Dieses berühmte Gemälde zeigt den Endkampf am Custerhügel, Indianermuseum in Radebeul
„General“ Custer war nur ehrenhalber zum General ernannt worden, tatsächlich hatte er den Rang eines Oberstleutnants inne
Die Gedenkstätte am Little Bighorn. Jeder Stein steht für einen gefallenen amerikanischen Soldaten, der schwarze Stein in der Mitte markiert den Platz, wo Custer den Tod fand. Für die Indianer wurden erst vor wenigen Jahren erste Denkmäler gesetzt
Indianergeschichten kennt sicher jeder; sofort denkt man an Karl May und seine Helden. Verbindungen zu den wirklichen Geschehen herzustellen, das ist meist schwieriger, da man sich diesen Ereignissen durch den Film oft weniger angenommen hat.
Nun bietet ein solches Ereignis die Möglichkeit der Annäherung.
Am 25. Juni 1876 vernichteten (nach neusten Forschungen) etwa 2000 indianische Krieger am Fluss Little Bighorn in Montana den Stolz der US- Armee, das berühmt-berüchtigte 7. Kavallerieregiment beinahe vollständig.
Befehlshaber der Truppen war der Oberstleutnant George Armstrong Custer, dessen Großvater aus Deutschland stammte, und der im Bürgerkrieg für seine schneidigen Attacken, die aber immer mit höchsten Verlusten verbunden waren, Karriere gemacht hatte.
Sein Hauptgegner war der religiöse Führer der Dakotaindianer, Sitting Bull, eigentlich Tatanka Yotanka. Was geschah in jenen Tagen?
Oberstleutnant Custer hatten den Befehl, mit seinen rund 660 Soldaten und 19 Indianer-Spähern ein mögliches Entkommen der Sioux nach Osten zu verhindern. Oberstleutnant John Gibbon und General Alfred Terry stießen mit ihren Einheiten von Norden her zum Little Big Horn.
Von Süden, so glaubten Gibbon und Terry, komme ja General Crook. Strategisches Ziel: Die Indianer von Norden und Süden her in die Zange nehmen.
Custers Späher hatten am Morgen des 25. Juni 1876 das gewaltige Indianerdorf ausgemacht. Custer teilte seine Truppe in drei Abteilungen auf. Major Reno sollte im Süden den Fluss überschreiten und das Indianerdorf aus dem Westen angreifen. Hauptmann Benteen sollte die Indianer abfangen, die nach Süden entkommen wollten. Custer selbst wollte den Fluss im Norden unterhalb des Lagers überqueren und den Hauptstoß führen.
Renos Angriff misslang völlig. Als die Indianer unter dem Hunkpapa-Häuptling Gall mit Pfeilen und Kugeln auf die Soldaten schossen, geriet Reno in Panik und flüchtete auf die andere Seite des Flusses. Viele seiner Männer starben, als sie den Fluss durchquerten und einen Hügel am Ostufer hinaufstürmten.
Zwischenzeitlich zog Custer parallel zum Fluss auf erschöpften Pferden nach Norden - und geriet in eine Falle. Als die Kolonne nach links schwenkte, um den Fluss zu durchqueren, versperrte Gall ihr mit 1500 Kriegern den Weg. Sie griffen sofort an. Custer wich aus, wollte die höchste Erhebung der Hügelkette (heute Custer Hill) erreichen, um sich zu verschanzen. In diesem Augenblick erschien Crazy Horse auf der Anhöhe. Hinter ihm mehr als tausend Oglala-Krieger. Sie stürzten sich von oben mit lautem Kriegsgeschrei auf die Kavalleristen, während von unten Gall und seine Hunkpapas heranstürmten. Der Kampf gegen Custer und seine Leute war nach einer knappen halben Stunde vorbei, Custer und 225 seiner Soldaten waren tot und wurden zum Mythos der US-Geschichte.
Den ganzen restlichen Tag und die gesamte Nacht hindurch bedrängten die Indianer die ersten Truppen, die das Lager angegriffen und die sie über den Fluss die Steilhänge hinauf getrieben hatten. Am nächsten Tag entdeckten Sitting Bulls Späher eine zweite Armee, die das Tal des Little Big Horn heraufkam. Die Indianer setzten das Gras in Brand, um sich im Schutz des Rauchs bewegen zu können, und zogen in Richtung der Bighorn Mountains.
Die Rache der Weißen war furchtbar. Schon zwei Jahre später war der indianische Widerstand in den Prärien erloschen, die meisten Führer entweder nach Kanada abgedrängt, in Reservate getrieben oder ermordet.
Little Bighorn blieb jedoch die schmachvollste Niederlage der US- Armee auf ihrem eigenen Territorium. Von Custers 225 Mann überlebte niemand, Reno und Benteen verloren 47 Mann an Toten und es gab 53 Verletzte, von denen noch einige starben.
Über die Hälfte der 31 Offiziere des Regiments waren ausgelöscht, darunter die gesamten männlichen Mitglieder der Custerfamilie, die ihrem Oberhaupt in die Schlacht und den Tod gefolgt waren.
Neuere Forschungen zeigten übrigens, dass neben General Custer viele Teilnehmer der Schlacht deutsche Wurzeln hatten, Auswanderer in die USA aus deutschen Ländern, darunter auch aus Hessen und Thüringen.
Noch heute zieht der Mythos der Schlacht Tausende Besucher in den Memorial- Park. Dabei haben archäologische Untersuchungen vor einigen Jahren sogar noch neue Erkenntnisse über den Verlauf des Hauptkampfes erbracht. Man fand nur wenige Gewehrpatronen der Kavallerie. Offensichtlich war „Custers last stand“ nicht der heldenhafte Kampf gegen eine gewaltige Übermacht, wie es die meisten Filme einreden, sondern eine kurze gewaltsame Attacke der etwa 2000 Indianer, die ihre Feinde einfach niederritten und im Nahkampf töteten.
Rainer Lämmerhirt
Mihla