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Werratal Bote Mitteilungsblatt der VG Hainich-Werratal und Stadt Treffurt
Ausgabe 19/2026
Amt Creuzburg
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Historisches

Lengröden ca. 1930er Jahre, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Dietzel (Krauthausen) und der Familie Riedesel zu Eisenbach

Das Wappen der Familie Pawel2

„Dichtung und Wahrheit“ von Alexander von Pawel-Rammingen, Leipzig, 1882

Postkarte Gut Amalienruh bei Meiningen, ca. 1920er Jahre, freundlicherweise von der Familie Buck zur Verfügung gestellt

von Wolf-Marcus Haupt

Obwohl der Ort Lengröden überschaubar ist, hat ein dortiges Ereignis, für überregionale Bekanntheit gesorgt. Das Anwesen, zwischen Creuzburg und Krauthausen gelegen, hatte die Funktion eines Lehngutes und wurde häufig verpachtet.

 

 

Einer der Pächter war Alexander von Pawel-Rammingen. Im Jahr 1886 kam es zu einem bedauernswerten Duell zwischen ihm und seinem Volontär Baron von Kaiser, welches für den Baron tödlich endete. Zahlreiche Zeitungen haben darüber berichtet.

Alexander von Pawel-Rammingen

Da Alexander von Pawel-Rammingen auch schriftstellerisch tätig war, wissen wir vieles aus seinem Leben durch Franz Brümmer (Hrsg.) und seinem Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des neunzehnten Jahrhunderts.1 Die Angaben sollen durch weitere Quellen, wie z.B. Zeitungen zum Duell, ergänzt werden.

Pawel-Rammingen war der Name eines Adelsgeschlechts, welches überwiegend im Braunschweiger Raum ansässig war. Ursprünglich trug die Familie den Namen Pawel. Ende des 17. Jahrhunderts taucht dann die Bezeichnung Pawel-Rammingen auf. 1575 erfolgte die Erhebung in den Adelsstand und 1854 die Anerkennung als Freiherren (historischer Adelstitel) in den Herzogthümern Sachsen-Coburg und Gotha.

 

 

Das Stammwappen beinhaltet zwei schräge rote Krebsscheeren. Der gekrönte Helm trägt eine mit einem Pfauenschweif besteckte goldene Säule, hinter welcher ein großer Stern mit sechs Strahlen erscheint.3

Alexander Ernst Gustav Nikolas von Pawel-Rammingen, wurde am 30. Juli 1855 in Gotha als Sohn des Oberstleutnants, herzoglichen Flügel-Adjutanten und Kammerherrn Karl Ludwig Alexander Freiherr von Pawel-Rammingen (1814-1882) und Auguste Freiin von Werthern (1822-1906) in Gotha geboren. Er hatte drei Geschwister: William, Alexandrine und Elisabeth. Letzere, Elisabeth Henriette Alexandrine von Pawel-Rammingen (1864-1946) und ihr Bruder Alexander sind später noch zusammen auf Gut und Schloß Amalienruh bei Meiningen nachweisbar. Alexander erhielt seinen Unterricht in Gotha, Bamberg und in Schnepfenthal. Seiner Gesundheit wegen hat er fast zwei Jahre ohne Unterricht auf Reisen in Böhmen und Tirol zugebracht und wurde danach privat unterrichtet. Im Jahr 1875 bezog er die polytechnische Hochschule in Hannover, 1877 die zu Dresden und 1878 das landwirtschaftliche Institut der Universität Jena. Seine praktische Ausbildung als Landwirt erfolgte in Canitz (bei Riesa), in Schwabhausen (bei Gotha) und in Callenberg (bei Koburg). Nachdem er darauf im Winter 1882-1883 in Leipzig studiert hat, übernahm er die Bewirtschaftung des Gutes in Lengröden bei Krauthausen, das er wahrscheinlich von der Familie Treusch von Buttlar gepachtet hatte.

Das Duell von 1886 und seine Folgen

Sein Ökonomie-Volontär war der 22jährige Eberhard Baron von König aus Stuttgart. 1886 kam es zwischen den Beiden zu einem folgenschweren Duell. Es fand im Juni 1886 in Berlach in der Nähe des Boxberges bei Gotha statt. Von König wurde durch einen Schuß in den Unterleib getroffen und umgehend in die Klinik nach Eisenach geschafft. Seine herbeigerufene Mutter aus Stuttgart hat ihren einzigen Sohn gepflegt. Im August 1886 ist der Baron von König an den Folgen der Verletzung gestorben und wurde nach Stuttgart überführt. Bei der Obduktion befand sich die Kugel noch in der Hüftgegend.

Zahlreiche Zeitungen haben über die Auseinandersetzung berichtet. Fügt man die einzelnen Artikel zusammen, ergibt sich ein gutes Bild über die Abläufe und mögliche Umstände. Pawel-Rammingen hat sich allerdings nie über die Hintergründe geäußert.

Die Donauzeitung und das Fränkische Volksblatt berichten, ohne nähere Einzelheiten, dass eine Liebesgeschichte der Grund für das Duell gewesen sei.

Die Allgemeine Zeitung für Franken und Thüringen schreibt über den sich anschließenden Prozess: „Im Februar 1887 fand vor dem Meininger Schwurgericht der Prozess gegen Pawel-Rammingen statt, der die Tat einräumte, allerdings ohne die Hintergründe zu nennen. Auch wer dem Baron von König, die Aufforderung zum Duell überbrachte, konnte nicht ermittelt werden. Das Gericht erkannte den Angeklagten für schuldig und verurteilte ihn zu einer zweijährigen Festungshaft, die er aber relativ schnell verbüßte.“4

Es scheint ein familiärer Konflikt gewesen zu sein, wie durch die sich anschließenden Ereignisse zu erahnen ist. Alexander von Pawel-Rammingen war seit 1883 mit Klara Auguste Mathilde Anna von Witzleben (1859-nach 1933) verheiratet. Zwei Jahre später hat sie in Lengröden ihr erstes Kind bekommen. Sie hat sich 1886, also im selben Jahr, in dem das Duell stattgefunden hat, scheiden lassen und hat ihren Geburtsnamen wieder angenommen. Darauf zog sie nach Weimar in die Lisztstraße 28 um. Dort ist sie 1933 im Einwohnerbuch der Stadt Weimar als "v. Witzleben, Klara, Ww. [Witwe], Lisztstr. 28" nachweisbar.5

Brummer berichtet, dass sich Pawel-Rammingen nach der Haft in der Nähe von Thal (wahrscheinlich Heiligenstein) in Thüringen aufgehalten hat. Später scheint er dann zu seiner Schwester Elisabeth nach Schloß Amalienruh bei Meiningen umgezogen zu sein. Dort ist er auch am 25. Januar 1918 verstorben.6

Die meisten Zeitungen kritisieren das Duell als nicht mehr zeitgemäß und unmoralisch. Am weitesten geht sicherlich die Bamberger Volkszeitung vom August 1886: „Hat nun der Mörder die gehörige, ausreichende Satisfaktion für seine angegriffene Ehre? - Wann wird denn endlich einmal diesem scheußlichen Unwesen ein Ende gemacht?“7

Pawel-Rammingen war wie oben angemerkt literarisch tätig. Es sind vier Werke von ihm überliefert: "Dichtung und Wahrheit. Poetische Versuche" (1882), "Gedanken eines Cavaliers über Antisemitismus" (1887), "Gedanken eines deutschen Edelmannes über die Judenfrage" (1904) und "Idealismus und Naturalismus" (1906).7

 

 

Während "Dichtung und Wahrheit" seine lyrischen Versuche enthält, finden sich in zwei anderen Büchern "Gedanken eines Cavaliers" und "Gedanken eines deutschen Edelmannes" hauptsächlich antisemitische Klischees vor dem Hintergrund der damaligen revanchistischen Weltanschauung.

Eine Aufwertung seiner Gedichte hat Pawel-Rammingen dem Komponisten, Organisten und Dirigenten Friedrich Lux (1820-1895) zu verdanken. Lux ist in Ruhla geboren und seit 2013 werden dort die Lux-Festspiele aufgeführt. Auf der im gleichen Jahr erschienenen CD "Friedrich Lux-Lieder" finden sich auch drei vertonte Texte von Alexander von Pawel-Rammingen: „Maiglöckchens Willkomm‘“, „Musik des Herzens“ und der „Zauberspiegel“.

Das Wirken seiner Schwester Elisabeth von Pawel-Rammingen auf Gut Amalienruh bei Meiningen

Es erscheint angebracht, in diesem Artikel ebenfalls auf das Wirken seiner Schwester Elisabeth einzugehen. Sie war, neben Elisabet Boehm, Gertrud Dyhrenfurth, Ida von Kortzfleisch, Marie Gräfin von Schwerin-Löwitz eine Wegbereiterin der ländlichen und beruflichen Ausbildung für Frauen.

Eine wichtige Rolle innerhalb der beruflichen Ausbildung für Frauen bildeten die Reifensteiner Schulen, die von der preußischen Adeligen Ida von Kortzfleisch gegründet worden waren. Viele dieser Schulen waren im Reifensteiner Verband organisiert. Es gab zahlreiche Mitglieder und Ableger. Andere Bildungseinrichtungen folgten dem Modell und den Grundsätzen. Eine Schule, die sich am Beispiel der Reifensteiner Schulen orientierte, war Schloß bzw. Gut Amalienruh in der Nähe Meiningens. Die Bildungseinrichtung wurde von Alexanders Schwester, Elisabeth von Pawel-Rammingen, Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet.

 

 

Die Ausbildung erfolgte in Form einer dreijährigen Lehre. Aber man konnte sich ein absolviertes Jahr auf einer beruflichen Frauenschule anrechnen lassen, so dass man die Zeit auf vier Semester reduzieren konnte. Die Schülerinnen der angeschlossenen Einrichtungen wurden als M.A.I.D. (Mut, Ausdauer, Idealismus, Demut) bezeichnet. Unterbringung, Verpflegung und Ausbildung erfolgten auf Gut Amalienruh. Schwerpunkt des ersten Jahres war die Hauswirtschaft, im zweiten Jahr die Landwirtschaft. Die Theorie wurde überwiegend im Winter unterrichtet. Neben der Schule verfügte Amalienruh über eine umfangreiche Garten-, Felder- und Ackerwirtschaft, Rinderzucht und Schweinemast. Auf Thüringer Geflügelschauen wurde Amalienruh regelmäßig ausgezeichnet.

“Gotha, 23. März [1902]. Die unter dem Protektorate Sr. D. Des Regierungsverwesers von heute bis Montag im Tivoli-Etablissement stattfindende 8. Geflügel-Ausstellung des Geflügelzucht-Vereins für das Herzogthum Gotha ist sehr reichhaltig mit Geflügel aller Art, auch Pfauen, Puten und Mastgeflügel aus der Spezial-Zuchtanstalt der Freiin von Pawel-Rammingen in Amalienruh bei Meiningen beschickt.”8

Also müsste der landwirtschaftliche Betrieb unter Elisabeth von Pawel-Rammingen um 1900 anzusetzen sein. Auch Kindergarten, Krippe, Hort und eine Dorfbücherei gehörten dazu. Jungfrauen- und Mütterabende ergänzten das kulturelle Angebot. Die Lehrerinnen kamen teilweise von der Berliner Frauenschule für innere Mission. Auf die Ausbildung folgte ein Praktikum in der benachbarten Sülzfelder Schule, die 1917 von Elisabeth von Pawel-Rammingen gegründet worden war. Daran schloß sich eine viertel- bzw. halbjährliche Tätigkeit in einem größeren Säuglingsheim an, ergänzt durch Weiterbildungen und Reisen. Elisabeth von Pawel-Rammingen hat viel zum Erfolg der Schule beigetragen und konnte durch zahlreiche Vorträge Unterstützer und Unterstützerinnen für diese Form der weiblichen Aus- und Weiterbildung gewinnen. Als Folge des ersten Weltkrieges waren viele Frauen auf dem Land auf sich allein gestellt. Es war das Ziel Elisabeths von Pawel-Rammingen einen neuen ländlichen Frauenberuf zu schaffen.

Obwohl Amalienruh über Jahre hinaus ausgebucht war, wurde die Schule 1920 geschlossen. Leider konnte die Bildungseinrichtung während ihrer Existenz nie gewinnbringend arbeiten. Durch den Tod eines bedeutenden finanziellen Geldgebers wurde die Landwirtschaft nach 1920 von seinen Erben weitergeführt.9

1935 wurde das Gut an den Saarländer Arzt Dr. Escher verkauft. Elisabeth von Pawel-Rammingen hat weiter auf Amalienruh gewohnt, ist 1946 gestorben und wurde in Sülzfeld mit Blick auf das Gut begraben.

In der Nachkriegszeit wurden die Besitzer enteignet und Amalienruh wurde in Volkseigentum überführt. In der DDR-Zeit (1975) befand sich Amalienruh in der Sperrzone und gehörte zur LPG Hermannsfeld. Mit der Wende 1989 kam Amalienruh in den Besitz der Treuhand-Gesellschaft. Nach Wegzug des alten Mieters (1995) befand sich das Gut und Schloss in einem schlechten Zustand ohne Strom, Telefon und Wasser. Es ist der Familie Buck und Claus Siegfried Harnisch zu verdanken, dass Amalienruh wieder besucht werden kann. 2004 wurde Amalienruh in eine gemeinnützige Stiftung überführt.

Heute wird immer noch Landwirtschaft auf dem Gut betrieben, wobei sehr viel Wert auf eine umweltschonende und handwerkliche Bewirtschaftung gelegt wird. So kommen z.B. Pferde zum Einsatz. Im Schloss befinden sich mehrere Gästeapartments. Die 1908 erbaute Villa des damaligen Obergärtners kann als Ferienhaus gemietet werden. Besonders interessant dürfte es für Kinder sein, die auf Amalienruh ein Bild der Landwirtschaft vermittelt bekommen, wie sie früher funktioniert hat.

Zusammenfassung

Das Duell zwischen Alexander von Pawel-Rammingen und Eberhard Baron von König hat bundesweit und darüber hinaus für Aufsehen gesorgt, wobei Lengröden in diesem Zusammenhang mehrmals erwähnt wurde. Die Auseinandersetzung hat bei vielen Lesern eine gewisse Faszination hervorgerufen, da es 1886, trotz gegensätzlicher Gesetzgebung, immer noch gesellschaftliche Gruppen gab, die ihre Konflikte auf altertümliche Art und Weise gelöst haben. Bereits seit dem 17. und 18. Jahrhundert waren Duelle durch Edikte verboten, ohne allerdings strafrechtliche Konsequenzen zu haben. Erst mit dem Reichstrafgesetzbuch von 1871 begann eine striktere Handhabung der Vorschriften und die Verfolgung der Taten. Im Ersten Weltkrieg waren Duelle verboten, so dass sie größtenteils Anfang des 20. Jahrhunderts verschwanden. Allerdings sind noch bis in die 1930er Jahre Duelle zu verzeichnen.

Um noch einmal auf Lengröden zurückzukommen. Obwohl es nur ein kleiner Ort mit einstmals zwei Mühlen ist, verfügt er doch über eine bemerkenswerte Geschichte. Zu nennen wären dabei die verschiedenen Eigentümer, wie beispielsweise die von Nesselröden, von Kirchberg, von Uslar, von Treusch von Buttlar und von Riedesel und die damit verbundenen historischen Ereignisse. Um so mehr schmerzt die Geschichtsvergessenheit und der jetzige bauliche Zustand des Anwesens.

Literaturverzeichnis

1

Brümmer, Franz (Hrsg.): Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des neunzehnten Jahrhunderts, Vierte Ausgabe, Dritter Band, Leipzig, 1895, S. 198

2

Grote, Hermann: Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogthums Braunschweig, Hannover 1852, Tafel D 5

3

Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, 24. Jahrgang, Gotha, 1874, S. 502

4

Allgemeine Zeitung für Franken und Thüringen, Nr. 50, Bamberg, 1887, S. 6

5

Einwohnerbuch der Stadt Weimar, Weimar, 1933, S. 140

6

Brümmer, Franz (Hrsg.): Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des neunzehnten Jahrhunderts, Vierte Ausgabe, Dritter Band, Leipzig, 1895, S. 198

7

Bamberger Volkszeitung, No. 194, Bamberg, 26.08.1886

8

https://www.thueringer-literaturrat.de/autorenlexikon/pawel-rammingen-alexander-ernst-gustav-nikolaus-baron-von/ abgerufen am 05.05.2026 abgerufen am 05.05.2026

9

Coburger Zeitung, 43. Jahrgang, Nr. 71, Coburg, 1902

10

Stöckel, Sigrid/Lisner, Wiebke/Rüve, Gerlind (Hrsg.): Das Medium Wissenschaftszeitschrift seit dem 19. Jahrhundert, Stuttgart, 2009, S. 80

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:

Lengröden ca. 1930er Jahre, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Dietzel (Krauthausen) und der Familie Riedesel zu Eisenbach

Abbildung 2:

das Wappen der Familie Pawel

Abbildung 3:

"Dichtung und Wahrheit" von Alexander Pawel-Rammingen, Leipzig, 1882

Abbildung 4:

Postkarte Gut Amalienruh bei Meiningen, ca. 1920er Jahre, freundlicherweise von der Familie Buck zur Verfügung gestellt