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Ausgabe 7/2026
Allgemeine Nachrichten
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Kreativität, Identität und Gemeinschaft

Sechs neue Einträge ins Immaterielle Kulturerbe des Saarlandes

Letzte Woch hat die Landesjury für das Immaterielle Kulturerbe sechs Kulturformen offiziell in das saarländische Landesverzeichnis aufgenommen: Schwenken, Doppelweck, Barbarafeiern, Lehnenausrufen, Erbsenrad Wadrill und das deutsch-türkische Tulpenfest in Homburg.

Mit diesen Einträgen würdigt das Land die Vielfalt seiner lebendigen Traditionen und stärkt regionale Identität sowie Gemeinschaftssinn.

Ministerpräsidentin Anke Rehlinger: „‘Der Schwenker schwenkt den Schwenker.‘ Wenig steht so sehr für die Lebensart in unserer Genussregion Saarland wie das Schwenken. Und so zeigt dieses Beispiel – wie auch die anderen auf der Liste - eine starke saarländische Identität, die mit der Aufnahme ins Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes besonderen Ausdruck findet, das wir 2022 eingeführt haben. Wir sind stolz auf unser Bundesland, saarland-stolz, und das zeigen wir gern!“

Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot: „Als Bergmannstochter weiß ich, wie sehr Traditionen Halt geben und Gemeinschaft stiften. Ob beim Singen des Steigerlieds, um den Schwenker am warmen Feuer versammelt, beim ‚Doppelweck aus de Kaffeekisch‘, der nach Heimat und Geschichte schmeckt, oder bei den Barbarafeiern, in denen der Bergbau bis heute weiterlebt: Immaterielles Kulturerbe ist gelebte Erinnerung und Zukunft zugleich. Die Aufnahme ins Landesverzeichnis würdigt das große Engagement all der Menschen, Vereine und Initiativen, die diese Traditionen mit Leidenschaft weitertragen. Sie sind das Herz unserer regionalen Identität im Saarland – und darauf können wir sehr stolz sein.“

Nach Prüfung der eingereichten Bewerbungen und intensiven Beratungen hat die Jury, bestehend aus sieben Expertinnen und Experten aus den Bereichen regionale Geschichte, Kultur und Handwerkskunst, sechs Kulturformen in das saarländische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen

Schwenken

Schwenken verbindet Menschen über Generationen hinweg­­. Wenn der Schwenker über dem Feuer hängt, bleibt man zusammen, rückt näher und nimmt sich Zeit füreinander. Familien, Freundeskreise und Vereine pflegen ihre eigenen Rezepte und Handgriffe, aber überall geht es um dasselbe: um Gespräche, um Gemeinschaft und um das gute Gefühl, gemeinsam am Feuer zu stehen. Schwenken verbindet Generationen – und gehört für viele Saarländerinnen und Saarländer einfach zum Leben dazu.

Doppelweck

Der Doppelweck ist ein traditionelles saarländisches Brötchen aus zwei zusammengelegten Wecken, von Hand gebacken. Früher Teil des Bergmannsfrühstücks, ist er heute in Bäckereien und Imbissen zu finden. Familienbetriebe geben die Rezeptur über Generationen weiter und bewahren so die regionale Backtradition.

Hans-Jörg Kleinbauer, Bäcker und Landesinnungsmeister: „Der Doppelweck ist sehr verwurzelt im Saarland und seiner Geschichte. Auch heute schätzen Saarländer den Doppelweck als Premiumprodukt des saarländischen Bäckerhandwerks.“

Barbarafeiern

Die Barbara-Feiern gehören zur Bergbaukultur des Saarlandes und verbinden religiöse Andacht, Brauchtum und Geselligkeit. Gottesdienste, Paraden und traditionelle Musik machen die Bergbaugeschichte lebendig, selbst nach dem Ende des aktiven Steinkohlebergbaus.

Lehnenausrufen

In Saarhölzbach werden junge Erwachsene in einem traditionellen Rufritual öffentlich vorgestellt. Mit der „Tuut“, einem metallenen Sprachrohr, werden Paare verkündet, die anschließend beim Lehnenball tanzen. Das Ritual bringt alte Tradition in die heutige Zeit.

Erbsenrad im Wadrilltal

Am Abend des ersten Fastensonntags rollt ein brennendes Rad ins Tal, begleitet von Musik und traditionellen Zeremonien. Das Ritual verbindet die Elemente Feuer, Wasser und Erde und bewahrt ein altes Frühlingsbrauchtum.

Albert Räsch, Geschichtswerkstatt Wadrilltal e.V.: „Mit dieser Auszeichnung im Rücken rollt unser Erbsenrad am 22. Februar noch mal so leuchtend ins Tal – und vertreibt den Winter umgehend.“

Deutsch-türkisches Tulpenfest in Homburg

Jedes Jahr im April bringt das Fest Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen. Musik, Tanz, Kunsthandwerk und Kulinarik verbinden Tradition und kulturellen Austausch. Ehrenamtliche pflanzen im Herbst Tulpen, die im Frühling die bunte Kulisse für das Fest bilden.

Außerdem hat die Jury entschieden, dass neben der saarländischen Bergmusik, die bereits auf der Landesliste vertreten ist, drei weitere Kulturformen für das Bundesverzeichnis vorgeschlagen werden: die Barbarafeiern, das Schwenken und das Lehnenausrufen. Ob sie aufgenommen werden, entscheidet die Deutsche UNESCO-Kommission im April 2027.

Hintergrund

Mit dem Immateriellen Kulturerbe unterstützt die UNESCO seit mehr als zwanzig Jahren den Erhalt und die Weitergabe lebendiger Traditionen in den Bereichen Tanz, Theater, Musik, Naturwissen, Handwerkstechnik und mündlicher Überlieferung. Inzwischen gibt es internationale, nationale und regionale Verzeichnisse.

Im Frühjahr 2022 wurde das saarländische Landesverzeichnis auf Initiative der Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Ministerin Christine Streichert-Clivot und ins Leben gerufen.