Eine Mihlaer Ansichtskarte aus dem Jahre 1906 zeigt im linken Ausschnitt einen Blick auf den Mihlaer Marktplatz (Kleiner Markt). Die dort zu erkennenden Bäume markieren der Standort des Marktbrunnens.
Blick auf eine Hochzeitsgesellschaft vor dem „Café Münster“ Durch die Initiative von Alfred Wuth (hintere Reihe Mitte) war neben dem Verkaufsladen der Bäckerei Wuth, ehemals Neuhäuser, ein Cafe angebaut worden. „Café Münster“, wie über der Hochzeitsgirlande zu lesen ist. Das Foto berichtet von der Hochzeit von Edwin Schuchardt (vom Anger) mit Alma Schuchardt, geborene Wuth. Die Hochzeit fand wohl Mitte der 30er Jahre statt, denn zu den Hochzeitsgästen zählte bereits Pfarrer Karl Hoffmann (hintere Reihe, dritter von links), der die Pfarrstelle seit 1932 innehatte. Neben den Eltern des Bräutigams (rechts, zweite Reihe) ist auch der alte Bäckermeister Wuth (links neben der Braut) abgebildet.
Im Mihlaer Ortsarchiv liegen die Protokolle der Gemeinderatssitzungen zurückreichend bis in das Jahre 1887.
Es ist sehr spannend, zu erfahren, mit welchen Problemen sich die damaligen Gemeinderäte und der Bürgermeister beschäftigt haben!
Im Jahre 1887 ging es zum Beispiel um die Arbeit des Flurschützen. Dieser wurde von der Gemeinde angestellt und hatte in der Flur der Gemeinde für Ordnung zu sorgen. Dafür konnte nur eine vertrauensvolle Person eingesetzt werden, galt es doch auch, strafbare Handlungen wie Raub von den Feldern und ähnliches zu ahnden.
Auf der Sitzung des Mihlaer Gemeinderates am 5. Dezember 1887 wurde der Antrag gestellt, den bisherigen Flurschützen Heinrich Illert auch für das nächste Jahr behalten zu wollen. Bürgermeister Ernst wurde beauftragt, diesem mitzuteilen, dass er „...seine Schuldigkeit nach allen Richtungen hin erfüllen (müsse), widrigenfalls (könne) er auch mitten im Jahre entlassen werden“. Ein tolles Lob für eine gut geleistete Arbeit!
Verabschiedet wurde auch der Gemeindehaushalt für das Jahr 1888: In den Einnahmen waren 10.415 Mark und 8 Pfennige veranschlagt, ausgegeben werden sollten 8.809 Mark und 2 Pfennige! (heute beläuft sich der Haushalt der Stadt Amt Creuzburg auf gut 15 Millionen Euro im Jahr).
Die erste Ratssitzung im neuen Jahr fand bereits am 4. Januar 1888 statt. Auf der Tagesordnung stand die Neuwahl des Vorsitzenden des Rates. Gewählt wurde Herr Baron August von Harstall, sein Stellvertreter wurde Gottlieb Böttger, ein angesehener Handwerker.
Ein neues Problem trat auf, als sich Bürgermeister Sebastian Ernst im April 1888 schriftlich an den Gemeindevorstand wandte und aus gesundheitlichen Gründen um Entlassung aus dem Amt des Bürgermeisters bat.
Im Protokoll wurde vermerkt, „...daß Herr Bürgermeister Ernst sein Amt in einer langen Reihe von 20 Jahren gewissenhaft und treu verwaltet habe...“ Der Rat bedankte sich für die langjährige Arbeit des Bürgermeisters und man stimmte dem Antrag auf Entlassung zu.
Bei den nun durchgeführten Neuwahlen des Bürgermeisteramtes wurde als Nachfolger N. Böttger gewählt, der schon zur Sitzung im September 1888 anwesend war (der Bürgermeister wurde damals indirekt im Gemeinderat gewählt.)
Auf dieser Sitzung wurde auch der Antrag des Bäckers Karl Neuendorf (später Bäckerei Wuth/Eichholz in der Münsterstraße) behandelt. Er beabsichtigte, einen Abwasserkanal quer durch die Münsterstraße zum Honiggraben zu legen. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag zu, gab aber den Hinweis, dass durch den Bau des Kanals nicht die Wasserleitung geschädigt werden dürfe, die vom Maßholder zur Speisung des Marktbrunnens verlaufe. Dieser befand sich im Bereich der heutigen Bushaltestelle auf dem Karl-Marx-Platz und wurde über eine Wasserleitung aus einer Quelle im Maßholder gespeist.
Weiterhin habe er Sorge zu tragen, so der Beschluss des Gemeinderates, dass das durch den Kanal abfließende Brauchwasser die Anlieger im Honiggraben nicht belästige.
Interessante Dinge werden hier geschildert! So war also noch vor gut 150 Jahren das Abwassersystem organisiert! Letztlich offene Gräben, die dann das Abwasser der Lauter oder der Werra zuleiteten. Auch die noch aus dem Mittelalter stammende Wasserleitung zum Marktbrunnen ist damals noch vorhanden.
Ein neues Problem wird die Einrichtung einer Ortskrankenkasse. Damit hatte sich der Gemeinderat im Jahre 1889 zu beschäftigen.
Hierzu demnächst mehr.
Ortschronist Mihla