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Werratal Bote Mitteilungsblatt der VG Hainich-Werratal und Stadt Treffurt
Ausgabe 16/2026
Amt Creuzburg
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Exkursion der Klassen 10 zur Gedenkstätte Buchenwald

Torhaus Gedenkstätte Buchenwald. Die Uhrzeit 15:15 Uhr symbolisiert den Moment der Befreiung des Lagers am 11. April 1945. Die Zeiger wurden nach der Befreiung fest auf diese Uhrzeit eingestellt, um an das Ende des Leidens im Lager zu erinnern

Der 45 Meter hohe „Turm der Freiheit“ wurde 1958 als zentrales Mahnmal der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald errichtet.

Am 2. April 2026 fuhren die Klassen 10a, 10b und 10c der Regelschule „Thomas Müntzer“ Mihla zur Gedenkstätte Buchenwald in der Nähe von Weimar, um sich intensiver mit der Geschichte des Konzentrationslagers und dem Holocaust auseinanderzusetzen. Zuvor hatten wir uns im Unterricht bereits mit dem Zweiten Weltkrieg und den Verbrechen des Nationalsozialismus beschäftigt.

Der Besuch sollte uns helfen, das Gelernte besser zu verstehen und emotional nachzuvollziehen.

 

 

Gegen 8 Uhr starteten wir an der Schule und erreichten etwa eineinhalb Stunden später das Gelände der Gedenkstätte. Schon beim Aussteigen spürten wir eine bedrückende, fast beklemmende Stimmung, die sich über das weite Gelände legte. Dazu erhielten wir von Frau Zager und Herrn Arnold eine Führung, in der wir den Leidensweg der Häftlinge nachzeichneten. Besonders schockierend fand ich den sogenannten „Carachoweg“. Uns wurde erklärt, dass die neu ankommenden Häftlinge hier im Laufschritt unter lautem Geschrei und brutalen Schlägen von SS-Männern sowie der Bedrohung durch Hunde zum Lagertor getrieben wurden. Es war kaum vorstellbar, welche panische Angst und körperliche Erschöpfung die Menschen dabei empfunden haben mussten.

Überraschend und zugleich verstörend war die Information, dass es im Lager einen Zoo gegeben hatte. Dieser war aus erzwungenen Spenden entstanden und diente den SS-Wachmannschaften und ihren Familien als Freizeitort. Häftlinge mussten sich um die Tiere kümmern, darunter Affen, Braunbären und Hirsche. Dieser krasse Gegensatz machte einige von uns nachdenklich und gleichzeitig wütend.

Anschließend blickten wir in einige der ehemaligen Zellen. Die Enge, die Kälte und die karge Ausstattung vermittelten eine beklemmende Atmosphäre. Es fiel schwer, sich vorzustellen, unter welchen Bedingungen Menschen dort leben mussten.

Danach gingen wir zum Appellplatz. Dort berichteten Frau Zager und Herr Arnold von den täglichen Appellen, bei denen Häftlinge oft stundenlang stillstehen mussten. Der längste Appell dauerte 72 Stunden. Zudem erfuhren wir von grausamen Bestrafungen, die im Lager durchgeführt wurden. Diese Erzählungen machten das Ausmaß der Gewalt und Unmenschlichkeit deutlich.

Im Anschluss hatten wir etwa 45 Minuten Zeit, das Museum zu erkunden, das sich im ehemaligen Kammergebäude befand. Die Ausstellung erstreckte sich über zwei Etagen und zeigte zahlreiche persönliche Gegenstände, Briefe und Dokumente. Besonders bewegend waren die erhaltenen Kleidungsstücke der Häftlinge sowie Beispiele einer geheimen Sprache, die sie zur Verständigung nutzten. Diese Einblicke machten das Schicksal der Menschen greifbarer.

Um 11:30 Uhr trafen wir uns vor dem ehemaligen Krematorium. Schon von außen wirkte das Gebäude bedrückend. Beim Betreten wurde dieses Gefühl noch intensiver. Es war schwer zu begreifen, was sich dort abgespielt hatte. Die Stille im Inneren verstärkte die Wirkung zusätzlich.

Anschließend kehrten wir zum Appellplatz zurück, um einen Kranz niederzulegen und eine Schweigeminute abzuhalten. Der Kranz wurde auf einer Gedenkplatte abgelegt, die auf 37 Grad erwärmt war - ein Symbol für die Körpertemperatur eines Menschen. Diese Geste erinnerte eindringlich an die unzähligen Opfer des Lagers.

Nach einer kurzen Pause fuhren wir mit dem Bus zum Glockenturm des Mahnmals, der schon von der Autobahn aus sichtbar war. Dieses Denkmal zählt zu den größten seiner Art in Europa. Unter der Bodenplatte befinden sich Erde und Asche aus Konzentrationslagern. Einige von uns entschieden sich, die „Straße der Nationen“ entlangzugehen, die den internationalen Charakter des Gedenkens verdeutlicht.

 

 

Auf der Rückfahrt passierten wir die sogenannte „Blutstraße“, eine etwa fünf Kilometer lange Strecke, die von Häftlingen unter schwersten Bedingungen gebaut worden war. Darüber hinaus wurden bis 1941 die Häftlinge vom Bahnhof Weimar den Berg hinauf zum Konzentrationslager getrieben. Allein der Name machte deutlich, wie viel Leid mit ihr verbunden gewesen sein musste.

Der gesamte Besuch hinterließ einen tiefen Eindruck. Es war ein beklemmendes Gefühl, an einem Ort zu stehen, an dem so viele Menschen gelitten hatten und gestorben waren. Die Gedanken an ihr Schicksal begleiteten uns während des gesamten Aufenthalts.

Dieser Tag machte deutlich, wie wichtig es ist, die Erinnerung an diese Verbrechen wachzuhalten. Solche Ereignisse dürfen sich niemals wiederholen. Auch unsere Generation trägt Verantwortung dafür, dass dies nicht geschieht.

Lennja Rindschwentner

Klasse 10b der Regelschule „Thomas Müntzer“ Mihla