Abbildung 1: Georg Kossenhaschen
Abbildung 2: Handzettel Kinderfest zu Georg Kossenhaschens 60. Geburtstag, Privatbesitz Wolf-Marcus Haupt
von Wolf-Marcus Haupt
Am 28. August 1928 hat Georg Kossenhaschen seinen "runden" Geburtstag auf der Creuzburg gefeiert.
Anläßlich dieses Ereignis ist ein Artikel in der Eisenacher Zeitung ohne Angabe des Verfassers erschienen, der die Feierlichkeiten sehr gut wiedergibt.1
Der Bericht soll durch andere Dokumente, wie z.B. die gedruckten Handzettel zum Fest und andere Quellen ergänzt werden. Der Geburtstag Kossenhaschens war der 28. August. Das Kinderfest fand schon am Sonntag, den 26. August 1928, statt.
Die Bevölkerung feiert Kommerzienrat Kossenhaschens 60. Geburtstag
"Ein Festtag besonderer Art war der gestrige 28. August [1928] für die Stadt Creuzburg: Sie feierte den 60. Geburtstag ihres Ehrenbürgers, Kommerzienrat Kossenhaschen. Welch allgemeiner Beliebtheit und Verehrung sich der Sechzigjährige in allen Kreisen Creuzburgs erfreut, bewies die Teilnahme an der abendlichen Veranstaltung, die als Volkslieder-Abend glänzend durchgeführt wurde. Lampions schufen ein buntes Bild unter den Wipfeln der alten Bäume und um die Rasenflächen, über denen der Sternenhimmel stand. Von der blumengeschmückten Terrasse leuchtete eine prächtige „60“ aus Blumen und Glühbirnen. Die zahlreichen Gäste des Hauses, unter ihnen namhafte Persönlichkeiten aus dem thüringischen Wirtschafts- und Kulturleben, versammelten sich vor dem Schlosse als der Festzug der Bevölkerung, an denen 21 Vereine teilnahmen, durch das Burgtor einzog, voran die Creuzburger Stadtkapelle. Ein gemischter Chor des Gesangsvereins „Liedertafel“ eröffnete die Feier mit Sturms herrlichem Liede „Gott grüße Dich“, dann ergriff Bürgermeister Reuschel das Wort um in trefflicher Rede unter Ueberreichung einer gerahmten Ehrenadresse der Vereine Creuzburgs an den Schloßherrn die Glückwünsche der Stadtverwaltung, des Stadtrats, der Vereine und der gesamten Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen. Das Höchste, was die Stadt zu vergeben habe, die Ehrenbürgerwürde, habe sie als Zeichen des Dankes für alles was Kommerzienrat Kossenhaschen Gutes und Großes an ihr getan, bereits verliehen, so bleibe heute Alt und Jung nur übrig, in der herzlichsten Weise an seinem Geburtstage teilzunehmen, darunter all dessen gedenkend, was er für die Stadt, für ihre Armen und Bedürftigen getan hat. Es sei 1000 gegen 1 zu wetten, daß niemand in der Stadt etwas auf seinen Ehrenbürger kommen lasse! - Das war ein Wort und brausend erklang aus hunderten und aber hunderten Mündern und Herzen das Dreifache Hoch.
Kommerzienrat Kossenhaschen erwiderte bewegt, Creuzburg sei ein Stück Lebensarbeit für ihn.
Mit der Absicht, für Creuzburg etwas zu schaffen, sei er hierhergekommen, das Beste aber, was er vorhabe, komme erst noch. Oben auf dem Berge wolle er eine ewige Stätte bereiten, damit er nach seinem Tode noch bleibe unter den Lebenden. Sein Herz, seine Seele gehöre der Stadt Creuzburg und ihrer Einwohnerschaft. Er verspreche, ihr stets ein treuer Bürger und Förderer sein zu wollen, und bitte die schöne Stadt und ihre Bevölkerung, im dieselbe Treue zu bewahren.
Die auswärtigen Gäste stimmten lebhaft in sein Hoch auf die Stadt Creuzburg ein. Fräulein Marie Mörstedt übermittelte im Namen der Liedertafel einen Blumenstrauß. Verkehrsdirektor Dr. Herbst-Erfurt sprach für die vertretenen studentischen Verbände, denen Kommerzienrat Kossenhaschen als Ehren-Alter Herr angehört und dankte für all das, was Kommerzienrat Kossenhaschen an deutschen Studenten getan hat. [Georg Kossenhaschen war nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer. Er hat wissenschaftliche und künstlerische Ambitionen mehrfach gefördert. Es sei hier an das Heim für bedürftige Schriftsteller auf Schloss Creuzburg erinnert. Darüber hinaus galt seine Unterstützung jungen Studenten, die nur über ein geringes Einkommen verfügten. Die dafür gegründete Stiftung hatte den Namen "Preisstiftung des Kommerzienrat Kossenhaschen in Creuzburg" und bestand von 1926 bis 1931. Unterlagen befinden sich noch im Bestand der Universität Jena.2]
Weiter im Text der Eisenacher Zeitung:
„- Ein donnernder Salamander wurde gerieben. [studentische Ritual, dem auf das Kommando, z.B. „ad exercitium salamandri“, alle Teilnehmer, ihr Glas leertrinken.] Die Stadtkapelle konzertierte. Die Gesangsvereine: Liedertafel, Sänger-Chor und Arbeiter-Gesangsverein wetteiferten im Vortrag schöner und stimmungsreicher Lieder. Wie das klang und sang! Auch gemeinsame Lieder erschollen. Die gesamte Bevölkerung war versammelt, gewichtiges Alter, lustige frische Jugend, erging sich im Hofe, freute sich der Stunde, der Schloßbrunnen spendete Bier und Rostbratwürste in Fülle, der Schloßherr war selbst überall, fürsorglich und betreuend. Das Feuerwerk wurde bejubelt und nie sah die Burg ein froheres und bewegteres Leben in ihren Mauern. Silberhell stand der Mond über den Giebeln und Dachfirsten. - Drunten aber im Tale lagen die Werranebel als milchweißer, magischer See zwischen den Bergrücken. Bergkuppen lagen wie Inseln. Ein unvergeßliches Bild.
So feierte Creuzburg den 60. Geburtstag seines Ehrenbürgers. Möge dem Manne, über dessen Leben und Wirken wir bereits in der Montagsausgabe geschrieben haben, dem Manne, auf dessen Grund und Boden kein Tier getötet werden darf, vergönnt sein, seines Lebens Werk bis zur letzten Vollendung zu erfüllen.“
Der zweite Teil des Artikels beschäftigt sich mit dem Kinderfest am 26. August 1928 (siehe Abbildung 2).
schreibt uns unser Creuzburger Mitarbeiter [siehe Abbildung 2]. Aus Anlaß seines 60. Geburtstages hatte Kommerzienrat Kossenhaschen am Sonntag die Creuzburger Schuljugend zu einem Kinderfest auf der Burg eingeladen. Mit klingendem Spiel zog die Schar, mehr als 300 an der Zahl, festlich gekleidet, am Nachmittag in den Schloßhof ein, wo sie mit Schokolade und Kuchen bewirtet wurde. Jedes Kind empfing zum Andenken an die Feier einen Kaffee-Trinkbecher mit den Jahreszahlen 1868-1928 und der Zahl 60; auch das Bildnis des Gastgebers zierte die Becher, die gleich in Benutzung genommen wurden. Nach dem Schmause entwickelte sich ein recht munteres, fröhliches Treiben auf dem Schloßhof. Spiele und Gesangsvorträge der Kinder erfreuten auch die in großer Zahl erschienenen Eltern und sonstigen Kinderfreunde. Die vom Lehrer Borm eingeübten Lieder wurden in vorzüglicher Weise und klangrein vorgetragen. Von den zwei aufgestellten Kletterstangen holten sich wackere Jungen manch nützlichen Gegenstand, wie Hosen, Jacken, Schuhe, Strümpfe, Rucksäcke, herunter. […] Die Mädchen erhielten bei einer Verlosung schöne nützliche Dinge. […] Danach folgte massenweise ein Umzug durch den Park und der Abmarsch nach der Stadt mit Musik. Dieser Marsch durch die mit Blumen eingefaßten Parkwege bildete den Glanzpunkt des von herrlichem Wetter begünstigtem Kinderfest: ein farbenfreudiges Bild, daß bei jung und alt noch lange in freudiger Erinnerung bleiben wird.“
Obwohl 1928 der 60. Geburtstag von Georg Kossenhaschen bevorstand, hat er zu Weihnachten 1927 sein traditionelles Weihnachtsfest für bedürftige Creuzburger veranstaltet. Darüber wurde auch in der überregionalen Presse, wie der Coburger Zeitung, berichtet.3
“Creuzburg, 27. Dez. [1927] Kossenhaschens Weihnachtsspende in Creuzburg. Wie bisher alle Jahre, so hat auch zum diesjährigen Weihnachtsfeste der Besitzer der Creuzburg, Kommerzienrat Kossenhaschen, hiesigen Bedürftigen eine rechte Festfreude bereitet. Er spendete 40 Christstollen, 42 Flaschen Rot= und Weißwein, neun Paar Schuhe für Kinder, 3 Paar Schuhé für Erwachsene und 150 Zentner Briketts. 40 Personen erhielten Christstollen, eine Flasche Wein und Gutscheine auf Kohlen, einige davon auch noch Schuhe. Ferner empfingen 10 Bedürftige kleine Geldspenden, die aus der vorjährigen Winterspeisung erspart worden waren. Die Gabenempfänger hatte der Ortspflegeausschuß ausgewählt. Die Bescherung fand am Abend des letzten Adventssonntags in der Kleinkinderschule statt.
Ein Nachtrag: Vielleicht ist noch jemand im Besitz einer Tasse, die anlässlich Georg Kossenhaschens 60. Geburtstag verteilt wurde. Ein Bild davon wäre schön unter creuzburgwerra@proton.me
Literaturverzeichnis:
1 o. Verfasser (1928): Ein Festtag in Creuzburg, Eisenacher Zeitung.
2 Bestand Universität Jena, Archivalien-Signatur: 1734, Bestandssignatur: Bestandssignatur BA Datierung: 1926-1931 und o. Verfasser (1931): Georg Kossenhaschen †, Merseburger Tageblatt, 171. Jahrgang, Nr. 79, Merseburg, 04.04.1931
3 o. Verfasser, Coburger Zeitung, 67. Jahrgang, Nr. 1, Coburg, 02.01. 1928.
Abbildungsverzeichnis:
| Abbildung 1: | Georg Kossenhaschen Quelle: Potthoff, Ossip Demetrius/Kossenhaschen, Georg: Kulturgeschichte der deutschen Gastronomie, Berlin, 1932, Vorwort. |
| Abbildung 2: | Handzettel Kinderfest zu Georg Kossenhaschens 60. Geburtstag, Privatbesitz Wolf-Marcus Haupt |