Der NABU Köllertal begrüßt diese Entscheidung und möchte damit die Aufmerksamkeit auf die große Bedeutung der Beweidung für Tierwohl sowie Natur- und Klimaschutz lenken. Weidelandschaften sind weit mehr als eingezäunte Wiesen – sie sind komplexe Ökosysteme mit zentraler Bedeutung für Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und Klimaschutz. Durch das Abfressen von Gras und Gehölzen schaffen Weidetiere Licht für nachwachsende Pflanzen und regen das Graswachstum an. Ihre Hufe und Klauen sorgen für eine vielfältige Bodenstruktur: Neben dichten Grasnarben entstehen offene Stellen, in denen neue Pflanzen keimen können. So steigt die Artenvielfalt, und selbst lange verschwundene Pflanzen wie Orchideen tauchen wieder auf.
In feuchten Gebieten wie der Köllertalaue vermeidet schonende Beweidung die Bodenverdichtung durch schwere Maschinen. Zudem kann der Boden Wasser besser speichern, wovon insbesondere Amphibien profitieren – Froschkonzerte sind dort vielerorts wieder zu hören. Auch für Insekten und Vögel ist Beweidung entscheidend: Ein Rind produziert monatlich rund eine Tonne Kuhfladen, die etwa 100 Kilogramm Insekten anlocken und damit rund 10 Kilogramm Vogelnahrung liefern. Mit der ganzjährigen Stallhaltung begann hingegen der massive Rückgang von Insekten und Vögeln. Von der ganzjährigen Beweidung profitieren auch robuste Rinderrassen wie Steppenrinder und Dexter-Minirinder, die offene Landschaften erhalten und in NABU-Projekten zu finden sind. Die Freilandhaltung ermöglicht arttypisches Verhalten, stärkt die Muskulatur und fördert Gesundheit und Wohlbefinden. Gleichzeitig kehren auf extensiv genutzten Weiden Tierarten wie Biber, Storch, Uhu und Eisvogel zurück, die im Köllertal wieder heimisch sind.