Gastbeitrag von Dr. phil. habil. Frank-Bernhard Müller
Elisabeth, geborene Gräfin von Mansfeld-Hinterort, war die jung verstorbene erste Gemahlin Herzog Johann Ernsts von Sachsen-Coburg(-Eisenach) (1566-1638). Sie wurde am 4. April 1566 in Eisleben geboren. Ihre Mutter war Margareta (1534-1596) aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg.
Als fünftes von sechs Kindern sind Nachrichten über ihre Kindheit und Jugend rar. Vom Eislebener Pfarrer Conrad Porta wissen wir, dass Elisabeth ab 1569 von ihrer Tante Sophia, der kinderlosen Gräfin von Henneberg, erzogen wurde.
Auf Sophias Witwensitz Herrenbreitungen lernten sich Elisabeth und Johann Ernst am 8. Dezember 1589 kennen. Briefe an die Eltern bekunden des Herzogs Gefühle und Absichten. Für Elisabeth empfinde er „besondere lust, lieb und zunaigunge". Gegen die überraschende Verlobung war der elterliche Widerstand erheblich, die Hochzeitsvorbereitungen von politischen Kabalen geprägt. Noch vor der Heiratserlaubnis des Kaisers fand am 23./24. November 1591 in Wiener Neustadt die Trauung statt. Die Kosten der fürstlichen Hochzeitsfeier betrugen 203 Gulden.
Zurück in Thüringen erwies sich die Wohnungssuche als schwierig. An Geldsorgen scheiterte die Herrichtung von Schloss Creuzburg zur Residenz. Nach kurzem Aufenthalt in Burgbreitungen bezog das junge Paar das Marksuhler Schloss. Am 23. Mai 1592 schreibt Johann Ernst seinem Vater Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen, dass er mit seiner „geliebten Gemahlin" den neuen Wohnsitz bezogen habe. Eine „Hof- und Hausordnung" regelt das Leben im kleinen Residenzschloss.
Es sind gut vier Jahre vergangen, da erwartet Elisabeth ein Kind. Alle Bitten und Gebete für eine glückliche Niederkunft erfüllen sich nicht. Die Geburt verlief dramatisch. Notgetauft auf den Namen Johann Friedrich V. verstarb das Kind nach wenigen Stunden. Die dreißigjährige Mutter folgte ihm vier Tage darauf, am 12. April 1596.
Elisabeths Tod wurde der Verwandtschaft unmittelbar kundgetan. Die überlieferten Quellen vermitteln ein umfassendes Bild der Vorgänge um den Tod und die Bestattung Elisabeths und ihres Knaben.
44 Gulden sind bei der Überführung der herzoglichen Leichen von Marksuhl nach Creuzburg ausgeteilt worden. Am 10. Mai wurden Mutter und Sohn in Zinnsärgen (90 Gulden) in der Nikolaikirche neben dem Altar beigesetzt. In Eisleben hatten zu Elisabeths Tod die Glocken geläutet.
Die gedruckten Predigten fragten: Wie konnte Elisabeth recht glauben, christlich leben und seliglich sterben? Die erste Predigt schmückt ein Bildnis der Verstorbenen. In der vierten Predigt im Creuzburger Trauergottesdienst erfährt man, dass Elisabeths Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Beisetzung teilnahm. Weshalb nun die Beerdigung in Creuzburg? Die Vereinbarung aller Beteiligten, die Verstorbenen nach Coburg zu überführen, scheiterte. Ungebührliches Geleitgeld, Unsicherheiten auf den Straßen und Probleme beim Geleitschutz sprachen dagegen. So entschied sich Johann Ernst für Creuzburg.
Unvermutet stieß man 1932 bei Grabungsarbeiten auf die verschollen geglaubte Grablege. Die Grabungsakten im Landeskirchenarchiv Eisenach erzählen von den Sarginschriften, den Gutachten und dem Leihvertrag zum herzoglichen Goldgeschmeide.
Die Erinnerung an Herzogin Elisabeth war durch die lange Zeit nie ganz ausgelöscht, aber doch verdeckt. Seit 2020 hilft eine Gedenkplatte, diese Geschichte zu vergegenwärtigen.