Ein schwerer Waldbrand zwischen Primstal und Kastel hat vergangene Woche einen der größten Feuerwehreinsätze der vergangenen Jahrzehnte im Saarland ausgelöst. Mehr als 350 Einsatzkräfte kämpften über rund 40 Stunden gegen die Flammen, die sich auf einer Fläche von rund fünf Hektar ausbreiteten und eine erst wenige Jahre zuvor angelegte Wiederaufforstungsfläche schwer beschädigten. Sieben Feuerwehrkräfte wurden bei den Löscharbeiten leicht verletzt. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern weiterhin an.
Alarmiert wurden die Einsatzkräfte am Donnerstag gegen 17.45 Uhr. In einem Waldstück an der L147 in Höhe der Kläranlage war aus bislang ungeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen. Begünstigt durch anhaltende Trockenheit, hohe Temperaturen und schwierige Geländeverhältnisse breitete sich der Brand innerhalb kurzer Zeit an einem steilen Hang aus. Das Feuer fraß sich immer weiter durch den Wald und stellte die Einsatzkräfte vor enorme Herausforderungen. Schläuche und schweres Material mussten durch unwegsames Gelände transportiert werden, während die Feuerwehrleute aufgrund der hohen körperlichen Belastung regelmäßig abgelöst werden mussten.
Bereits in den ersten Stunden entwickelte sich der Brand zu einer Großschadenslage. Zeitweise waren zwischen 300 und 350 Feuerwehrleute und Helfer gleichzeitig im Einsatz. Unterstützung erhielten die Feuerwehren des Landkreises St. Wendel von den Waldbrand-Fachzügen aus Merzig-Wadern und Birkenfeld, der Werkfeuerwehr Diehl, dem Saarforst Landesbetrieb sowie weiteren Kräften aus Rheinland-Pfalz.
Auch aus der Luft wurde der Einsatz unterstützt. Ein Löschhubschrauber entnahm Wasser aus dem Eulensee bei Nonnweiler und warf es gezielt über den Flammen ab. Gleichzeitig lieferten Luftbilder und Wärmebildkameras wichtige Informationen über die Ausbreitung des Feuers und mögliche Glutnester. Das Deutsche Rote Kreuz und die Malteser übernahmen die sanitätsdienstliche Versorgung der Einsatzkräfte. Auch das Innenministerium koordinierte den Einsatz und ließ über das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum Satellitenbilder des europäischen Copernicus-Programms anfordern, um die Lage fortlaufend zu bewerten.
Für die Bevölkerung bestand während des gesamten Einsatzes keine unmittelbare Gefahr. Evakuierungen waren nicht erforderlich. Aufgrund der starken Rauchentwicklung wurden Anwohner jedoch zeitweise aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die L147 musste vollständig gesperrt werden, die Autobahn A1 blieb hingegen befahrbar.
Die dramatischen Bilder des Waldbrandes sorgten weit über die Gemeinde Nonnweiler hinaus für große Aufmerksamkeit. Einer der ersten Pressevertreter an der Einsatzstelle war Florian Blaes. Bereits wenige Minuten nach Bekanntwerden des Feuers machte er sich auf den Weg nach Kastel und dokumentierte den gesamten Einsatz von den ersten Flammen bis zum offiziellen Einsatzende.
„Schon auf der Anfahrt war die gewaltige Rauchsäule zu sehen – ein beeindruckendes und zugleich bedrückendes Bild“, erinnert sich Blaes. Während immer mehr Menschen ihre Sorgen über soziale Netzwerke teilten und Bilder der Rauchentwicklung schickten, begann er unmittelbar mit der Berichterstattung.
In mehreren Livestreams informierte Blaes die Bevölkerung fortlaufend über die aktuelle Lage. Zeitweise verfolgten rund 900 Zuschauer seine Liveübertragungen gleichzeitig. Gemeinsam mit dem Pressesprecher der Feuerwehr erhielt er Einblicke in den Einsatzablauf und konnte die Arbeit der zahlreichen Hilfsorganisationen dokumentieren. Besonders eindrucksvoll beschreibt er den Moment, als der Löschhubschrauber seine Arbeit aufnahm und sich das koordinierte Zusammenspiel aller Einsatzkräfte zeigte.
„Einen Waldbrand dieser Größenordnung habe ich in meiner Zeit als Pressevertreter noch nie erlebt“, sagt Blaes. Beeindruckt habe ihn vor allem die Professionalität aller Beteiligten. „Nicht nur das Ausmaß des Feuers, sondern vor allem die Zusammenarbeit der Feuerwehr und aller Hilfsorganisationen war außergewöhnlich.“ Seine über mehrere Tage entstandene Bilderstrecke dokumentiert die Dimension dieses historischen Einsatzes und begleitet auch diesen Beitrag.
Noch in der Nacht gelang es den Einsatzkräften, das Feuer einzudämmen. Vollständig gelöscht war der Brand jedoch zunächst nicht. Immer wieder loderten Glutnester auf, weshalb rund 50 Feuerwehrleute über Nacht Brandwache hielten. Die niedrigeren Temperaturen und die höhere Luftfeuchtigkeit unterstützten die Löscharbeiten.
Am Freitag konzentrierten sich rund 120 Einsatzkräfte darauf, Brandschneisen anzulegen und verbliebene Glutnester gezielt abzulöschen. Sieben Feuerwehrkräfte hatten sich bei den kräftezehrenden Arbeiten leicht verletzt, mehrere mussten medizinisch versorgt werden. Erst am Samstagmorgen konnte der Gesamteinsatzleiter schließlich offiziell „Feuer aus“ melden. Damit endete zwar der Großeinsatz, die Nachsorge dauerte jedoch weiter an. In den folgenden Tagen kontrollierte die Gemeindefeuerwehr Kastel die Brandfläche regelmäßig mit speziellen Waldbrandrucksäcken, um versteckte Glutnester frühzeitig zu entdecken und ein erneutes Aufflammen zu verhindern.
Zurück blieb ein erschütterndes Bild. Besonders betroffen ist eine Wiederaufforstungsfläche, die nach den massiven Borkenkäferschäden im Frühjahr 2023 neu angelegt worden war. Damals wurden auf dem rund zehn Hektar großen Hang insgesamt 8.150 Jungbäume gepflanzt. Nach ersten Schätzungen wurde etwa die Hälfte dieser jungen Bäume durch den Brand zerstört.
Für die Gemeinde Nonnweiler bedeutet dies nicht nur einen erheblichen finanziellen Verlust, sondern vor allem einen schweren Rückschlag für den Waldumbau und den Naturschutz. Nach Einschätzung der Verantwortlichen handelt es sich um den schwersten Waldbrand in der Gemeinde Nonnweiler und zugleich um den größten Waldbrand im Saarland seit rund 50 Jahren.
Der Saarforst möchte die abgebrannte Fläche künftig wissenschaftlich begleiten. Die Brandfläche könnte als Versuchsraum dienen, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich die Natur nach einem Waldbrand regeneriert und welche Maßnahmen künftig beim klimaangepassten Waldumbau sinnvoll sind.
Wie das Feuer entstehen konnte, ist weiterhin Gegenstand intensiver Ermittlungen. Nahe der mutmaßlichen Ausbruchsstelle wurden Überreste von Knallkörpern gefunden und durch die Polizei als Spur gesichert. Zudem werden Zeugenaussagen ausgewertet. Ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen den sichergestellten Knallkörpern und dem Brand besteht, ist derzeit jedoch völlig offen. Die Ermittler betonen ausdrücklich, dass bislang keine gesicherten Erkenntnisse zur Ursache des Großbrandes vorliegen. (LeWe)