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Amtsblatt der Kur- und Erholungsstadt Bad Frankenhausen
Ausgabe 6/2026
Kulturinformationen
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Regionalgeschichte zum Anfassen

Beim Fliederfest lud erstmals ein Bauernlager zum Entdecken ein

Anlässlich des Fliederfestes in Bad Frankenhausen präsentierten sich die gesamte Innenstadt und der Schlossplatz wie jedes Jahr im Mai mit zahlreichen Fahrgeschäften und buntem Markttreiben. Neu war jedoch, dass wir „Freunde von anno dazumal“ mit unserem erstmals aufgebauten Bauernlager am Schausiedehaus einen gemütlichen Rückzugsort abseits des Festgeschehens schufen. Gemeinsam mit Mitgliedern zweier „Haufen“ aus Frankenthal und Ronneburg luden wir Einheimische wie Gäste zu einer kleinen Zeitreise ein.

Eine Frage begegnete uns an diesem Wochenende immer wieder: „Warum lagert ihr bereits im Mai und nicht erst zum Bauernmarkt im September?“ Die Antwort darauf liegt genau 501 Jahre zurück. Während der Bauernmarkt im Herbst traditionell das Ende der Erntezeit würdigt, soll unser Bauernlager an die dramatischen Ereignisse des Frühjahrs 1525 und die Tage vor der Bauernschlacht erinnern. Damals versammelten sich tausende Bauern in der Stadt, um gegen Unterdrückung und für bessere Lebensbedingungen einzutreten. Am 11. Mai 1525 erreichte der Reformator Thomas Müntzer mit rund 300 Bauern aus Mühlhausen Frankenhausen und stärkte den Aufständischen den Rücken. Nur wenige Tage später, am 15. Mai 1525, endete ihr Kampf jedoch in einer verheerenden Niederlage.

Im vergangenen Jahr stellten wir als geschichtsinteressierte Freundesgruppe im Rahmen des Denkjahres „500 Jahre Bauernschlacht“ den Marsch Thomas Müntzers von Mühlhausen nach Bad Frankenhausen nach. Diesem historischen Zug schlossen sich über 400 Bauern an. Noch heute erinnern wir uns an die besondere Atmosphäre entlang der Strecke: an den Zuspruch der Menschen, die Begeisterung der Teilnehmer und die vielen interessierten Zuschauer, die diesen historischen Marsch zu einem unvergesslichen Erlebnis machten.

Durch das große Interesse und weil das zahlreich angeschaffte Equipment anlässlich des Marsches und der „Schlacht am Berg“ zu schade ist, um sein Dasein in Scheunen zu fristen, entstand die Idee zu einem kleinen Bauernlager. Da das Fliederfest ebenfalls Mitte Mai stattfindet, eignet es sich ideal, um an die damals hier hoffenden Bauern und ihr Schicksal zu erinnern.

Im Bauernlager gab es neben den vom Museum bereitgestellten Informationstafeln zur Geschichte des Jahres 1525 allerhand zu entdecken. Zwischen authentischen Zelten, einem Planwagen und historischen Waffen konnten die Gäste in das einfache Leben anno 1525 eintauchen. Historisch gewandet zeigten wir, wie traditionelle Speisen über der eigens gebauten Kochstelle zubereitet wurden. Mit viel Liebe zum Detail wurden alte Arbeitstechniken wie das Schmiede- und Lederhandwerk vorgeführt. Die Salzsieder demonstrierten die Gewinnung von Salz aus der Sole und auch Kampfübungen der Bauern konnten bestaunt werden. Für die jüngsten Besucher gab es ebenfalls zahlreiche Mitmachangebote: Bogenschießen, Wurfspiele, Sackhüpfen und Zwiebellauf sorgten für Begeisterung. Die Teilnahme war kostenlos und wurde mit Urkunden belohnt. Die durchweg positive Resonanz unserer Besucher war für uns ein großer Ansporn für weitere Ideen und eine mögliche Fortsetzung - vielleicht dürfen wir Euch schon im nächsten Jahr wieder im Bauernlager beim Fliederfest begrüßen.

Ein solches Lager stemmt sich nicht allein. Über 40 Akteure in historisch authentischer Kleidung erweckten die Szenerie zum Leben. Für die passende mittelalterliche Klangkulisse sowie eine unterhaltsame Moderation sorgte Roland Sölle in seiner Rolle als Pfänner Hermann Fischer. Ein besonderer Dank gilt unseren zahlreichen Unterstützern, die dieses historische Erlebnis ermöglicht haben: der Stadt Bad Frankenhausen, dem Regionalmuseum, dem Solewasser-Vitalpark, Rewe, Herkules, der Trautmann Backmanufaktur, Lifestyle Moden sowie den vielen fleißigen Helfern im Hintergrund.

Sylva Reinecke, Freunde von Anno Dazumal