Der Löwe aus dem Norden, König Gustav Adolf von Schweden, hier beim Gebet vor der Schlacht auf seinem berühmten Pferd „Streif‟. Sein Eingreifen in den Krieg 1631 führte zu einer enormen Brutalisierung der Kämpfe, aus: Bilder Deutscher Geschichte, Zigarettenbilderdienst, Hamburg 1936, Bild- Nr.: 38
Die Bauern hatten sich noch nicht von der Wintereinquartierung erholt, da verkündeten Trommeln nur wenige Tage nach dem Abzug des Cronbergers auf dem Anger neue Soldaten.
Bange Gesichter bei der Bevölkerung, nur ein Durchzug oder blieben sie länger? Letzteres sollte geschehen.
Der Quartiermeister, der einen sicheren Blick für „gangbare‟ Häuser hatte, legte die Infanterietruppe ins Quartier. Widerpart durfte nicht gehalten werden. In manche der großen Bauernhäuser zog nun gleich eine Korporalschaft ein und die eigentlichen Bewohner konnten sich glücklich schätzen, wenn für sie noch eine kleine Kammer blieb. Bei den Hintersiedlerhöfen war das nicht so, da wurden die Bauern gleich in die Ställe und Scheunen umquartiert. Auch der Herr von Harstall stand hilflos dabei. Seine Söhne waren bereits im Felde und dienten in unterschiedlichen Heeren; machtlos musste er erleben, wie erneut die hohen Offiziere ins Graue Schloss einzogen.
Zunächst gab es eine Sammlung zur „Unterstützung der gerechten Sache...‟. Wer nicht zahlte oder zahlen konnte, der ging schweren Zeiten entgegen...
Die Mihlaer machten nun Bekanntschaft mit einem anderen kaiserlichen Obristen, der allerdings hinsichtlich seines Umgangs mit Bauern wohl keine Spur besser als der Cronberger war, mit Johann Reichsgraf vom Merode. 1598 geboren, war er bereits ein Veteran des Krieges. Seine Karriere hatte in spanischen Diensten begonnen, ehe er dann mit seinem Regiment an der Niederschlagung des böhmischen Aufstandes beteiligt war. Zum Dank für seine dortigen Dienste wurde er vom Kaiser 1622 in den Stand eines Reichsgrafen erhoben.
Mit Wallenstein und Tilly zog Merode mit seinen Kompanien 1628 gen Norden im Kampf gegen die Dänen und die restlichen Truppen der Union.
Aber Eile war nicht geboten, nirgends zeigte sich ein ernsthafter Feind und so konnte man sich im Thüringischen erst einmal von den bisherigen Strapazen gut erholen! Die Leidtragenden waren nun die Dörfer, in denen sich seine Kompanien einquartierten, unter anderem Mihla.
Insgesamt 30 Wochen und drei Tage, so berichtet es Pfarrer Himmel im Kirchenbuch, blieben die „Merodischen Völker‟ im Ort.
Erst im August 1628 verließen sie Mihla, wohl Hals über Kopf, da ein entsprechender Befehl eingegangen war und die „schöne Zeit‟ in Mihla beendete.
Am 12. August 1628 vermerkte Pfarrer Himmel: „... begraben eines Soldaten Kindlein, 20 Wochen alt, war zu Krauthausen ehrlich geboren und... getauft, dieß begräbnis geschah morgens früh um 5 Uhr, weil das Kriegsvolk..., damals Gott Lob und Dank eben mußte fortmarschieren.‟
Sicher gab es ein großes Aufatmen bei allen Bewohnern. Nun schien es wieder so, als könne der Krieg zu Ende gehen. Zwar waren die Protestanten in Deutschland überall unterlegen, um ihre Sache schien es sehr schlecht zu stehen - aber wer sollte denn nun noch kämpfen wollen?
Da drangen aber schon neue Nachrichten über die wenigen noch funktionierenden Postlinien auch in unsere Gegend:
Der Kaiser habe den General Wallenstein abberufen, er sei wohl dem Habsburger zu mächtig geworden.
Wollte Wallenstein selbst nach der Krone greifen? Auf jeden Fall war dies auch ein gutes Zeichen, denn die Namen Wallensteins und seiner Generäle waren zutiefst verhasst.
Aber dann: Die letzten protestantischen Bastionen im Reich wurden belagert. Man hörte von Stralsund. Diese Festung an der Ostsee konnten die Kaiserlichen nicht einnehmen, wohl aber die große Stadt Magdeburg. Hier war es wieder der Feldherr der Liga, Tilly, der nach langer Belagerung in die Stadt eindrang. Was sich dann an Schreckensnachrichten über das Vorgehen der entmenschlichten Soldateska in der Stadt herum sprach, ließ selbst diejenigen Menschen das Blut in den Adern gefrieren, die am eigenen Leibe bereits wild gewordene Söldner erlebt hatten. Über 30 000 Tote an einem Tag in der Stadt, ein furchtbares Blutbad! Sollte so der neue Glaube ausgerottet werden?
Dann eine neue Nachricht, beinahe ebenso unbegreiflich wie die von der Zerstörung von Magdeburg: Die protestantischen Schweden hätten in den Krieg eingegriffen, unter Führung ihres großen Königs Gustav Adolf, eines wahren „nordischen Helden‟, ein exzellenter Heerführer und aufrechter Protestant!
War dies die Rettung vor den Katholiken und ihrem Übermut? Manche schöpften Hoffnung, andere begriffen rasch, dass nun der Krieg wohl weiter gehen würde... Und so kam es.
Im Juli 1630 landete der Schwedenkönig mit einem starken Heer auf der Ostseeinsel Usedom und begann sofort seinen Vormarsch nach Süden. Rasch drängte er die deutschen Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen zu einem Militärbündnis. Schon wurden wieder Söldner gesucht, auf kaiserlicher Seite. Die protestantische Union stand diesem nicht nach, sie bekam regelrecht neues Leben eingehaucht.
Der Krieg ging weiter und er wurde noch grausamer und brutaler...
Rainer Lämmerhirt
Mihla