Titel Logo
Amtsblatt VG Pirmasens-Land
Ausgabe 33/2026
Verbandsgemeinde
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Fortsetzung der Titelseite: Sieben Verbandsgemeinden starten KI-Modellprojekt „KI-LOSTE“: Land fördert interkommunale Zusammenarbeit mit über 330.000 Euro

Der Projektname steht zugleich für das Grundverständnis, mit dem die beteiligten Verwaltungen an das Thema Künstliche Intelligenz herangehen: Ein Lotse geht an Bord, wenn das Fahrwasser anspruchsvoll wird. Er übernimmt nicht das Ruder, kennt aber den sicheren Weg. Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz bleibt deshalb der Mensch im Mittelpunkt. Die neuen Systeme sollen die Beschäftigten unterstützen und entlasten, Entscheidungen jedoch nicht ersetzen.

„Mit KI-LOSTE schaffen wir die Grundlage für eine moderne, leistungsfähige und zugleich bürgernahe Verwaltung“, erklärt Bürgermeister Klaus Weber. „Das Projekt bietet den teilnehmenden Verwaltungen eine große Chance zur Weiterentwicklung. Durch die gemeinsame Nutzung moderner Technologien können wir Arbeitsabläufe verbessern, unsere Mitarbeitenden bei Routinetätigkeiten entlasten und den Bürgerservice dauerhaft stärken. Entscheidend ist für uns, dass Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll, sicher und immer zum Nutzen der Menschen eingesetzt wird.“

Sichere KI-Plattform für die Verwaltungsarbeit

Ein zentraler Baustein des Projektes ist der Aufbau einer gemeinsamen, datenschutzkonformen Plattform für generative Text-KI. Diese soll die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beispielsweise bei der Erstellung und Überarbeitung von Anschreiben, Informationsschreiben, Protokollentwürfen, Beschlussvorlagen und Texten für die kommunalen Internetseiten unterstützen.

Darüber hinaus soll die KI umfangreiche Dokumente zusammenfassen, Formulierungsvorschläge erstellen und komplexe Verwaltungssprache in eine verständlichere oder leichte Sprache übertragen können. Einheitliche Regeln, klar geregelte Zugriffsrechte sowie hohe Datenschutz- und Sicherheitsstandards sollen dabei einen rechtssicheren Einsatz gewährleisten.

Besserer Bürgerservice über Internet und Telefon

Auch der digitale Bürgerservice soll im Rahmen von KI-LOSTE weiterentwickelt werden. Geplant sind ein Web-Chatbot für die Internetseiten der beteiligten Verbandsgemeinden und ein KI-gestützter Telefonassistent.

Die Systeme sollen häufig gestellte Fragen zu Öffnungszeiten, Zuständigkeiten, Ansprechpersonen, benötigten Unterlagen und Online-Dienstleistungen beantworten. Bürgerinnen und Bürger sollen dadurch auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten schnell eine erste Orientierung erhalten. Bei komplexeren Anliegen sollen die Systeme an die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder an passende Online-Angebote weiterleiten.

Der persönliche Kontakt zur Verwaltung bleibt weiterhin erhalten. Vielmehr sollen die digitalen Angebote dazu beitragen, Standardanfragen schneller zu beantworten und den Beschäftigten mehr Zeit für individuelle Beratung und anspruchsvolle Einzelfälle zu ermöglichen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise im Sitzungs- und Dokumentenmanagement, sollen während des Projektverlaufs gemeinsam geprüft und erprobt werden.

KI-Lotsen als Ansprechpartner in den Verwaltungen

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Qualifizierung der Beschäftigten. In jeder teilnehmenden Verwaltung soll es künftig mindestens eine feste Ansprechperson für Fragen rund um den Einsatz Künstlicher Intelligenz geben – einen sogenannten KI-Lotsen.

Die KI-Lotsen sollen Wissen vermitteln, Unsicherheiten abbauen, praktische Anwendungsfälle begleiten und den Erfahrungsaustausch zwischen den Verwaltungen fördern. Ergänzend sind gemeinsame Schulungen zu den Chancen und Grenzen von KI, zum Datenschutz, zur Informationssicherheit und zu den rechtlichen Rahmenbedingungen vorgesehen.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern, kurz DFKI.

Projektleiter Andreas Scheidle, stellvertretender Büroleiter und Digitalisierungsbeauftragter der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land, betont: „Ein Lotse übernimmt nicht das Ruder, aber er hilft dabei, auch in anspruchsvollem Fahrwasser sicher auf Kurs zu bleiben. Genau diesen Ansatz verfolgen wir mit KI-LOSTE. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben verantwortlich und treffen weiterhin die Entscheidungen. Mit dem DFKI Kaiserslautern haben wir zugleich einen hervorragenden Co-Navigator an Bord, der uns bei der fachlichen, rechtlichen und verantwortungsvollen Umsetzung unterstützt.“

Gemeinsame Lösungen für den ländlichen Raum

Durch die interkommunale Zusammenarbeit müssen Plattformen, Regelwerke, Schulungskonzepte und technische Lösungen nicht in jeder Verbandsgemeinde einzeln entwickelt werden. Die beteiligten Verwaltungen können ihr Wissen bündeln, gemeinsame Standards schaffen und Kosten bei Beschaffung, Betrieb und Weiterbildung reduzieren.

Gerade kleinere und mittlere Verwaltungen im ländlichen Raum erhalten damit Zugang zu einer modernen und sicheren KI-Infrastruktur. Langfristig soll KI-LOSTE dazu beitragen, die Verwaltungen trotz zunehmenden Fachkräftemangels handlungsfähig zu halten, Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten und den Bürgerinnen und Bürgern einen zeitgemäßen, verständlichen und gut erreichbaren Service anzubieten.