In diesem Jahr blickt der Bischofrodaer Kindergarten auf sein 75-jähriges Bestehen zurück. Am 1. Juni 1951 wurde die Einrichtung von ihrer ersten Leiterin, Frau Linda Heusing, offiziell gegründet.
Die Wurzeln der Kinderbetreuung im Ort reichen jedoch weiter zurück. Bereits ab 1942 gab es einen sogenannten Erntekindergarten, der die Kinder während der arbeitsintensiven Erntezeit betreute. Gerade in den Kriegsjahren war dies für viele Familien eine große Entlastung, da zahlreiche Männer im Krieg waren oder gefallen sind und die Frauen die landwirtschaftliche Arbeit allein bewältigen mussten. Die Kinder waren währenddessen gut versorgt. Der Kindergarten befand sich damals noch auf dem Ziegenberg, wo auch für die Kinder gekocht wurde. Viele Familien brachten täglich Milch mit, aus der Kakao oder Pudding zubereitet wurde. Bei Fliegeralarm, etwa in der nahegelegenen Stadt Eisenach, suchten die Kinder Schutz im Trifftgraben oder in der Gaststätte Hartung.
Nach dem Krieg wurde 1948 beschlossen, die Kinderbetreuung ganzjährig zu organisieren. Zunächst fehlten jedoch geeignete Räumlichkeiten. Erst nachdem 1951 die letzten im Schloss untergebrachten Vertriebenen anderweitig Wohnraum gefunden hatten, konnten zwei Räume für den Kindergarten bereitgestellt werden. Hier wurden anfangs zwölf Kinder betreut. Die Ausstattung war einfach: wenige Tische, Stühle und zwei Schränke bildeten die Grundlage.
Nach und nach verbesserten sich die Bedingungen. Mit Unterstützung der Eltern wurde der Platz hinter dem Schloss gerodet und als Spielbereich hergerichtet. Anfangs brachten die Eltern das Essen für ihre Kinder noch selbst mit, später entstand eine eigene Küche im Schloss, in der über viele Jahre hinweg täglich frisch gekocht wurde. Beheizt wurden die Räume zunächst mit Kachelöfen, ehe in den 1980er-Jahren eine Zentralheizung eingebaut wurde. Im Laufe der Zeit wuchs der Kindergarten stetig, sodass nach und nach weitere Räume - etwa die ehemalige Arztpraxis oder das frühere Bürgermeisterbüro - genutzt werden konnten. Heute erstreckt sich der Kindergarten über die gesamte zweite Etage des Schlosses. In den Jahren 2006 bis 2008 erfolgten umfangreiche bauliche Modernisierungen. Neben dem Einbau neuer Fenster und Türen wurden zur Einhaltung der Brandschutzbestimmungen Glastrennwände und -türen im Treppenhaus installiert, die den Kindergartenbereich vom übrigen Gebäude abgrenzen. Zudem wurden die Räumlichkeiten grundlegend renoviert und kindgerecht gestaltet sowie die Sanitärräume vollständig erneuert. Seither präsentiert sich der Kindergarten hell und freundlich und bietet den Kindern eine einladende Umgebung zum Spielen und Lernen.
Auf die erste Leiterin Linda Heusing folgte Frau Helga Joel. Die Zahl der betreuten Kinder stieg von anfangs zwölf auf über 30. Organisiert waren sie in zwei oder drei altersgemischten Gruppen.
Während der Zeit der DDR gehörte auch die Vermittlung gesellschaftlicher Werte zum pädagogischen Auftrag. Diese zeigte sich unter anderem in der Gestaltung von Feiertagen wie dem 1. Mai oder dem 7. Oktober. Im Alltag legten die Erzieherinnen jedoch großen Wert auf eine kindgerechte Betreuung. Es wurde viel gesungen, gebastelt und gespielt. Linda Heusing brachte zahlreiche traditionelle Lieder ein, während Helga Joel mit den Schulanfängern kleine Theaterstücke einstudierte, darunter auch „Schneeweißchen und Rosenrot“. Spaziergänge in der Umgebung gehörten ebenso zum festen Bestandteil des Kindergartenalltags.
Auch Feste und Traditionen prägten das Leben im Kindergarten. Der Fasching wurde mit Kostümen, einem Umzug durch das Dorf und der beliebten Holzrutsche gefeiert. Zu Ostern bastelten die Erzieherinnen Körbchen, die anschließend auf dem Spielplatz gesucht wurden. Am Kindertag gehörte eine Kutschfahrt, organisiert von Edelhard Berz, zu den Höhepunkten. Ein besonderer Abschluss für die Schulanfänger war das Zuckertütenfest mit dem geschmückten Zuckertütenbaum und eine Übernachtung im Kindergarten sowie ein Ausflug zur Hohen Sonne durch die Drachenschlucht.
Nach der politischen Wende übernahm 1994 die Johanniter-Unfall-Hilfe die Trägerschaft des Kindergartens von der Gemeinde. Seit 2022 befindet sich diese wieder in kommunaler Hand.
Heute werden im Kindergarten Bischofroda 22 Kinder betreut. Das Team besteht aus vier Erzieherinnen, einschließlich der Leiterin, Frau Claudia Salzmann, die die Kinder in derzeit drei altersgemischten Gruppen begleiten. Dabei wird zwischen einem U3- und einem Ü3-Bereich unterschieden, sodass die Betreuung auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder abgestimmt werden kann. Die Gruppenstruktur bleibt dabei flexibel und passt sich den jeweiligen Gegebenheiten an.
Der Kindergarten ist heute eng in das dörfliche Leben eingebunden. Eine gute Zusammenarbeit besteht mit den örtlichen Vereinen, der Gemeinde sowie mit anderen Kindergärten in Lauterbach und Berka sowie der Grundschule in Berka. Die Kinder beteiligen sich regelmäßig an Veranstaltungen im Ort, etwa mit Programmen bei Vereinsfesten. Des Weiteren unterstützt die Feuerwehr den Kindergarten bei Evakuierungsübungen und begleitet den Laternenumzug zum Martinstag. Auch darüber hinaus ist der Kindergarten ein aktiver Teil der Dorfgemeinschaft. Die Kinder gestalten unter anderem die Rentnerweihnachtsfeier, wirken beim Erntedankgottesdient mit und nehmen am Kirmesumzug teil. Ein fester Bestandteil ist zudem der Oma- und Opa-Nachmittag. Eine besonders schöne Tradition ist es, Seniorinnen und Senioren ab dem 70. Lebensjahr mit selbstgestalteten Karten und einem kleinen Präsent sowie einem Ständchen zum Geburtstag zu erfreuen. Seit Kurzem wird außerdem eine christliche Kinderstunde angeboten, die das pädagogische Angebot ergänzt. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern sowie eine engagierte Elternvertretung tragen zusätzlich zu einem lebendigen und unterstützenden Kindergartenalltag bei.
So zeigt sich der Kindergarten Bischofroda auch heute als ein Ort, an dem Kinder nicht nur betreut, sondern in enger Verbindung mit dem Dorfleben begleitet und geprägt werden - und der damit auch für die Zukunft gut aufgestellt ist.
Als Ortschronist danke ich allen Zeitzeugen, ehemaligen Erzieherinnen sowie Einwohnerinnen und Einwohnern herzlich, die mich mit Erinnerungen, Erzählungen und Informationen unterstützt haben. Durch ihre Beiträge konnte die Geschichte des Kindergartens Bischofroda bewahrt und für kommende Generationen festgehalten werden.
Ein besonderer Dank gilt der Leiterin des Kindergartens, Frau Claudia Salzmann, die die Entstehung dieses Beitrags mit großem Engagement unterstützt und zahlreiche Informationen zur Verfügung gestellt hat.
Ortschronist Liam Noel Beireiß