moment stand die Zeit in Neuhütten ganz im Zeichen des dampfenden Meilers.

Was für die Festbesucher wie ein uriges Handwerksschauspiel wirkte, bedeutete für die Verantwortlichen des Heimatvereins harte Arbeit und eiserne Disziplin. Ein Holzkohlemeiler darf während des tagelangen Verkohlungsprozesses niemals unbeaufsichtigt bleiben. Würde der Meiler zu viel Sauerstoff ziehen, könnte er binnen kürzester Zeit durchbrennen und die kostbare Ernte in Schutt und Asche legen. Bekommt der Meiler jedoch zu wenig Sauerstoff, ist der Verkohlungsprozess gehemmt und es droht die Gefahr der Erstickung des Schwelbrandes. Aus diesem Grund wurde von Freitag bis zum darauffolgenden Samstag ein strenger Schichtdienst eingerichtet. In ununterbrochenen Tag- und Nachtschichten wachten die Vereinsmitglieder unermüdlich an der Brandstätte. Jede Veränderung des Rauches wurde genauestens beobachtet, Löcher im Mantel sofort mit Erde und Ton abgedichtet. Diese anstrengende Nacht- und Tagwache schweißte die Gemeinschaft spürbar zusammen und bewahrte das Handwerk vor den lauernden Flammen.

Der Aufwand wurde nicht ohne Grund betrieben, denn Neuhütten blickt auf eine tiefe, historische Hüttentradition zurück. Der Ortsname selbst leitet sich von den einstigen Produktionsstätten, den Hütten, ab. Inmitten der holzreichen Wälder des Hochwaldes blühte im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit die Eisenverhüttung und Glasherstellung. Um die enormen Temperaturen zu erzeugen, die für das Schmelzen von Erz benötigt wurden, war Holzkohle der einzige und absolut essenzielle Energieträger. Ohne die Arbeit der Köhler, die tief in den Wäldern das Holz der Region veredelten, hätte es die industrielle Entwicklung und den Wohlstand der Gemeinden niemals gegeben. Mit dem Meilerfest erinnerte der Heimatverein eindrucksvoll an diese Wurzeln, die das Fundament der heutigen Gemeinde bilden.

Nach einer Woche des Bangens und Hoffens folgte vom 26. bis 28. Juni der Höhepunkt. Nach dem „Meilerschoppen“ am Freitagabend schlug am Samstag, dem 27. Juni, schließlich die Stunde der Wahrheit: Der Meiler wurde unter Aufsicht der Feuerwehren Neuhütten/Züsch und Reinsfeld geöffnet. Das Ergebnis der tagelangen Mühen konnte sich mehr als sehen lassen: Rund 1.500 Kilogramm erstklassige Holzkohle wurden aus dem Meiler gewonnen. Unter den staunenden Augen der Gäste konnte die frisch gewonnene Ware direkt vor Ort erworben werden. Ein echtes Stück Heimat für den heimischen Grill.

Der Festsonntag rundete das Jubiläum perfekt ab: Neben einem zünftigen Frühstück und Ausstellungen des THW sowie des Feuerwehrmuseums sorgten auch das Kinderschminken für leuchtende Augen bei den kleinen Gästen. Die Orchestergemeinschaft Hochwald, bestehend aus dem MV "Harmonie" Neuhütten und der Kolpingkapelle Nonnweiler Bierfeld, und anschließende Live-Musik von Thomas Haupenthal sorgten für den passenden Ausklang eines Festes, das allen Besuchern noch lange in bester Erinnerung bleiben wird.

Herzlicher Dank an alle fleißigen Helfern, die unermüdlichen Schichtwachen sowie an alle Unterstützer. Die Vorbereitungen für die offizielle Jubiläumsfeier am 24. Oktober sind schon in vollem Gange.