Abbildung 1: Hauseingang am Plan 10
Abbildung 2: Inschrift Klosterapotheke 1787, jetzt vor dem Eingang Klosterapotheke
Abbildung 3: Eingang Haus Lange Gasse, jetzt Bahnhofstraße
Abbildung 4: Eingang Haus Lange Gasse
Abbildung 5: Postkarte Lange Gasse
Abbildung 6: Liboriuskirche in Creuzburg
Abbildung 7: Portal der Liboriuskirche in Creuzburg
Abbildung 8: Aufgang Gottesackerkirche Creuzburg
Abbildung 9: Wappen an einem Nebengebäude des Schlosses zu Creuzburg
Abbildung 10: Inschrift an der Schule in Creuzburg
bearbeitet und ergänzt von Wolf-Marcus Haupt
Der Artikel basiert auf einem Zeitungsbericht von Otto Gluthe, ehemaliger Creuzburger Stadtachivar, und widmet sich hauptsächlich den Häusern am Markt, Plan, genannt. Erschienen ist der Artikel in der Zeitschrift “Luginsland”, 1927, Jahrgang 14. Ergänzt werden die Angaben durch die von Lehfeldt und Voss erwähnten Informationen (Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, Jena, 1915) und andere Quellen.1
Inzwischen sind Fotos aus dem Fotoarchiv Marburg und Zeichnungen in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar aufgetaucht, die historisch und städtebaulich gesehen von immenser Bedeutung sind.
Bei den Zeichnungen aus der Anna-Amalia-Bibliothek handelt es sich um sehr detailgetraue Abbildungen, welche die Angaben von Gluthe visuell ergänzen. Eine Künstlerin oder ein Künstler konnte bisher noch nicht ermittelt werden.
Die Fotos stammen aus dem Fotoarchiv Marburg. Die Grundlage für diese Sammlung schuf der Kunsthistoriker Dr. Franz Stoedtner, der 1895 in Berlin das "Institut für wissenschaftliche Projection" gegründet hat. Es war eines der ersten Lichtbilderarchive, das historische Ereignisse und Bauwerke dokumentiert hat. Später, dann in Düsseldorf beheimatet und weitergeführt, wurden 1977 rund 200.000 Glasnegative vom Fotoarchiv in Marburg erworben.
Hier der Artikel von Otto Gluthe mit Ergänzungen:
Wohngebäude von geschichtlichem Interesse in Creuzburg
Die ersten beiden gehörten einst zum Nonnenkloster St. Jakob und werden jetzt noch als “das Kloster” bezeichnet. An einem dieser Häuser [1927] "Am Plan 10" lesen wir über dem Eingang die lateinische Inschrift. "Wirf auf den Herrn deine Sorge, und er selbst wird dich ernähren, 1577 [schwer lesbar]".
In einem Raum des Hinterhauses fand der jetzige Hauseigentümer, Herr Altenbrunn, ein Kruzifix, aus der katholischen Zeit stammend. Das Vorderhaus ist von Bränden verschont geblieben, während die Hintergebäude wahrscheinlich vom Brande im Jahr 1769 ergriffen wurden [siehe Abbildung 1].
Der Fund könnte Begehrlichkeiten geweckt haben, die durch eine Sage noch einmal weitere Phantasien und eine gewisse “Goldgräberstimmung” hervorgerufen haben.
Es gab immer wieder die Vermutung, dass dort die Nonnen aus dem Kloster ihren Schatz versteckt hatten. Gemäß Paullini konnten allerdings durch den damaligen Amtmann Heinrich Vogel (1525) die Schätze des Klosters auf die Creuzburg gerettet werden. Erwähnt wird die Sage bei Heinrich Schwerdt “Thüringen und der Harz mit seinen Merkwürdigkeiten”.2
Schwerdt hat seine Informationen dem Creuzburger Pastor Wollenhaupt zu verdanken, der ihm wertvolle Hinweise zur Regionalgeschichte geliefert hat. Schwerdt war zeitweise Pastor in Neukirchen und darüber hinaus schriftstellerisch tätig. Hier die Sage:
„Vielleicht mag es in jener Schreckenszeit [Bauernkrieg] geschehen sein, daß die bedrängten Nonnen ihre kostbarsten Schätze in einem dem Kloster zugehörigen Hause geborgen, das in späteren Tagen dem Stadt-Diaconus als Wohnung angewiesen worden. Denn als nach einem der verheerenden Brände, welche Kreuzburg öfter heimgesucht, ein armer Bürger bis gen Erfurt zog, im dortigen Kloster milde Gaben zu sammeln, da vertraute ihm ein greiser Mönch das schüchterne Geheimniß, daß sich in alten Klosterurkunden das Bekenntniß eines sterbenden Mönchs, der einst von Kreuzburg nach Erfurt geflüchtet, aufgezeichnet finde, - ein Bekenntniß, das vermögend wäre, nicht allein ihn selbst zu einem reichen Manne zu erheben, sondern auch die ganze Stadt aus ihrer Asche wieder aufzubauen. Und als der staunende Bürger forschte und bat, entdeckte ihm der Klosterbruder, daß der Keller des Diaconats geheimnisvolle, reiche Schätze berge. Goldene Schlösser träumend, flog der Bürger mit der Freudenkunde zu dem Rathe seiner Stadt. Alsbald wurden sorgliche Nachgrabungen verordnet und angestellt. Aber - die goldenen Schlösser waren in die Luft gebaut; denn der ersehnte Platz verbarg sich den spähenden Blicken. - Indessen wurde doch das lockende Geheimniß in den jüngsten Jahren wieder aufgewärmt und selbst von höchster Staatsbehörde der Beachtung werth gehalten. Aber auch die neuesten Nachforschungen öffneten wohl eine brunnenähnliche Kloake, die aber, statt der klingenden Ausbeute, einen so unerträglichen Geruch entsendete, daß die Arbeiter, wie von einem Gespenste verjagt, entsetzt von hinnen floh`n. Da hat man denn nun hie und da einen Gedanken laut werden lassen, der eine neue Art des Glückspiels in das Leben rufen würde, nämlich: die Kosten weiterer Nachgrabungen durch freiwillige Actien aufzubringen und zu decken. Weil indessen die Kreuzburger im freundschaftlichen Skaat wohl gern um ihre Silbergroschen, aber nicht um ungewisse Klosterschätze spielen, so ist der Gedanke bis jetzt - nur Gedanke geblieben, bis vielleicht die glückliche Hand eines Sonntagskindes berufen ist, den reichen Schatz zu heben.“
Das Haus Nr. 9 (Besitzer Herr Fink) trägt auf dem Torbogen die Jahreszahl 1508. Einst stand es mit dem Nachbarhause durch einen Eingang in Verbindung. Den Bränden von 1765 und 1769 ist es entgangen. Beachtenswert ist ferner das Eckhaus von Herrn Ebenau. Von künstlerischem Interesse ist die Eingangstür aus der Renaissance. Auffallend sind im Inneren die circa 1 Meter tiefen Fensternischen und die steinerne Wendeltreppe, zum Obergeschoß emporführend. Die raunt uns hier alte Mären zu. Es wird erzählt, daß ein unterirdischer Gang von dem Kellergewölbe nach dem jenseitigen Ufer der Werra geführt habe.“
Der Renaissanceeingang ist erhalten geblieben und wurde in den 1970er Jahren auf der Creuzburg eingemauert.
An der Südseite des Planes steht die Klosterapotheke, die in dieser Reihe nicht vergessen werden darf. Als sie im Jahre 1765 niederbrannte, erfolgte der Verkauf der Medikamente in dem jetzigen Hause des Kaufmanns Matthes. Die Erinnerung an den Brand lebt in der Inschrift über der Eingangstür des Hauses fort:
"Verünglückt durch Brand 1765, wieder hergestellt in diesen Stand 1787 von David S. Grübel".
Die Inschrift/Stein ist erhalten geblieben und befindet sich jetzt vor dem Eingang der Klosterapotheke (siehe Abbildung 2).
Privilegiert wurde die Apotheke im Jahr 1683.
Als Beispiel eines Herrschaftshauses ist das von Buttlarsche Haus [Steinhof] anzusehen. Eine Inschrift, die auf der unteren Seite eines Fußbodenbrettes vom jetzigen Besitzer, Herrn Döll, gefunden wurde, gibt uns Aufschluß über den Erbauer und die Zeit der Erbauung. Sie hat folgenden Wortlaut:
“Unser Bauherr ist gewesen Wilhelm Treusch von Buttlar, Oberforstmeister in Marburg. Am 8. August ist dieser Fußboden gemacht worden von Nikolaus Schramm von Herleshausen und Martin Rimbach von Blankenbach. 1773.”
In diesem Jahr entstand auch der Seitenflügel in der Eisenacher Gasse. Ueber der Hoftüre finden wir noch das Monogram W. B. mit der Adelskrone und die Jahreszahl 1773. - Breit angelegt sind hier Flur und Treppe. Drei Stuckdecken aus der Zeit des Rokokostils verdienen Beachtung, davon besonders die mit den geflügelten Engelsköpfen. Beim Bau des Hauses wurde Roteiche verwandt. Da diese Art Roteiche in der hiesigen Gegend nicht vorkommt, jedoch im Hessischen anzutreffen ist, liegt die Vermutung nahe, daß Oberforstmeister v. Buttlar das Holz aus der Marburger Gegend nach Creuzburg hat befördern lassen.
Die Vermutung Gluthes kann durch ein Dokument im Hessischen Staatsarchiv Marburg bestätigt werden.
Es handelt sich um ein Gesuch des Oberforstmeisters [Treusch] von Buttlar [zu Marburg], ihm aus den sequestrierten [treusch] von buttlarischen Waldungen zu Willershausen Baumstämme zum Aufbau seines abgebrannten Gutes in Creuzburg (Sachsen-Eisenach) verabfolgen zu lassen. Es stammt aus dem Jahr 1768, also drei Jahre nach dem verherrenden Brand von 1765.3
Das Portal in der Langen Gasse/jetzt Bahnhofstraße hat Gluthe leider nicht berücksichtigt. Allerdings wird der Eingang bei Lehfeldt und Voss erwähnt und kann durch Fotos und Zeichnungen ergänzt werden. Auf der Postkarte kann man die Lage des Eingangs noch gut erkennen (siehe Abbildung 3, Abbildung 4 und 5).
Wie viele schöne Bauten aus alter Zeit würden wir noch sehen, wäre Creuzburg nicht so häufig von verherrenden Bränden und ideologischen Kriegen heimgesucht worden.
Umso schöner ist es, dass einige Bauten bzw. Überreste erhalten geblieben sind und, wenn sie nicht mehr existieren, durch die Zeichnungen aus der Anna-Amalia-Bibliothek festgehalten worden sind. Hier noch eine kleine Übersicht weiterer Zeichnungen, deren Bezeichnung in der Bibliothek teilweise nicht korrekt ist. Eine “Eivoriuskapelle” in Creuzburg wäre neu. Eine Korrektur an die Bibliothek in Weimar ist veranlasst.
Literaturverzeichnis
| 1 | Lehfeldt, Paul und Voss, Georg: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Jena, 1915, S. 400-430. |
| 2 | Schwerdt, Heinrich: Kreuzburg an der Werra, in: Sydow, Friedrich von/Bechstein, Ludwig/Heeringen, Gustav von (Hrsg): Thüringen und der Harz mit ihren Merkwürdigkeiten, Volkssagen und Legenden (...), Sondershausen, 1844, S. 24-25. |
| 3 | HstAM (Hessisches Staatsarchiv Marburg), 17 d, Treusch v. Buttlar 17. |
Abbildungsverzeichnis
| Abbildung 1: | Hauseingang am Plan 10, Fotoarchiv Marburg, https://www.bildindex.de/document/obj20477548?part=0&medium=fm1191804 |
| abgerufen am 03.05.2026 |
| Abbildung 2: | Inschrift Klosterapotheke 1787, jetzt vor dem Eingang Klosterapotheke, Foto: Wolf-Marcus Haupt |
| Abbildung 3: | Eingang Haus Lange Gasse, jetzt Bahnhofstraße, Fotoarchiv Marburg, https://www.bildindex.de/document/obj20477549?part=0&medium=fm1191805 |
| abgerufen am 03.05.2026 |
| Abbildung 4: | Eingang Haus Lange Gasse, Zeichnung aus der Anna-Amalia-Bibliothek, Signatur: Gr-2006/3144, https://suche.klassik-stiftung.de/#/details?id=/resources/id/object/museen/412133 |
| abgerufen am 03.05.2026 |
| Abbildung 5: | Postkarte Lange Gasse, jetzt Bahnhofstraße, |
| Privatbesitz Wolf-Marcus Haupt |
| Abbildung 6: | Liboriuskirche in Creuzburg, Zeichnung aus der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar, Signatur: Gr-2006/3144, https://suche.klassik-stiftung.de/#/details?id=/resources/id/object/museen/412128 |
| abgerufen am 03.05.2026 |
| Abbildung 7: | Portal der Liboriuskirche in Creuzburg, Zeichnung aus der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar, Signatur: Gr-2006/3144, https://suche.klassik-stiftung.de/#/details?id=/resources/id/object/museen/412153 |
| abgerufen am 03.05.2026 |
| Abbildung 8: | Aufgang Gottesackerkirche Creuzburg, Zeichnung aus der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar, Gr-2006/3144, https://suche.klassik-stiftung.de/#/details?id=/resources/id/object/museen/412152 |
| abgerufen am 03.05.2026 |
| Abbildung 9: | Wappen an einem Nebengebäude des Schlosses zu Creuzburg, Zeichnung aus der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar, Signatur: Gr-2006/3144, https://suche.klassik-stiftung.de/#/details?id=/resources/id/object/museen/412131 |
| abgerufen am 03.05.2026 |
| Abbildung 10: | Inschrift an der Schule in Creuzburg, Zeichnung aus der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar, Signatur: Gr-2006/3144, https://suche.klassik-stiftung.de/#/details?id=/resources/id/object/museen/412134 |
| abgerufen am 03.05.2026 |