Frank Störzner am Ihlefelder Kreuz
Frank Störzner, Harald Rockstuhl und Rainer Lämmerhirt im Hof der Burg Haineck.
Mit dem Tod von Frank Störzner verliert Thüringen nicht nur seinen profiliertesten Experten für Steinkreuze, sondern auch einen liebenswerten Heimatforscher.
Der 1958 in Erfurt Geborene entdeckte 1972 im Alter von 14 Jahren bei einer Wanderung nahe Mühlberg gemeinsam mit seinen Eltern Walter und Hannelore ein umgestürztes Steinkreuz. Auf Anraten seiner Eltern wandte er sich an das Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar. Die dort erfahrene Wertschätzung und Anerkennung beflügelten ihn ungemein. Als er feststellte, dass ein vollständiges Verzeichnis der vorhandenen Steinkreuze fehlte, beschloss er, diese Lücke zu schließen.
Als er 1975 seine Lehre in der Druckerei „Fortschritt“ in Erfurt als Medientechniker begann, war er schon mitten in der Steinkreuzforschung. Fortan verbrachte er jede freie Minute in den damaligen Bezirken Erfurt, Gera und Suhl. Mit all ihren Möglichkeiten unterstützten ihn die Mitarbeiter des Museums für Ur- und Frühgeschichte in Weimar sowie örtliche Heimatforscher und Bodendenkmalpfleger. Er wurde offiziell ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. Darauf war er bis zu seinem Tod besonders stolz. Gerade der Zuspruch und das Zutun jener Heimatfreunde und Archivare vor Ort beflügelten Frank weiter.
1976 lernte er „standesgemäß“ bei der Erstellung der Festschrift zur 1100-Jahrfeier Kleinmölsens seine spätere Frau Regina kennen, da ihre Tante Hedi dort Bürgermeisterin war. Bald heirateten sie und 1982 wurde ihre Tochter Kathrin geboren.
Das Resultat der Steinkreuzforschung ließ nicht lange auf sich warten: Im Jahr 1984 gab das Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar Frank Störzners Buch „Steinkreuze in Thüringen. Katalog Bezirk Erfurt“ heraus. 1988 folgte der „Katalog der Bezirke Gera und Suhl“. Diese Fachbücher gelten bis heute als unangefochtene Standardwerke.
Kurz nach der Wende veröffentlichte Frank im Eigenverlag 1992 sein Erfurt-Buch „Aus Stein gehauen ...: die Klein- und Flurdenkmale von Erfurt und seiner Umgebung“. Das war auch die Zeit, in der wir uns kennenlernten. Am 9. und 10. Oktober 1993 nahmen wir gemeinsam an der ersten Rennstiegwanderung der Neuzeit im Hainich teil und wurden für einige Jahre Mitglieder des Rennsteigvereins 1886 e.V., Ortsgruppe Hainich.
1994 schloss die Druckerei „Fortschritt“ in Erfurt. Danach arbeitete er eine Zeit lang in der Firma EGLITHO Erfurt, Werbetechnik GmbH, wo er viele meiner und unserer Bücher in der Druckvorstufe betreute. Später wechselte er in das Druckhaus der Thüringer Allgemeinen, wo er bis zur Rente tätig war.
Hochverdient erhielt Frank 1996 den Thüringer Denkmalschutzpreis und bekam 1997 den Titel „Verdienter Thüringer“ verliehen.
Wir beide waren nun viel im Hainich unterwegs. Als Ergebnis erschien 1999 unser gemeinsames „Hainich-Geschichtsbuch“, was naturgemäß zum „Hainich-Steinkreuzlexikon“ wurde.
Von 2013 bis 2018 bewanderten wir den Rennsteig im Thüringer Wald in mehreren Etappen, natürlich um Steinkreuze zu fotografieren. Ich durfte dabei immer ein zweites Blitzlicht schräg neben den Stein halten, damit alte Schriften und Zeichen schattenreich zu erkennen waren.
Ja, Frank war auch ein leidenschaftlicher Chronist. So wirkte er als Autor und Mitautor an den Ortsgeschichten von Großmölsen (2000) und Kleinmölsen (2001), Kerspleben und Töttleben (2004), Ollendorf (2006) und anderen mit. Seine Beiträge finden sich zudem in „Sagenhaftes Rastenberg“ (2015) und in den „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt“ (2024). 20 Bücher und Broschüren werden es insgesamt werden. Voller Hingabe verfasste er regelmäßig im Gemeindebrief des Kirchspiels Kerspleben über 150 Beiträge und fast 70 Titelfotos. Zahlreiche Artikel von Frank sind auch auf der Internetseite www.suehnekreuz.de zu finden.
Der frühe Tod seiner geliebten Frau Regina im Jahr 2018 war für ihn und auch für uns ein herber Schicksalsschlag. In dieser schweren Zeit schenkten ihm die Familie seiner Tochter Kathrin und seine beiden Enkeltöchter wieder Lebensfreude.
Auch unsere jährlichen Treffen gingen weiter. Ungewöhnlich war eine Begegnung während der Corona-Zeit: Am 25. Dezember 2020 war ich mit meiner Familie im Hainich am „Wartburg-Blick“, als Frank mich anrief: „Harald, ich bin gerade am Craulaer Kreuz“ - also nur einen Kilometer entfernt. Dieser Zufall führte zu einem freudigen unplanmäßigen Treffen. Im Sommer 2021 veröffentlichten wir schließlich unser gemeinsames Buch über das „Craulaer Kreuz im Hainich“ und die „Jagdhütte am Pfaffenrain“.
Frank gab seine Erkenntnisse stets gern an andere Forscher und Interessierte uneigennützig weiter. Er hielt zahlreiche heimatkundliche Vorträge, zuletzt am 11. September 2025 zusammen mit Sigrid Unger anlässlich der 1250-Jahr-Feier in Großmölsen.
Franks schwere Krankheit stellte die Familie erneut auf eine harte Probe. Als wir uns im November in Weimar trafen, war Frank schon sehr geschwächt und doch voller Hoffnung. Einen Tag nach Weihnachten, am 27. Dezember 2025 schlief er im Kreise seiner Familie in Kleinmölsen friedlich ein.
Frank, dein Wissen bleibt in deinen Büchern. An jedem Steinkreuz in Thüringen haftet ein Stückchen Frank Störzner. Man nennt dich „König der Steinkreuze“. Ja es war Dein Königreich und du kanntest jeden deiner 650 steinernen Gesellen persönlich.
Deine bescheidene Persönlichkeit, deine Freundschaft und die gemeinsamen Stunden werden mir am meisten fehlen.
Ruhe in Frieden, mein Freund.
Harald Rockstuhl
In Abstimmung mit Rainer Lämmerhirt