Die Möbelindustrie der DDR war in Thüringen weit verbreitet. Betriebsteile und Produktionsstätten zeugen von der Zersplitterung der Möbelindustrie, die nie überwunden werden konnte. Im Ort Trusetal beginnt die bisher bekannte Geschichte im Jahr 1959 mit der Gründung der PGH Raumgestaltung. Seit Beginn der 50er Jahre stellten der Polstermöbelbetrieb Lüdecke und die Tischlerei Anding Möbel her. Beide Firmen schlossen sich 1959 zur PGH zusammen und begannen mit 17 Mitarbeitern mit der Produktion von Doppelliegesofas. Meist sind Bilder von Erzeugnissen aus dieser Zeit nicht mehr vorhanden. Hier ist der Leser mit seinen historischen Schätzen, etwa Bildern und Dokumenten, gefragt. Ein Neubau für die Modernisierung der PGH wurde 1969 begonnen. 1972 war das Jahr der Verstaatlichung vieler PGH, warum die Verstaatlichung in einer kurzen Zeit vonstattenging, ist an Hand von historischen Dokumenten noch nicht nachvollziehbar. Tatsache ist aber auch, dass später PGH`s existierten.
Die PGH wurde jetzt VEB Raumgestaltung Trusetal. Der Neubau wurde realisiert, verbessert wurden die Lagerverhältnisse und die Arbeits- und Lebensbedingungen. Ein Doppelliegesofa wird in dieser Zeit hergestellt.
Im Jahr 1974 wird der Betrieb zum Betriebsteil des VEB Ultra- Möbel Suhl, später war es dann die Produktionsstätte des Betriebsteiles Suhl. Zu Beginn der 80er Jahre wird der Betrieb Ultra- Möbel zum Stammbetrieb des am 01.10.1979 neu gegründeten VEB Thüringer Möbelkombinat Suhl. Das Doppelliegesofa EW 45 - 14 wird 1978 in das Sortiment aufgenommen. EW ist die Abkürzung für Entwicklungsstelle Waldheim. In diesem Betrieb wurden unter Leitung des Formgestalters Horst Heyder Polstermöbel für die ganze DDR entwickelt. Bis 1986 steigt die produzierte Menge auf 15 000 Stück pro Jahr.
Im April 1974 beantragte der VEB beim Amt für industrielle Formgestaltung ein Prädikat für das Modell EW 500, ein Sofa mit zwei Sesseln. Das Bild zeigt die Sitzgruppe im Jahr 1979.
Das AiF verlangte 1974 den Einsatz eines anderen Bezugsstoffs und erteilte kein Prädikat. Über den Ausgang des Konfliktes ist nichts bekannt.
Eine Garnitur „Horst“ als Doppelliegesofa mit Ecklösung wird ab 1987 hergestellt. Hier findet eine Polsterung mit Kunstleder- und Plüschbezug Anwendung. Im Folgejahr werden von 75 Beschäftigten über 30 Garnituren pro Tag gefertigt. Sie wird im Inland verkauft, aber auch nach Finnland, BRD, Schweiz, Österreich und Niederlande exportiert.
Nach der Wende kam wie für viele Betriebe die Schließung, eine lange Möbelbautradition ging zu Ende.
Der Autor Heinz Möller forscht zur Geschichte der Möbelindustrie der DDR. Gesucht werden Dokumente, Bilder und Lebenserinnerungen. Ziel ist die Erarbeitung einer Chronik. Im Raum Erfurt ist es über einen Vortag gelungen, Zeitzeugen mit viel Wissen und Unterlagen zu finden, eine Chronik ist in Arbeit. Für den Betrieb Ultra- Möbel Suhl sollte das auch möglich sein.
Über den VEB Stilmöbel Brotterode ist noch weniger bekannt. Dort arbeiteten zur Kombinatsgründung 1979 ca. 20 Personen. Der Betrieb wurde wahrscheinlich 1982 an den VEB Stilmöbel Barchfeld angeschlossen. Auch hier ist der Leser mit seinem Wissen gefragt.
Heinz Möller ist über die Adresse moeller.berlin@kabelmail.de zu erreichen. Bei Interesse könnte es auch einen Vortrag in Trusetal zum Thema „Möbelindustrie der DDR - eine spannende Geschichte“ geben.