Die bisher einzige bekannte Fotografie des alten Sägewerkes im Mihlaer Tal, auf dem „Alten Feld“, aufgenommen 1917
Eine Aufnahme aus dem Jahre 1928 zeigt das bekannte Sägewerk von Wüstefeld und Kraft auf dem Mihlaer Viehrasen. Aufgenommen wurde das Bild am 2. September 1928. Die Anlagen des Sägewerkes, etwa dort, wo heute die Gebäude des ehemaligen Anlagenbaus stehen, wurden ab 1919 errichtet.
Der Name des Waldstückes im Mihlaer Tal macht es schon deutlich: „Altes Feld“. Also früher eine Fläche, die landwirtschaftlich genutzt wurde.
Von den Wäldern des Hainichs umgeben fragt man sich natürlich, wo lebten die Menschen, die dieses Feld bearbeiteten.
Die Antwort kann rasch gegeben werden: Das Dorf Harstall lag nur wenige hundert Meter talabwärts in Richtung Mihla, dort, wo sich das Tal unweit des „Hörschelborns“ weitete.
Die Siedlung Harstall ist mehrfach schriftlich belegt und war sicher der Stammsitz der gleichnamigen Adligen, die sich dann „Herren von Harstall“ nannten.
In der Wüstungsperiode des 14. Jahrhunderts wurde auch die Siedlung Harstall, deren Reste 1990 auch archäologisch entdeckt wurden, aufgegeben. Die Menschen verließen das enge und unwirtliche Tal. Die meisten der Bewohner zogen sicher nach Mihla, einen sicheren und weitaus größeren Ort.
Die Adelsfamilie hatte diesen Schritt schon etliche Jahre früher vollzogen. Sie sind schon im 13. Jahrhundert in Treffurt und auf der Creuzburg nachweisbar, ehe sie in Mihla Rechte am Dorf 1436 erwarben und in das Graue Schloss einzogen.
Die Bewohner von Harstall nahmen ihre alten Rechte und Besitze mit in den neuen Wohnort. Vielleicht siedelten sie sich in der „Neustadtstraße“ an, die ursprüngliche „neue Hofstätten“ markierte. So kam dann das weiter genutzte alte Feld gemeinsam mit der Flur Harstall nach Mihla.
Gänzlich in Vergessenheit geriet die alte Siedlung im Tal allerdings nicht.
Ferdinand Wüstefeld, ein ehemaliger Offizier aus Bayern, hatte bereits vor dem I. Weltkrieg im Mihlaer Tal auf dem „Alten Feld“ ein Sägewerk betrieben. Sein Geschäft blühte und während des Weltkrieges verdiente er gut an der Fertigung von Eisenbahnschwellen. Auch Kriegsgefangene wurden auf dem „Alten Feld“ eingesetzt und Dutzende Menschen aus den umliegenden Dörfern zogen täglich zur Arbeit ins Mihlaer Tal.
Allerdings zeigte sich bald, dass im Mihlaer Tal keine günstigen Möglichkeiten des Abtransports des gesägten Holzes bestanden. In Mihla aber gab es Bahnanschluss …
Ende des Jahres 1919 erwarb die Firma ein größeres Areal am Mihlaer Viehrasen, in der Nähe des Mihlaer Bahnhofes. Die Gemeinde war damals mit der Äußerung, Mihla gänzlich zu verlassen, wenn es nicht zum günstigen Verkauf der Fläche kommen würde, sehr unter Druck gesetzt worden.
Insgesamt 2,6 Hektar Land wurden so für nur 10.000 Reichsmark verkauft. Hinzu kam das Versprechen, vor allem Mihlaer Einwohner zu beschäftigen.
So wurde das Alte Feld verlassen. Das Sägewerk in Mihla erfuhr dann später noch einmal eine Verlagerung in die Bahnhofstraße, nachdem es gelungen war, dort einen extra Gleisanschluss zu erhalten. Dort finden wir die Nachfolgebauten des Sägewerkes noch heute.
Die Aufnahme des neuen Sägewerkes auf dem Viehrasen mit den gewaltigen Holzstapeln macht eindrucksvoll sichtbar, mit welchem Umfang damals Holz verarbeitet wurde.
Ortschronist Mihla