Flugkörperintegrationszentrum, Bild: Diehl Defence
Große Freude bei der Eröffnung des Gebäudes, Bild: Diehl Defence
Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hielt ein Grußwort anlässlich der Einweihung. Bild: Diehl Defence
Diehl Defence hat an seinem Standort Nonnweiler im Saarland ein neues Flugkörperintegrationszentrum offiziell in Betrieb genommen. Der Neubau ist Teil einer umfassenden Ausbaustrategie, mit der das Unternehmen seine Produktionskapazitäten an mehreren Standorten erweitert.
An der Feierstunde zur Übergabe des Gebäudes nahmen unter anderem die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Wirtschaftsminister Jürgen Barke teil. Diehl-Defence-CFO Thomas Bodenmüller übernahm das Gebäude nach Abschluss der Bauarbeiten offiziell.
Zentrum für die Integration von Lenkflugkörpern
Das neue Fertigungsgebäude dient vor allem dem Kapazitätsausbau für die Integration von Lenkflugkörpern. Zunächst sollen dort verschiedene Varianten der IRIS-T-Familie integriert werden, die für bodengebundene Luftverteidigungssysteme eingesetzt werden. Die Anlage ist als Endintegrationszentrum für Flugkörper ausgelegt und kann für weitere Produktlinien angepasst werden.
In Nonnweiler werden damit künftig Teile eines Systems gefertigt, das von Deutschland und weiteren NATO-Staaten genutzt wird. Diehl Defence verweist in diesem Zusammenhang auf eine seit 2022 deutlich gestiegene Nachfrage nach Luftverteidigungssystemen.
Gebäude mit besonderen baulichen Anforderungen
Mit dem Integrationszentrum wurden rund 3.400 Quadratmeter zusätzliche Produktionsfläche geschaffen. Das entspricht etwa der Fläche von 18 Einfamilienhäusern. Die Bauzeit erstreckte sich von Ende 2024 bis Januar 2026.
Aufgrund der Nutzung als sprengstoffverarbeitender Betrieb unterliegt das Gebäude besonderen rechtlichen und technischen Anforderungen. Es wurde nach aktuellen Vorgaben zur baulichen Sicherheitstechnik errichtet und verfügt unter anderem über Erdwälle an beiden Längsseiten, von denen der höchste etwa 27 Meter misst. Insgesamt wurden rund 1.100 Tonnen Stahl verbaut und rund 35.000 Kubikmeter Erdreich bewegt.
Architektonisch fällt das Gebäude durch eine nach hinten ansteigende Form auf, die nach Unternehmensangaben in Europa derzeit einzigartig ist. Diese Bauweise trägt sowohl den Sicherheitsanforderungen als auch den innerbetrieblichen Abläufen Rechnung.
Politiker betonen industrielle Bedeutung
Ministerpräsidentin Anke Rehlinger erklärte bei der Einweihung, die Branche investiere, erweitere Kapazitäten und schaffe Arbeitsplätze, was aus ihrer Sicht positiv für das Saarland sei. Wirtschaftsminister Jürgen Barke hob hervor, die Investitionen zeigten, dass das Saarland ein leistungsfähiger Standort für Hochtechnologie sei. Er wies zudem darauf hin, dass sich Nonnweiler im Zuge des Ausbaus zu einem industriellen Anker mit überregionaler Bedeutung entwickle.
Die Äußerungen der Landesregierung ordnen das Projekt in den laufenden Strukturwandel im Saarland ein. Die Landesregierung verweist dabei auf zusätzliche Perspektiven für Wachstum und Beschäftigung im Bereich der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie.
Weitere Bauvorhaben am Standort Nonnweiler
Das Integrationszentrum ist das erste Gebäude, das in der aktuellen Wachstumsphase von Diehl Defence am Standort Nonnweiler fertiggestellt wurde. Nach Angaben von CFO Thomas Bodenmüller haben die Bauarbeiten für drei weitere Neubauten bereits begonnen. Insgesamt sind dort mehr als 20 weitere Bauprojekte vorgesehen, darunter zusätzliche Fertigungsgebäude für andere Produktfamilien und ein Logistikneubau an der Betriebsstätte Mariahütte.
Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben konzernweit rund 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Kapazitäten. Ein Teil dieser Summe ist für Projekte im Saarland vorgesehen, darunter der Standort Nonnweiler.
Unternehmensentwicklung und Beschäftigung
Diehl Defence befindet sich seit mehreren Jahren in einer Wachstumsphase. Hintergrund sind insbesondere erhöhte Aufträge aus Deutschland und weiteren NATO-Staaten. In den vergangenen Jahren stieg der Umsatz der Diehl-Gruppe deutlich, wobei der Bereich Defence einen wesentlichen Anteil am Wachstum hatte.
Auch die Beschäftigtenzahl wurde erhöht: 2021 beschäftigte Diehl Defence rund 2.800 Mitarbeitende, aktuell sind es etwa 5.000. Das Unternehmen betreibt neben Nonnweiler weitere Standorte, unter anderem in Überlingen und Röthenbach.
Rolle des Standorts im Hochwald
Mit dem neuen Integrationszentrum und den geplanten Folgeprojekten erweitert Diehl Defence die industrielle Präsenz im nördlichen Saarland. Der Standort Nonnweiler übernimmt damit innerhalb des Unternehmens eine wachsende Rolle in der Fertigung und Integration von Flugkörpersystemen. (LeWe)