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Mitteilungsblatt - Amtsblatt der Gemeinde Anrode
Ausgabe 9/2019
Vereine und Verbände
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900 Jahre "Steinkirche" zu Dörna

Teil 4 – Große Kirchenreparatur und Pfarrei

Das Aussehen der heutigen Dörnaer Kirche, mit Ausnahme des Turmes, verdanken wir der Kirchenreparatur bzw. dem Kirchenumbau von 1713. Entgegen der oft kolportierten Meinung handelte es sich dabei um keinen kompletten Neubau. Dies geht aus den Baudaten in einer Dörnaer Chronik hervor. Laut dieser Chronik wurde in der Woche vor Ostern im o. g. Jahr mit dem Teilabriss der alten Kirche von 1295 begonnen. Der Beginn der Maurerarbeiten war am 04. Mai 1713 welche Anfang August des genannten Jahres abgeschlossen waren und bereits am 23. August 1713 wurde das Holzwerk gerichtet. Wahrscheinlich wurden bei den Bauarbeiten 1713 Bauschäden an der alten Kirche von 1295 beseitigt, wobei aber schon für das 17. Jahrhundert (u. a. 1601) immer wieder Reperaturarbeiten an Kirche, Torturm und Kirchhofmauer nachweisbar sind. Auch wurden an der Südseite der Kirche und im Apsisbereich neue Fenster im Barockstil eingebaut. Das mittlere gotische Apsisfenster wurde dabei erhalten und selbst dessen Ausrichtung auf den Skt. Petrustag wurde beibehalten. Dies ist, neben anderen Fakten, ein Hinweis das die erste Dörnaer Kirche Skt. Petrus geweiht war. Außerdem wurde der Südwand der Dörnaer Kirche eine neue Außenwand, in Stärke von knapp 29 cm, vorgesetzt wo durch erreicht wurde das die Südwand von Kirchturm und Kirchenschiff in einer Flucht stehen. Der Innenausbau der heutigen Dörnaer Kirche erfolgte erst einige Jahrzehnte nach 1713. So wird erst im Jahre 1744 die Tonnendecke der Dörnaer Kirche bemalt und die Bemalung der Empore erfolgt gar erst 1771. Auch die für den Dörnaer Kirchturm charakteristische barocke "Zwiebelhaube" wurde erst weit nach 1713 (wahrscheinlich um 1743) errichtet. Vorher trug der Dörnaer Kirchturm ein Zeltdach. Ein weiteres sakrales Bauwerk, in der heutigen Dörnaer Gemarkung, war die Kirche des ehem. Dorfes Tiefental. Bei dem Ort Tiefental handelt es sich um eine fränkische Gründung welche noch am Anfang des 14. Jahrhunderts schriftlich, als Kirchdorf, nachgewiesen ist. Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts erfolgte die allmähliche Wüstwerdung des Dorfes Tiefental. Die meisten Bewohner zogen nach Dörna. Daher rühren die Tiefentaler Waldanteile in Dörna und die immer noch in Dörna gefeierte Tiefentaler "Holzkirmes". Tiefental lag an den Hängen des Tiefentaler Steingrabens. Am Südhang standen 5 Gehöfte sowie der noch vorhandene Dorfbrunnen und am Nordhang 20 Gehöfte sowie die Kirche mit Friedhof. Kirche und Friedhof lagen auf einen Hügelkamm nordwestlich, etwas außerhalb, der eigentlichen Dorfstelle. Bis zu Beginn der Großraumwirtschaft durch die LPG in Dörna war der Standort von Kirche und Friedhof durch 10 Birnenbäume, die im Oval standen, gekennzeichnet. Auch der leider überackerte Kirchhofsweg der von Nord nach Süd in das Tiefental führte berührte den Standort von Kirche und Friedhof Tiefentals. Über die Größe der Kirche und Umfang des Friedhofs von Tiefental könnten nur archäologische Ausgrabungen Auskunft geben. Betreut wurde die Tiefentaler Kirche wohl von der Dörnaer Pfarrei. Dies geht aus dem Protokoll einer Kirchenvisitation der Kirche und Pfarrei in Dörna im Jahre 1541 (also ca. 23 Jahre vor Einführung der Reformation in Dörna) hervor. In diesem Protokoll ist festgehalten das den Dörnaer Pfarrer ein Waldanteil des Tiefentaler Waldes zusteht. Der Tiefentaler Wald war in 26 Anteile aufgeteilt, wobei 25 Anteile jeweils einem Gehöft in Tiefental zugeordnet waren. Die Nutzung eines weiteren Waldanteils durch den Dörnaer Pfarrer ist nur so zu erklären als Besoldung für die geistliche Betreuung von Kirche und Gemeinde Tiefentals. Eine weitere Filialkirche der Dörnaer Pfarrei ist und war, seit ihrer Gründung durch die Franken um 750/770, die Gemeinde Hollenbach. Zumindestens im 17. Jahrhundert war auch die Skt. Jacobs Kirche in Sambach ein Filial der Dörnaer Pfarrei. Denn aus einem Visitationsprotokoll der Pfarrei Dörna geht hervor das der Kirchner zu Dörna eine Besoldung für den Kirchendienst in Sambach erhält. Wenn aber der Dörnaer Kirchner für Sambach zuständig ist dann ebenfalls der Dörnaer Pfarrer. Das o. g. Protokoll ist aus den Jahre 1639. Gleichzeitig war damit der Dörnaer Pfarrer für den Meier und das Gesinde des Stadtgutes Pfafferode zuständig, da diese in Sambach eingepfarrt waren. Im 18. Jahrhundert war dann der Pfarrer zu Eigenrieden (erwähnt 1726) für Sambach zuständig. Ende des 18. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Sambach der Pfarrei Skt. Petri in Mühlhausen zugeordnet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Skt. Jacobs Kirche in Sambach abgerissen. Ihr Standort war rechts der Straße von Dörna nach Mühlhausen wo sich z. Z. die Plantage mit den hochstämmigen Obstbäumen befindet. Zu den Aufgaben des Dörnaer Pfarrers gehörte ab dem Jahre 1811 noch die geistliche Betreuung der jeweiligen Gutsherrschaft und der evangelischen Bewohner des Gutes Anrode. Im 20. Jahrhundert wurden der Pfarrei Dörna die Pfarrei Lengefeld von 1956 bis 1986 angegliedert sowie ab 1999 für mehrere Jahre die Pfarrei Eigenrieden. Ob Dörna sofort nach Errichtung der ersten christl. Kapelle auf dem Dörnaer Kirchberg (spätes 8. Jh./frühes 9. Jh.) eine eigenständige Pfarrei wurde oder ob Dörna und die fränkischen Gründungen Hollenbach, Tiefental u. a. zunächst vom Burgkaplan der um 750 in Dörna erbauten Chassalaburg geistlich betreut wurden ist nicht mehr festzustellen. Spätestens mit der Aufgabe der Chassalaburg durch die Franken wurde Dörna zur selbständigen Pfarrei erhoben. Die Hauptaufgabe der ersten Dörnaer Geistlichen war wohl die endgültige Christianisierung der Dörnaer Bevölkerung nach röm.-katholischen Glaubensgrundsätzen. Das es vor der Frankenzeit in Dörna und Umgebung bereits Christen gab ist recht unsicher. Sollte es hier bereits Christen gegeben haben, dann nur wenige Angehörige der jeweiligen dörflichen Oberschicht, die allerdings arianische Christen waren. Denn alle Stämme der Germanen, außer den Franken, hatten das Christentum arianischer Prägung angenommen, so auch die Hermunduren. Die ersten Dörnaer Geistlichen waren wohl, wie die Kirchen in Mühlhausen, dem Erzpriester der Görmarmark, der seinen Sitz im Hauptort der Mark, in Görmar, hatte unterstellt. Nach dem Zerfall der Görmarmark unterstand die Kirche zu Dörna, wie die Mühlhäuser Kirchen auch, dem Archidiakonat Jechaburg bei Sondershausen, bis zu dem Zeitpunkt an den in Dörna die Reformation eingeführt wurde. Die Annahme der Reformation erfolgte in Dörna relativ spät, erst am 04. Mai 1564. Das die Pfarrei Dörna dem Archidiakonat Jechaburg, welches selber dem Suffraganbistum Halberstadt und dieses dem Erzbischof von Mainz unterstand, zugeordnet wurde und nicht dem Ende des 10. Jh. gegründeten Archidiakonat Dorla (d. h. Oberdorla) was viel näher lag, läßt ebenfalls auf das hohe Alter der Dörnaer Pfarrei schließen. Ab 1564 unterstand die Dörnaer Pfarrei dem evangelischen Ministerium der Freien Reichsstadt Mühlhausen und nach dem Ende der Reichsfreiheit Mühlhausens im Jahre 1802 der preußischen Landeskirche. Spätestens mit Auflösung des Landes Preußen, durch alliierten Kontrollratsbeschluß vom Februar 1947, gehörte die Pfarrei Dörna zur evangelischen Kirchenprovinz Sachsen, mit Sitz in Magdeburg, bis sich diese am 05. 07. 2008 mit der evangelischen Landeskirche Thüringen zur evangelischen Kirche Mitteldeutschland zusammenschloß.

Das Dörnaer Pfarrhaus, in seiner derzeitigen Form, bzw. der Pfarrhof wie er bis 1929 und in weiteren Bauten bis in die 1970/80-ziger Jahre bestand wurde 1605 an Stelle des alten Pfarrhofes errichtet. Sicher wurden in den Jahrhunderten nach 1605 Bau und Reparaturarbeiten am Pfarrhof durchgeführt, allerdings erfolgte eine größere Baumaßnahme erst 1929. in jenem Jahr wurden die Stallgebäude an der Südseite des Pfarrhofes zu einem Kindergarten und zu einer Turnhalle für den Dörnaer Turnverein umgebaut. Die Räume des evangelischen Kindergartens wurden in den folgenden Jahren immer wieder erweitert und umgebaut. Auch eine Bühne war über Jahrzehnte vorhanden. In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jh. erfolgte der Abriss der Pfarrscheunen (Westseite des Pfarrhofes), weiterer Ställe und Schuppen (Nordseite des Pfarrhofes) sowie des überdachten Torhauses und die Einfahrt zum Pfarrhof wurde gepflastert. Im Herbst 1991 wurde auf der Nordseite des ehem. Torhauses eine Garage gebaut. Bei den Schachtarbeiten dafür wurde ein germanisches Grubenhaus der germanischen Kirchbergsiedlung von 110/120 angeschnitten.

Da zu einer Pfarrei auch immer die entsprechenden geistlichen Personen gehören, an dieser Stelle, eine aktualisierte Aufstellung aller mit Namen bekannten Dörnaer Pfarrer. Ich verweise dazu auch auf meine Veröffentlichung, zu diesem Thema, im Amtsblatt der Gemeinde Anrode von März 2007.

Leider konnten für die Zeit vor der Einführung der Reformation in Dörna (04.05.1564) nur die Namen von vier Dörnaer Pfarrern eruiert werden.

M = Magister

Pf. = Pfarrer

Pfr. = Pfarrerin

1.

Pf. Conrad Blangkinburgk um 1525

2.

Pf. Kurt Maull um 1548 - hatte wenig Bildung und wurde abgelößt

3.

Pf. Georg Stroll ab 1551 - vorher Pfarrer in Wentgensurra.

4.

Pf. Thomas Steffen bis 04.05.1564

evangelische Pfarrer:

5.

Pf. Thomas Steffen 04.05.1564 - 1566 (s. a. Nr. 4)

6.

Pf. Caspar Utilius, auch Ottilius oder Schuchardt genannt, aus Landstedt ab 1566

7.

M. Johann Stephan ab 1577, ab 1583 Pf. in Höngeda † 1612

8.

Pf. Jacob Sanne ab 1583 † 1595

9.

Pf. Georg Creuzburg, auch Fülle genannt ab 1596 wurde 1615 Pf. in Ammern

10.

M. Johann Weide ab 1615, zuvor Konrektor in Mühlhausen. Ein zänkischer Mann, wurde 1620 abgewählt

11.

M. Michael Rothardt ab 1621 † 1625 an der Pest

12.

M. Sebastian Beyrodt ab 1626 ab 1637 Pf. in Uthleben

13.

Pf. Paul Ehre ab 1637 † 1650

14.

M. Johann Bernhard Grauer ab 1650 † 1674 schenkte der Kirche zu Dörna 1/2 Hufe Land

15.

M. Christoph Hirte ab 1674 ging 1681 als Pf. an Skt. Nikolei in Mühlhausen

16.

Pf. Friedrich Binkebank ab 1681 † 1711

17.

M. Hieronymus Adolf Helmsdorf ab 1705 Substitut des Dörnaer Pfarrers, ab 1711 Pfarrer gestorben 1727

18.

Pf. Johann Andreas Fritschler ab 1727, ab 1749 Pf. in Lengefeld

19.

Pf. Johann Christoph Stier ab 1749 † 1766

20.

Pf. Johann Otto Vogler ab 1763 Substitut und ab 1766 Pf. in Dörna, ab 1770 Pf. Skt. Nikolei in Mühlhausen

21.

Pf. Christian Gottfried Spichardt ab 1770 † 1800 vorher Pf. zu Eigenrieden

22.

Pf. Bernhard Ferdinand Reinhardt ab 1801, ab 1807 Pf. in Bollstedt

23.

Pf. Georg Ferdinand von Hagen ab 1807, ab 1812 Pf. Skt. Nikolei Mühlhausen

24.

Pf. Johann Bernhard Kremberg ab 1812 † 1829

25.

Pf. Johann Wilhelm Fleck ab 1829 † 1858

26.

Pf. Carl von Hagen (geb. 1809 in Dörna) von 1858 - 1884 † 1887

27.

Pf. Oscar Johannes Rilke ca. ab 1884

28.

Pf. Heirich Schwarzlose

29.

Pf. Blum

30.

Pf. Hertig - ging als Pf. nach Heiligenstadt

31.

Pf. Genthe 1956 - 1962 als Pfarrer nach Erfurt (Vertretung 1962/1963 Pf. Holzhausen-Eigenrieden)

32.

Pf. Helmut Fuhrmann (geb. 1935) 1963 - 1983 ab 01. 09. 1983 Pf. in Treffurt (Vertretung Pf. Holzhausen-Eigenrieden) - 1972/73 Vikar Schmidt Gemeindepraktikum in Dörna, wohnhaft Hauptstraße Nr. 30 ehem. Wohnhaus von Auguste u. Elisabeth Luhn in Dörna.

33.

Pf. Klaus Ziller ging als Pf. in den Bezirk Magdeburg (Vertretung Pf. Romais Skt. Petri Mühlhausen)

34.

Pfr. Dorothee Eggert/Müller 1991-1998 als Pfr. nach Erfurt (Vertretung Pf. Romais u. Dirk Vogel Skt. Petri Mühlhausen)

35.

Pf. Christoph Blaschke 1999 - 2013

36.

Pf. Armin Kordak 10.02.2013 - 31.07.2018 wohnhaft in Ammern (Vertretung Pfr. Christiane Apizsch-Prokoj-Mühlhausen

37.

Pfr. Juliane Themel ab 21.04.2019 wohnhaft in Ammern

Uwe Luhn, Dörna