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Werratal-Kurier
Ausgabe 7/2019
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25 Jahre Aktivmuseum - Ländliches Brauchtum

Wie alles begann

Anfang der 1990er Jahre vollzog sich in den neuen Bundesländern ein umfassender Umstrukturierungsprozess. Am härtesten davon waren Frauen betroffen. Es galt deshalb, durch Ideen neue zukunftsfähige Strukturen aufzubauen, in denen sich die Frauen einen festen Platz erarbeiten konnten. Auch in unserem Ort gab es Überlegungen, wie man dieses Problem angehen kann.

Ein Frauenmodellprojekt gab arbeitslosen Frauen die Möglichkeit, neue Perspektiven zu finden. Gleichzeitig sollte dieses Projekt zur Belebung des Tourismus in unserer Region beitragen.

Schon über einen längeren Zeitraum war es ein Wunsch der Breitunger Bürger, unterstützt durch Bürgermeister und Gemeinderat, eine Stätte zur Bewahrung von Sachzeugen aus der Vergangenheit sowie zur Pflege traditionellen Brauchtums zu schaffen. Das Breitunger Schloss mit der Basilika bot dazu ein entsprechendes Ambiente, ausreichend Platz und Entfaltungsmöglichkeiten für ein solches Vorhaben.

Mit einer Gruppe von 11 arbeitslosen Frauen startete am 1. 6. 1994 das Frauenmodellprojekt „Aktivmuseum - ländliches Brauchtum“. Die Idee dazu lieferte die Fa. Grimm aus Bad Salzungen, finanziell unterstützt wurde die Gemeinde Breitungen vom Arbeitsamt, dem Sozialministerium und dem Europäischen Sozialfonds. Vom ersten Tag an gingen die Frauen mit Interesse und Engagement an die Arbeit. Zunächst galt es, einige Räumlichkeiten des Renaissanceschlosses herzurichten und ein Konzept für die Ausstellung zu erarbeiten. Es wurden 7 Räume renoviert. Sie bekamen u.a. neue Anstriche, es wurden Fußböden erneuert und Heizung verlegt.

Gleichzeitig wurden Ausstellungsstücke zusammengetragen. Dabei halfen besonders Aufrufe an die Bürger des Ortes und Sammlungen in den Nachbarorten. Die zusammengetragenen Gegenstände wurden inventarisiert und für die Ausstellung hergerichtet. So entstand eine Präsentation verschiedener Gegenstände aus dem Wohn- und Arbeitsbereich unserer Vorfahren, vorwiegend aus bäuerlichen und bürgerlichen Haushalten der vergangenen Jahrhunderte. Dabei stand die Rolle der Frau immer im Mittelpunkt.

Es wurde aber auch sichtbar, dass sich ihr Betätigungsfeld nicht allein auf Hausarbeit beschränkte, sondern auf Hof-, Feld- und Stallarbeit ausdehnen ließ. Damit begann auch das Sammeln von landwirtschaftlichem Gerät, welches im Gewölbe des Schlosses Platz fand. Ein wichtiges Anliegen des Projektes „Aktivmuseum“ war es, von Beginn an möglichst viele Ausstellungsstücke in ihrer Funktion erlebbar zu machen und damit die Aktivität der Besucher anzuregen.

Um all dies in hoher Qualität anbieten zu können, erarbeiteten sich die Frauen in vielen Qualifizierungsveranstaltungen sowie bei Besuchen in anderen Museen die entsprechenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Im Vordergrund stand u.a. die Aneignung von Kenntnissen der Museologie, der Inventarisierung, des Ausstellungsaufbaues und der Vermittlung.

Präsentationen außerhalb der Gemeinde trugen dazu bei, das Aktivmuseum in der gesamten Region bekanntzumachen und Neugierde für die Ausstellung zu wecken.

Beispiele sind die Vorstellungen von bäuerlicher Kleidung in Altersheimen, bei Messen und Festumzügen oder Auftritte zur „Grünen Woche“ in Berlin, um nur einiges zu nennen.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt war die Lokalgeschichte sowie die kulturhistorische Bedeutung Breitungens früher und heute. Dabei war die Zusammenarbeit mit Historikern, Chronisten, der Besuch von Archiven und Gespräche mit Breitunger Bürgern besonders hilfreich. Daraus ergab sich die Möglichkeit, diese erworbenen Kenntnisse aufzuarbeiten und der interessierten Bevölkerung in Vorträgen darzubieten.

Außerdem rückte die pädagogische Arbeit immer mehr in den Vordergrund. Anliegen war es, Veranstaltungen in den Museumsräumen durchzuführen. Die Besucher sollten durch gezielte Aktionen die Ausstellung erleben und nicht nur betrachten. So stand ab sofort die Ausarbeitung von museumspädagogischen Angeboten auf dem Programm.

Erfahren Sie dazu mehr im nächsten Artikel:

25 Jahre Aktivmuseum-Ländliches Brauchtum -

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