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Werratal Bote Mitteilungsblatt der VG Hainich-Werratal und Stadt Treffurt
Ausgabe 31/2026
Amt Creuzburg
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Berühmte Creuzburger

Taufeintrag von Johann Heinrich Moseberg, 20.05.1749 im Taufbuch Creuzburg

Nieuwe Special Kaart van de Colonie Suriname (Neue Spezialkarte der Kolonie Surinam mit den kultivierten Gebieten und Plantagen)

Ausschnitt Nieuwe Special Kaart van de Colonie Suriname (Neue Spezialkarte der Kolonie Surinam mit den kultivierten Gebieten und Plantagen), in der letzten Zeile sehr gut lesbar: J. H. Moseberg

Johann Heinrich Moseberg (1749-1806): Kartograph in Surinam

v. Wolf-Marcus Haupt

Es wurde schon früher vermutet, dass Johann Heinrich Moseberg, der 30 Jahre in Surinam als Kartograph gewirkt hat, aus Creuzburg stammte. Durch einen Artikel vom Erfurter Verleger und Schriftsteller Georg Adam Keyser über Surinam in den "Annalen der Gärtnerey"1, der 1795 in Erfurt erschien, wurde aus der Vermutung Gewissheit.

Herausgeber dieser "Annalen" war Carl Christian Adolph Neuenhahn (1745-1807), der oftmals als der "Jüngere" bezeichnet wird. Er war hauptberuflich als Branntweinbrenner in Nordhausen tätig und hat darüber hinaus zahlreiche Bücher zu den Themen Botanik, Landwirtschaft und Numismatik veröffentlicht. Viele seiner Schriften wurden vom Verlag von Georg Adam Keyser in Erfurt herausgebracht. Man kann ihn durchaus als Haus- und Hofverlag von Neuenhahn bezeichnen und er gab gleichfalls die “Annalen der Gärtnerey” heraus. Mehrere Ausgaben davon sind von 1795 bis ca. 1799/1800 erschienen.

Keyser war nicht nur Verleger der „Annalen“, sondern hat auch eigene Artikel zu botanischen Themen veröffentlicht. Der Fokus des vorliegenden Artikels richtet sich auf Band 9 der Reihe. Dort findet sich ein Beitrag von ihm zum Klima in Surinam, der auf den mündlichen Angaben von Johann Heinrich Moseberg aus Creuzburg im "Eisenachischen" beruht, der bereits seit 30 Jahren als Landvermesser in Surinam tätig war. Das war der Anlass, weiter nachzuforschen, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Der umfangreiche Titel besagten Artikels lautet:

"Ueber das Clima in Surinam und den besondern Eigenschaften mehrer daselbst wachsenden Bäume und Pflanzen nach mündlichen Nachrichten eines sich lange da aufgehaltenen Deutschen, Herrn Moseberg aus Creuzburg im Eisenachischen, und Fermin und Ludwigs Reisen und neusten Nachrichten aus Surinam."2 Weiter:

"Ich glaube Manchen, zumal unserer jüngern Leser, durch diese Nachrichten, eines so fernen, von vielen Deutschen besuchten fruchtbaren Landes, nicht mißfällig zu werden, und hoffe künftig noch manches dahin einschlagende mitzutheilen, weil mir mein Freund und Landsmann Herr Moseberg verschiedenes versprochen hat, der sein Vaterland seit länger als 1½ Jahren besucht, und zunächst das Vorhaben bewerkstelliget, eine von ihm ausgearbeitete große topographische Karte über Surinam in Jena stechen zu lassen, die wohl die richtigste in ihrer Art werden kann, da er als Geometer der Regierung, auch durch seinen etlich und dreysigjahrigen Aufenthalt in diesem Lande, die genauest Kenntnisse sich erworben hat. Er gehet nach Vollendung des Stiches dieser Karte wieder nach Surinam."

Das wenige, was wir über Johann Heinrich Moseberg wissen, stammt aus dem Artikel. Eine Ausnahme ist sein Taufeintrag vom 20.05.1749 in Creuzburg. Sein Vater war Johann Georg Moseberg, der wahrscheinlich aus Ifta stammt. Sein Pate war Johann Heinrich Rodensen [?] aus Ifta.

 

 

Im Artikel erfahren wir, dass Keyser und Moseberg freundschaftlich verbunden waren und „Landsmänner“ gewesen sind. Diese Vermutung wurde bereits in einem früheren Beitrag geäußert.3 Das kann als weiterer Hinweis gedeutet werden, dass auch Keyser ein Creuzburger war. Da sich Keyser in seinen Schriften mehrmals auf Creuzburg beruft und nach dem schrecklichen Brand von 1765 einen Teil seiner Bibliothek der Creuzburger Schule vermacht hat, ist diese These naheliegend.

Über Schulzeit, Ausbildung oder Studium wissen wir nichts. Aber wenn man die Karten von Moseberg betrachtet, können wir davon ausgehen, dass er eine umfängliche Ausbildung als Kartograph genossen hat. Er müsste gegen 1770 als Angestellter der niederländischen Regierung nach Surinam gegangen sein. Die erste europäische Siedlung auf Surinam wurde von den Engländern gegründet. Seit 1676 haben die Niederländer die Kolonie eingenommen. Trotzdem kam es in der Folge immer wieder zu Streitigkeiten. Auch zahlreiche Deutsche sind nach Surinam eingewandert, neben einfacheren Berufen, Landwirte und Kaufleute. Die Gründe für Mosebergs Entscheidung dorthin zu gehen, sind nicht mehr ermittelbar und gleichfalls nicht seine Kontakte zur Niederländischen Regierung.

Nach dreißig Jahren in Surinam hielt er sich 1799/1800 in seiner Heimat Thüringen auf. Offensichtlich ging Mosebergs Wunsch, eine umfängliche Karte von Surinam in Jena stechen zu lassen, nicht in Erfüllung. Trotzdem blieb sein Bestreben nicht erfolglos. 1800 erschien eine „Neue topogr. Karte von der Colonie von dem dasigen Landmesser J. G. [H.] Moseberg“4 bei Ettinger in Gotha und Keyser in Erfurt.

Carl Wilhelm Ettinger und Georg Adam Keyser können, neben Justus Perthes, zu den bedeutendsten Thüringer Verlegern gezählt werden. Es ist zu vermuten, dass die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Moseberg und Keyser dem Vorhaben förderlich war, da, im Gegensatz zu Ettinger, der Verlag von Keyser nicht auf geographische Themen spezialisiert war.

Auch in der niederländischen Kartographie wurde die Karte häufig erwähnt und mehrmals bei Auktionen angeboten.5 Sie ist 16,5 cm * 250 cm groß und trägt das Entstehungsdatum 1801. Aber es gibt von dieser Karte gleichfalls ältere Ausgaben, wie die 1799 bei Convens & Mortier, dem größten kartographischen Verlag des 18. Jahrhunderts, erschienene.6

 

 

Hintergründe zur Karte

Die Karte hat eine interessante Geschichte. Im ehemaligen Hauptquartier der Niederländischen Handelsgesellschaft (Nederlandsche Handel-Maatschappij) in Amsterdam stand ein Kartenschrank mit vielen Original-Karten.7 Die Niederländische Handelsgesellschaft war für die Verwaltung der landwirtschaftlichen Betriebe in den Kolonien zuständig. Außer in Niederländisch-Indien hatte die Handelsgesellschaft bedeutende landwirtschaftliche Interessen in Surinam. Die Karten aus dem Schrank boten einen Überblick über die wichtigsten Anbaugebiete und Erzeugnisse in den Überseegebieten. Die Karte vom Landvermesser I.H. Moseberg zeigt ein Mosaik aus Plantagen, von denen viel bildhafte, die Phantasie anregende Namen trugen. Manche verweisen auf die Herkunft des Eigentümers (Hannover, Gelderland, Zaandam, St. Germain), andere auf die Erwartungen an die Plantage (Neue Pflege, Mein Vergnügen, Letzte Ruhe) oder auf den Namen des Besitzers selbst (Arend Vlijt, Brams Hoop, Worsteling Jacobs). Inmitten dieser bunt gemischten Namenssammlung findet sich auch Mariënburg am Fluss Commewijne. Dort errichtete die Niederländische Handelsgesellschaft 1880 zu einer Zeit eine Zuckerfabrik, als der Schwerpunkt des Unternehmens eher auf dem Handel mit Zucker, Kaffee und Kakao lag, als auf dem Bankgeschäft. Ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung war der berühmte Rum „Black Cat“. Mariënburg zählte damals zu den größten Zuckerfabriken der Welt; zu Spitzenzeiten waren dort rund 4.200 Menschen in der Fabrik und im Zuckerrohranbau beschäftigt. Diese Zahl sank während des Zweiten Weltkriegs drastisch, da viele Arbeitskräfte in den Bauxitminen tätig waren. Als die Handelsgesellschaft Mariënburg 1963 verkauft wurde - weil der Betrieb passte nicht mehr in das Geschäftsfeld einer Bank -, endete die Ära des Agrarunternehmens.

 

 

Neben seinem Hauptwerk der „Nieuwe Special Kaart van de Colonie Suriname“ sind mindestens noch zwei andere Karten von Moseberg erhalten geblieben: die Karte der Gebiete um den Wanica-Weg, ein Distrikt im Nordosten von Surinam und dessen Verlängerungen, und die Karte des Gebiets zwischen Para, ein Distrikt im Norden Surinams und Saramacca, ein Fluss in Surinam.8

Waren Johann Heinrich Moseberg und der Creuzburger Pfarrer Johann Samuel Leffler befreundet?

Wir haben keinen direkten Nachweis, einen Briefkontakt beispielsweise, doch legen zwei Hinweise den Verdacht nahe, dass dem so war. Johann Samuel Leffler wurde 1732 in Fischbach geboren und war Pfarrer und Adjunkt in Creuzburg, wo er im April 1807 starb. Moseberg war ein Jahr zuvor in Surinam gestorben, also waren beide Zeitgenossen. Mehr Informationen zu Leffler finden sich bei Frank-Bernhard Müller „Goethes Creuzburg, Goethes Creuzburger“9

Der Wissenschaftler Lorenz Crell, später dann Lorenz von Crell. beschreibt seinen Besuch bei Leffler: Den andern Tag besuchte ich den Herrn Adjunkt Löfler [Leffler], welcher eine artige Menge von Mineralien, Stein- und Erdarten, wie auch Seltenheiten in der Gegend gesammlet hat,“10

Leffler hatte eine große naturwissenschaftliche Kollektion und war in Fachkreisen anerkannt, wie z.B. als „Correspondirendes Mitglied“ der Jenaer Societät für die gesammte Mineralogie.11

Es befanden sich nicht nur Mineralien, Steine und Fossilien in dieser Sammlung, sondern auch eine ansehnliche Zusammenstellung surinamischer Schmetterlinge. Hirsching schreibt: „Der Herr Adjunct und Oberpfarrer Leffler ist ein sehr eifriger und gelehrter Naturforscher, hat eine sehr grosse Seidenwürmer Zucht und besitzt ein sehenswürdiges Naturalienkabinet, aber in schönen Surinamischen Schmetterlingen, in einer weitläufigen gut geordneten Käfersammlung, in einer grossen lythologischen [?], mehrentheils schön in Tafeln geschliffenen Sammlung, in seltenen Mineralien und Petrefacten seine grossen Vorzüge hat.“12

Ein anderer Hinweis ist sein Taufeintrag vom 20.05.1749. Dort wurde nachträglich von anderer Hand ergänzt: ist […] October in Surinam gestorben. Ob dieser Nachtrag von Leffler selbst stammt ist ungewiss. Der Bezug zu Surinam ist allzu offensichtlich.

Fazit:

Johann Heinrich Moseberg gehört vielleicht zu den abenteuerlustigsten Persönlichkeiten, die in Creuzburg geboren wurden. Auch seine kartographischen Fähigkeiten sind als außergewöhnlich einzuschätzen. Seine „Niewe Special Kaart van de Colonie Suriname“ ist ein wichtiges Dokument der niederländisch-surinamischen Geschichte und war gedacht für Interessenten, Ansässige und Bewohner. Der Kontakt zu zwei Creuzburgern ist im Falle Georg Adam Keyser nachgewiesen. Im Zusammenhang mit Pfarrer und Adjunkt Johann Samuel Leffler kann man dabei durchaus bereits von einem frühen "naturwissenschaftlichen Netzwerk" sprechen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:

Taufeintrag von Johann Heinrich Moseberg,

20.05.1749 im Taufbuch Creuzburg

Abbildung 2:

Nieuwe Special Kaart van de Colonie Suriname

(Neue Spezialkarte der Kolonie Surinam mit den kultivierten Gebieten und Plantagen)

https://art-heritageabnamro.nl/historische-collectie/mediabank-historische-collectie/detail/949acc14-353a-58f6-adbb-ca2d2f74efc3

https://www.atlasofmutualheritage.nl/page/9815/general-map-of-the-plantations-in-suriname abgerufen am 29.07.2026

Abbildung 3:

Ausschnitt Nieuwe Special Kaart van de Colonie Suriname

(Neue Spezialkarte der Kolonie Surinam mit den kultivierten Gebieten und Plantagen)

https://art-heritageabnamro.nl/historische-collectie/mediabank-historische-collectie/detail/949acc14-353a-58f6-adbb-ca2d2f74efc3 abgerufen am 29.07.2026

https://www.atlasofmutualheritage.nl/page/9815/general-map-of-the-plantations-in-suriname abgerufen am 29.07.2026

Literaturverzeichnis

1

Annalen der Gärtnerey: nebst einem Allgemeinen Intelligenzblatt f. Garten- u. Blumen-Freunde, Band 9, Erfurt, 1798, S. 77 ff.

2

Ebenda, S. 77.

3

Haupt, Wolf-Marcus: Der Erfurter Buchhändler Georg Adam Keyser und seine Verbindung zu Creuzburg, in: Werratalbote, Jahrgang 35, Nr. 34, S. 13-15.

4

o.V.: Neue topogr. Karte von der Colonie von dem dasigen Landmesser J. G. [H.] Moseberg, Gotha und Erfurt, Ettinger und Keyser, 1800, 4 gr. Bl., in: Archiv für Geographie und Statistik ihre Hilfswissenschaften und Litteratur, Erster Band, Wien, 1802, S. 92.

5

Sijpesteiyn, Jhr. Cornelis Ascanius van: Beschrijving van Suriname, Gravenhage [Den Haag], 1854, S. 202.

6

Adam Christian Gaspari und Friedrich Justin Bertuch (Hrsg.): Allgemeine Geographische Ephemeriden. Weimar, 1801, S. 565.

7

https://art-heritageabnamro.nl/historische-collectie/mediabank-historische-collectie/detail/949acc14-353a-58f6-adbb-ca2d2f74efc3 abgerufen am 23.07.2026

8

https://www.atlasofmutualheritage.nl/page/9757/suriname-river abgerufen am 23.07.2026

9

Müller, Frank-Bernhard: Goethes Creuzburg, Goethes Creuzburger, S. 10, Quelle: https://www.ekmd.de/asset/bNiN0BJMTKW-s1HfTcXtww/goethes-creuzburg-austauschfassung-nf-06-01-2019.pdf?ts=1549484124849 abgerufen am 23.07.2026

10

Crell, Lorenz: Beyträge zu den chemischen Annalen, Vierter Theil, Helmstädt und Leipzig, 1790, S. 428.

11

Schwabe, Johann Friedrich Heinrich: Historische Nachricht von der Societät für die gesammte Mineralogie zu Jena, Jena, 1801, S. 38.

12

Hirsching, Friedrich Karl Gottlob: Nachrichten von sehenswürdigen Gemälde- und Kupferstichsammlungen, Erlangen, 1787, S. 96-97.