Mitten im Hochwald, an der alten Verbindungsstraße zwischen Nonnweiler, Kastel und dem Primstal, steht ein Haus, das weit mehr ist als eine Gaststätte. Gomm’s Mühle ist ein lebendiges Zeugnis regionaler Geschichte, handwerklicher Tradition und familiären Zusammenhalts – und das seit nunmehr fast zwei Jahrhunderten. Wir widmen uns der Institution mit einem Beitrag zur Heimatgeschichte. Ein Dank an dieser Stelle an Harald und Claudia Peter zur Bereitstellung des Materials.
Die Anfänge im 19. Jahrhundert
Der Grundstein für diese außergewöhnliche Geschichte wurde von Nikolaus Gomm gelegt. Geboren 1814 in Wadrill, war er gelernter Zimmermann und errichtete zwischen 1840 und 1842 die Gomm’sche Sägemühle. Zeitgleich entstand auch das erste Gasthaus, das später unter dem Namen „Zum Bahnhof“ bekannt wurde – benannt nach dem nahegelegenen Bahnhof Mariahütte, der damals ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt war.
Nikolaus Gomm war ein vielseitiger Mann: Neben der Mühle betrieb er einen Steinbruch, der Baumaterial für zahlreiche Häuser in Kastel und Braunshausen lieferte. Als Architekt entwarf er viele Gebäude in der Umgebung; Teile seiner Zeichnungen sind bis heute im Pfarrarchiv erhalten. Trotz schwerer persönlicher Schicksalsschläge – er verlor seine erste Frau und ein Kind früh – fand er wieder das Glück und begründete mit seiner zweiten Frau Anna Schneider eine große Familie.
Vom Müller- zum Wirtshausbetrieb
Sein Sohn Nikolaus Gomm jun. führte den Betrieb weiter. Die Sägemühle entwickelte sich zu einem wichtigen Arbeitgeber für die Region, insbesondere für Handwerksburschen, die hier Arbeit, Unterkunft und Verpflegung fanden. Mit dem Aufschwung des Verkehrs und des Ausflugswesens gewann jedoch zunehmend auch die Gastwirtschaft an Bedeutung.
Der Mühlenbetrieb wurde 1915 eingestellt, während das Gasthaus weiterhin florierte. Im Ersten Weltkrieg kehrte Nikolaus Gomm III. nicht zurück, sodass die Mühle ab 1918 endgültig stillstand. Die Gaststätte jedoch blieb bestehen und wurde von Jakob Gomm, dem fünften Sohn von Nikolaus jun., weitergeführt.
Jakob Gomm, 1887 in der Mühle geboren, heiratete 1919 Maria aus Schillingen. Das Paar hatte fünf Kinder, von denen zwei Söhne den Zweiten Weltkrieg nicht überlebten – ein weiteres schweres Kapitel in der Familiengeschichte.
Zerstörung und Neubeginn
Im Zweiten Weltkrieg wurde das mittlerweile vergrößerte Gebäude schwer beschädigt, da sich darin eine Funkstation befand, die Ziel alliierter Bombenangriffe war. In den 1950er-Jahren fiel die alte Gomm’s Mühle schließlich dem Straßenbau zum Opfer und wurde abgerissen.
Doch die Geschichte endete nicht dort. Wilhelm Gomm (*1925), der einzige überlebende Sohn Jakobs, zog mit seiner Frau Maria in den 1954/55 neu errichteten Bau, der bis heute den Standort der Gaststätte prägt. Hier wurde 1955 ihr Sohn Wilhelm Gomm (Willi) geboren.
Gomm’s Mühle als Institution
Willi Gomm prägte das Haus über Jahrzehnte entscheidend. Bekannt als ruhiger, besonnener Wirt und leidenschaftlicher Jäger, modernisierte er den Betrieb, baute ihn aus und ergänzte ihn unter anderem um eine Kegelbahn. Die Gomm’s Mühle wurde weit über den Hochwald hinaus als Ort herzlicher Gastlichkeit bekannt – ein Ziel für Wanderer, Ausflügler und Stammgäste gleichermaßen.
Mitte der 1980er-Jahre übernahm Wilhelm Gomm jun. gemeinsam mit seiner Frau Elke den Betrieb. Ein schwerer Einschnitt folgte 2002, als Elke Gomm kurz vor der Wiedereröffnung, die nach einem Großbrand nötig wurde, nach langer Krankheit verstarb.
Die Gegenwart und der Blick nach vorn
Heute wird die „neue Gomm“ von *Michael Gomm (1986) geführt, dem einzigen Sohn von Willi und Elke. Unterstützt wird er von seiner Nichte Svenja Schmitt sowie zahlreichen Familienmitgliedern und langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Gomm’s Mühle ist damit inzwischen in der sechsten Generation angekommen, mit klarer Perspektive auf die siebte. Der Dank der Familie gilt dabei ausdrücklich nicht nur den Mitarbeitenden, sondern auch den Partnern im Hintergrund und vor allem den Gästen aus Nah und Fern. Ohne sie, so heißt es, gäbe es das Haus nicht.
Ein Stück Heimat
„Tradition verpflichtet“ – dieses Motto zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Gomm’s Mühle. Sie ist nicht nur ein Gasthaus, sondern ein Ort gelebter Heimatgeschichte, geprägt von Arbeit, Entbehrung, Neubeginn und Zusammenhalt.
Oder, wie es die Familie selbst formuliert:
Die Fahrt geht weiter – und wir hoffen, dass es im Jahr 2042 heißt: 200 Jahre Gomm’s Mühle.
Bilder: Harald Peter