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Werratal Bote Mitteilungsblatt der VG Hainich-Werratal und Stadt Treffurt
Ausgabe 10/2026
Verwaltungsgemeinschaft Hainich-Werratal
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Die VG Hainich-Werratal startet in die Wärmewende

Kommunale Wärmeplanung - ein wichtiger Schritt in Richtung klimaneutrale Zukunft

Mit dem Jahresbeginn 2024 hat Deutschland einen bedeutenden Schritt in Richtung klimaneutraler Wärmeversorgung gemacht. Seit dem 1. Januar gilt das Bundesgesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (WPG). Gemeinsam mit dem ebenfalls in Kraft getretenen Gebäudeenergiegesetz (GEG) bildet es den rechtlichen Rahmen für die Transformation der Wärmeversorgung in Deutschland. Ziel dieser gesetzlichen Regelungen ist es, die Wärmeversorgung bundesweit bis spätestens 2045 nachhaltig, bezahlbar und klimaneutral zu gestalten - unter anderem durch einen deutlich höheren Anteil erneuerbarer Energien und der Nutzung unvermeidbarer Abwärme.

Um dieses Ziel zu erreichen, verpflichtet das WPG die Bundesländer sicherzustellen, dass in allen Gemeinden kommunale Wärmepläne erarbeitet werden. Diese Pläne sollen helfen, die Klimaschutzziele im Wärmesektor zu erreichen. Für Kommunen mit bis zu 100.000 Einwohnern gilt eine Frist bis zum 30. Juni 2028. Anschließend müssen die Pläne alle fünf Jahre fortgeschrieben werden. Wichtig ist: Der kommunale Wärmeplan entfaltet keine unmittelbare rechtliche Außenwirkung und begründet keine einklagbaren Rechte oder Pflichten.

In Thüringen wurde die gesetzliche Grundlage mit dem Thüringer Ausführungsgesetz zum Wärmeplanungsgesetz (ThürWPGAG) geschaffen, das seit dem 19. Juli 2024 gilt. Es legt fest, dass die Gemeinden für die Wärmeplanung verantwortlich sind. In Verwaltungsgemeinschaften (VG) übernimmt diese Aufgabe die jeweilige VG selbst. So hat die Verwaltungsgemeinschaft Hainich-Werratal am 25. November 2024 beschlossen, die kommunale Wärmeplanung gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 1 WPG durchzuführen. Am 27. März 2025 folgte die Beauftragung der TEAG Thüringer Energie AG mit der Erstellung des Wärmeplans.

Die Verwaltungsgemeinschaft Hainich-Werratal hat diesen Prozess bereits angestoßen. Aufbauend auf früheren Konzepten wie z.B. dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept für Mihla und Creuzburg oder dem gemeindlichen Entwicklungskonzept für Scherbda, wird derzeit ein kommunaler Wärmeplan erstellt - finanziert durch das Land Thüringen. Mit der Erstellung wurden die TEAG (Thüringer Energie AG) sowie die seecon Ingenieure GmbH beauftragt.

Was passiert bei der kommunalen Wärmeplanung konkret?

Die Wärmeplanung ist ein strategisches Instrument, das untersucht, wie die Gebäude auf dem Gebiet der VG künftig mit klimafreundlicher Wärme versorgt werden können. Dabei werden sowohl der heutige Zustand als auch die zukünftigen Möglichkeiten umfassend analysiert.

1.

Bestandsanalyse: Was ist heute vorhanden?

Zu Beginn werden alle relevanten Daten rund um Gebäude, Energieverbräuche und Infrastruktur durch die TEAG, seecon und die VG erfasst und ausgewertet:

  • Gebäudedaten: Aufbau eines 3D-Gebäudemodells auf Basis amtlicher Geodaten mit Informationen zur Nutzung, Baualtersklasse und Gebäudehülle
  • Wärmebedarf: Der Heizenergiebedarf wird mithilfe der deutschen Gebäudetypologie abgeschätzt - differenziert nach Gebäudetypen und Baualtersklassen.
  • Energieverbrauchsdaten: Vorhandene Verbrauchsdaten (Gas, Öl, Fernwärme etc.) werden bei den Netzbetreibern sowie den Schornsteinfegern abgefragt, um diese mit den errechneten Bedarfswerten abzugleichen. Aus Datenschutzgründen werden die Verbrauchsdaten aggregiert übermittelt.
  • Netzinfrastrukturen: Abfrage und Analyse von Gas- und Wärmenetzdaten - inklusive Alter, Ausbaustand und technischen Eigenschaften.

Das Ziel ist die Erstellung eines digitalen Zwillings der VG, in dem alle wesentlichen energetischen Informationen räumlich anschaulich dargestellt werden.

2.

Potenzialanalyse: Was ist künftig möglich?

Im Anschluss untersucht das Projektteam, welche erneuerbaren Energiequellen in der VG Hainich-Werratal verfügbar sind und wie sie genutzt werden könnten - z.B. Solarenergie, Geothermie, Biomasse, Abwärme oder Power-to-X-Technologien.

Diese Potenziale werden mit dem Wärmebedarf „verschnitten“, um festzustellen, welche Technologien wo sinnvoll eingesetzt werden können - z. B. ob ein Wärmenetz in einem Quartier wirtschaftlich ist oder Einzelheizlösungen besser geeignet sind.

3.

Szenarien und Maßnahmen: Wie wird die VG Hainich-Werratal klimaneutral?

Auf Basis der Bestands- und Potenzialanalyse wird ein sogenanntes Zielszenario entwickelt. Es beschreibt, wie die VG Hainich-Werratal bis zum Jahr 2045 klimaneutral mit Wärme versorgt werden kann. Dabei wird die heutige Energie- und Treibhausgasbilanz fortgeschrieben und um Zwischenziele für 2035 und 2040 ergänzt. Daraus ergibt sich ein Absenkpfad, der zeigt, wie sich der Energieverbrauch über die Jahre reduzieren muss.

In mehreren Szenarien wird simuliert, wie die vorhandenen Potenziale ausgeschöpft werden können - etwa durch Gebäudesanierungen, den Ausbau erneuerbarer Energien oder neue Wärmenetze. Dabei werden auch technische, wirtschaftliche, ökologische und rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt.

Aus diesen Überlegungen entsteht ein konkreter Maßnahmenkatalog: Für ausgewählte Bereiche - sogenannte Referenzquartiere - werden beispielhafte Versorgungskonzepte erarbeitet, etwa auf Basis von Erdwärme, Solarthermie, Wärmepumpen oder Biomasse. Diese lassen sich auf vergleichbare Gebiete übertragen und zeigen auf, wie eine klimaneutrale Wärmeversorgung schrittweise und praxisnah umgesetzt werden kann - für Verwaltung, Wohnungswirtschaft, Energieversorger und private Eigentümer gleichermaßen.

4.

Verstetigung und Kommunikation: Wie geht es nach dem Plan weiter?

Der fertige Wärmeplan ist kein starres Dokument, sondern ein lebendiges Planungsinstrument. Daher wird parallel ein Konzept zur Verstetigung erarbeitet:

  • Aufbau eines kontinuierlichen Monitorings und Berichtswesens
  • Einrichtung eines „Wärmebeirats“ zur Begleitung der Umsetzung

Auch die Öffentlichkeit spielt eine zentrale Rolle: Die fertiggestellte Wärmeplanung wird in einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert. In dieser Veranstaltung werden die zentralen Ergebnisse, Handlungsempfehlungen und erste Schritte auf dem Weg zu einer klimaneutralen und zukunftssicheren Wärmeversorgung vorgestellt. Begleitend startet die öffentliche Auslegung des Wärmeplans über die Internetseite der VG Hainich-Werratal sowie auch im Bauamt selbst. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, den Entwurf einzusehen und Stellungnahmen abzugeben. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit in die finale Fassung einfließen zu lassen.

VG Hainich-Werratal, Bauverwaltung