Mit dem Stichtag 01.01.2024 beginnt für den Stadtwald ein neues Forsteinrichtungsjahrzehnt. Die Forsteinrichtung ist eine Inventur im Wald und gleichzeitig Planungsinstrument für die nächsten 10 Jahre. Dabei werden für den Waldbesitzer forstlich relevante Daten erhoben und Bewirtschaftungsziele festgelegt. Sie bietet auch die Möglichkeit auf das vergangene Jahrzehnt (Stichtag 01.01.2014) zurückzublicken und Veränderungen in den Waldbeständen zu erkennen und zu bewerten. Die Forsteinrichtung wurde durch einen externen unabhängigen forstlichen Dienstleiter durchgeführt. Die nicht unerheblichen Kosten für die Kommune trägt erfreulicherweise der Freistaat Thüringen.
Nach der neuen Forsteinrichtung hat der Stadtwald eine Betriebsfläche von 1.013 ha und ist damit der größten kommunale Waldbesitzer im Forstamt Marksuhl.
Mit dem Beginn des Jahres 2018 sorgten 2 Extremwetterereignisse (Sturm Friederike und Irenäus) für starke Windwurfschäden. Die extremen klimatischen Veränderungen und Hitzejahre im Anschluss machten eine normale forstliche Bewirtschaftung unmöglich. Es wurden seitdem fast ausschließlich Kalamitätsnutzung bedingt durch Borkenkäferbefall in der Fichte getätigt und entstanden Schadflächen wiederbewaldet. Somit kam es zu einer Verschiebung in der Baumartenzusammensetzung. Die Fichte ist der Verlierer der klimatischen Veränderungen und wird auch im kommenden Jahrzehnt weitere Verluste erleiden müssen. Ihren Platz wird überwiegend Laubholz einnehmen. Dies geschieht zum Teil über Naturverjüngung oder künstliche Wiederbewaldung. Im letzten Jahrzehnt gab es bereits eine Zunahme von ganzen 7 %! Die Kiefer ist und bleibt Hauptbaumart im Kommunalwald.
Laut Forsteinrichtung sollten im letzten Jahrzehnt 56.372 Festmeter (Fm) genutzt werden, tatsächlich wurden aufgrund der Kalamitäten 58.631 Fm genutzt. Die Mehrnutzungen in der Fichte sorgten dafür, dass Flächen anderer Baumarten nicht im vorgegebenen Maß durchforstet und gepflegt werden konnten.
Wieviel Holz im Wald geschlagen wird, bestimmt der Hiebssatz in Festmetern je Jahr und Hektar. Bedingt durch die hohen Nutzungsmengen in der Fichte im vergangenen Jahrzehnt und einer geplanten Flächenstilllegung von 5 Prozent der Forstbetriebsflächen sinkt dieser um 37 % (!). Der reduzierte Einschlag wird sich natürlich auch in geringeren Einnahmen durch Holzverkäufe im Haushalt der Stadt bemerkbar machen.
Die Kommune hat sich entschlossen, eine Bundesförderung („klimaangepasstes Waldmanagement“) in Anspruch zu nehmen. Damit können zwar die Einnahmeverluste kompensiert werden, andererseits sind damit auch verschiedene Auflagen verbunden.
Sofern im nächsten Jahrzehnt keine größeren Katastrophen (Stürme/Borkenkäfer) über den Stadtwald hereinbrechen, wird der Holzvorrat in Festmetern je Jahr und Hektar um 18 % deutlich steigen. Das oberste Ziel, nicht mehr Holz zu nutzen, als auch nachwächst, wäre damit sichergestellt. Der Stadtwald würde sogar einen höheren Holzvorrat besitzen, als er ihn zurzeit hat.
Wer sich über die Inventur genauer informieren möchte, kann gern Kontakt zum Revierförster aufnehmen.
Jörg Ahbe
Revierleiter