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Werratal Bote Mitteilungsblatt der VG Hainich-Werratal und Stadt Treffurt
Ausgabe 19/2026
Amt Creuzburg
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10 Tage im Hainich versteckt

Meldung des Kommandanten des Flugplatzes Erfurt-Bindersleben über die Gefangennahme des US-Serg. Rasch am 14. Mai bei Mihla

Meldung über die Gefangennahe des US- Serg. Petty am 25. Mai 1944 bei Mihla

Abschlussbericht zum Abschuss der B24- Liberator bei Craula

Eine Erinnerung an den letzten Weltkrieg

Grundlagen: E. Hälbig, R. Lämmerhirt, Luftkrieg im Eisenacher Land, 2012 sowie Archiv Jürgen Kanitz, Paris, Ortsarchiv Mihla

Im Mai 1944 intensivierten die US-Luftstreitkräfte ihre Tagangriffe auf die Produktionsstätten der deutschen chemischen Industrie im Raum Merseburg-Zeitz. Die Luftschlacht um das Öl begann.

Am 12. Mai 1944 griff die 8th Air Force Mission 353 mit ihren schweren viermotorigen Bombern an. Auch 735 Jäger der 8. und 245 Jäger der 9. USAAF nahmen als Sicherung an diesen Großangriffen teil.

Die Namen Merseburg, Lutzkendorf, Zwickau, Brüx, Zeitz und Bohlen kannte jetzt jeder Angehörige der 8th USAAF. Für viele wurden es traumatische Namen, die sie ihr ganzes Leben lang verfolgen sollten, wenn sie nachts schweißgebadet aufwachten, weil sie wieder die kleinen schwarzen Flakwölkchen sahen, die immer näher auf sie zukamen.

Die Besatzungen der Bomber nannten das Gebiet um Leipzig die „Flakhölle“. Kernstücke dieses riesigen Flakgürtels rund um die Zentren der synthetischen Treibstoffindustrie waren die 14. Flak-Division in Leipzig und die 21. Flak-Brigade in Bad Lauchstädt mit über 1.000 Geschützen aller Kaliber unter Führung von General Major Adolf Gerlach. Rund 4% der Bomberbesatzungen der 8th USAAF wurden „flak happy“, psychiatrische Fälle, die nicht mehr fliegen konnten.

Auch die B 24 H mit der Serien Nummer 42-73503, Rufzeichen YM: Y und dem Spitznamen „Marion“, die zur 93 Bomb Group (H), Spitzname „Circus“, und zur 409.Bomb Squadron gehörte, die von der Air Base Hardwick kam, war am 12. Mai 1944 bereits wieder auf dem Rückflug von Zeitz, wo sie ein Werk der synthetischen Ölindustrie bombardiert hatte, als sie von Geschossen der 2. schweren Flakbatterie 393 getroffen wurde.

 

 

Pilot Martin Barkan von einer anderen B 24 berichtete, dass „Marion“ später noch von einem Jäger angegriffen wurde und zusätzliche Treffer erhielt. Danach scherte das Flugzeug aus dem Verband aus. Der Pilot Leutnant Warren O Van Winkel versuchte noch die B 24 ruhig zu halten, damit die Besatzung Lt. Alfred W Hodel, Oberleutnant. John A Radosevich, T/Sgt Leonard C Drew, S/Sgt William L Wert, S/Sgt George C Petty, S/Sgt Jesse L Flanigan, T/Sgt Edward Little, S/Sgt Jacob L Rasch Jr und S/Sgt Theodore E Cunningham, die Maschine verlassen konnten.

Der Versuch, sie anschließend wieder unter Kontrolle zu bekommen, misslang, ebenso sein Versuch mit dem Fallschirm abzuspringen. Die B 24 drehte sich um die Längsachse wie ein welkes Blatt. Sein Schirm verfing sich am Flugzeug und er stürzte mit ihm in die Tiefe. Um 14.45 Uhr schlug die B 24 am Ortsrand von Craula auf und brannte völlig aus.

Zeuge dieser Tragödie wurde der damals 14jährige Alfred Schneider aus Craula. Leutnant Van Winkel wurde mit schlimmen Verbrennungen tot geborgen und am 13. Mai 1944 auf dem Gemeindefriedhof von Craula bestattet. Es war seine 27. Mission und am 18. Juni 1944 wäre er 23 Jahre alt geworden.

Am 23. Mai 1945 wurde er zunächst auf den amerikanischen Soldatenfriedhof in den Niederlanden umgebettet, um schließlich seine letzte Ruhe in seiner Heimat in New Jersey zu finden. In Bloomfield/New Jersey war er als Sohn von Mr. und Mrs. Albert C. Van Winkel geboren worden und besuchte dort die Bloomfield High-School mit Abschluss im Jahre 1939. Er arbeitete als Angestellter in der National Newark & Essex Banking Company. Mit seiner Ehefrau Lorraine Van Winkel, geborene Fischer, hatte er eine Tochter. Die kleine Gail Marie war zur Zeit seines Todes zwei Monate alt und sollte ihren Vater nie kennen lernen.

Über das Schicksal der anderen Besatzungsmitglieder berichten deutsche Quellen, die ich unlängst von Herrn Kanitz aus Paris, einem nahen Verwandten von Annelie Weisheit aus Mihla erhalten habe. Herr Kanitz nutzte frei zugängliche US-Quellen.

Frau Weisheit hatte bis zu ihrem Tode das Mihlaer Museum im Rathaus intensiv unterstützt, mit aufgebaut und dort auch an Führungen und Erklärungen teilgenommen.

Sieben der zehn Besatzungsmitglieder konnten sich mit dem Fallschirm retten und gerieten noch am 12. Mai bei Craula in deutsche Gefangenschaft. Zwei Mitglieder der Besatzung, Sergeant Petty und Sergeant Rasch, waren mit ihren Schirmen abgetrieben worden und landeten im Hainich.

 

 

Rasch konnte sich zwei Tage verstecken, ehe er am 14.5. von Suchkommandos der Polizei und der Hitlerjugend bei Lauterbach aufgespürt und gefangengenommen wurde.

 

 

Sergeant Petty, der als erster die Maschine mit einem Granatsplitter in der rechten Hüfte verließ, versteckte sich noch zehn Tage lang in den Wäldern des Hainichs, bis er sich in Mihla völlig erschöpft in die Gefangenschaft begab.

Dabei kam es zu unschönen Szenen. Er wurde von Zivilpersonen, bei denen er sich ergeben wollte, an seiner Uniform und der Verletzung erkannt und beschimpft und sogar tätlich angegriffen. Diese schlimmen Szenen sind durch spätere Zeugenaussagen belegbar. Nur das Dazwischentreten eines Mihlaers, der zur Vernunft aufrief und sagte, man möge an die eigenen Flieger denen, die über England abgeschossen wurden oder noch werden, verhinderte Schlimmeres. Das Eintreffen des Dorfpolizistenführte dann zur Beendigung der Situation.

Petty wurde ärztlich versorgt und wie auch die anderen Mitglieder der Crew zunächst zum deutschen Fliegerhorst Bindersleben verbracht wurden. Von dort aus ging es zur zentralen Auswertestelle Oberursel, wo die Befragungen der Briten durchgeführt wurden.

Schließlich war dann ein Kriegsgefangenenlager der Luftwaffe die letzte Station bis Kriegsende.

In der heutigen Zeit der Kriege und des Hasses sollte eine solche Episose nicht gänzlich in Vergessenheit geraten.

Rainer Lämmerhirt

Ortschronist Mihla