Das Verwalterhaus in Wernershausen vor der Sanierung und heute.
Bahners Grab am Waldrand bei Wernershausen.
Vergessen oder aufgegeben wurde das Örtchen Wernershausen nie. Die Besiedlung der Dorfstelle ist seit der Entstehung in der Phase des mittelalterlichen Landesausbaus des 12. Jahrhunderts ununterbrochen nachweisbar. Allerdings boten wohl die geringe Feldflur der auf einem Höhenrücken des Hainichs liegenden Siedlung und fehlendes Wasser wenig Möglichkeiten zu einer Vergrößerung. Zudem war die Siedelstelle ungeschützt und in den vielen Kriegsjahren immer wieder Plünderungen und Raub ausgesetzt. Des betraf vor allem die Zeit des 30jährigen Krieges, in der die Menschen dann tatsächlich zeitweise ihren Ort aufgaben und in das sichere Mihla zogen.
Vergessen wurde Wernershausen jedoch nie und dafür sorgten vor allem die Herren von Harstall in Mihla, die dort ein landwirtschaftliches Vorwerk einrichteten und betreiben ließen.
Zur bekannten Geschichte Näheres:
Nur drei Kilometer südöstlich von Nazza liegt auf der Höhe des Hainichs (345 m.ü.NN) die politisch nach Nazza gehörige Kleinsiedlung Wernershausen mit dem heute liebevoll sanier-ten Vorwerk.
In der Nähe des Gutes (im „Wolfsgarten“), einem Steinbruch, wurden bei Waldarbeiten in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts Belege für eine urgeschichtliche Siedlung (Fundplatz der Glockenbecherkultur) entdeckt. Das Gebiet um Wernershausen gehört damit zu den ganz frühen Siedlungsplätzen auf einer Gebirgshöhe.
Zeitgleich mit dem benachbarten Mihlaer Wüstungen Almenhausen, Werthausen und Harstall entstand die Kleinsiedlung Wernershausen, als im Verlauf des 10. und 11. Jahrhunderts die Menschen aus den Altsiedelgebieten der Flusstäler auch die benachbarten Höhen bewohnbar machten. Neue Werkzeuge und eine verbesserte Landwirtschaftstechnik waren hierfür die Voraussetzungen. Sicher bezieht sich der Leitname „Werner“ auf einen der ersten Siedler oder auch Grundherren, in dessen Auftrag auf der Hainichhöhe jene neue Siedlung entstand.
Wernershausen wurde bereits 1243 in einer Mihlaer Urkunde erwähnt und gehörte später als herrschaftliches Vorwerk zum Roten Schloss in Mihla. Im Jahre 1436 kam es durch Verkauf an die Herren von Harstall.
Wernershausen blieb bis in das 19. Jahrhundert ein landwirtschaftliches Vorwerk mit mehreren Wohnhäusern und einem Verwaltergebäude und gehörte zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Amt Creuzburg. Die Einwohnerzahl betrug um 1870 etwa 20 Personen.
Nach dem Konkurs des Rittergutes Rotes Schloss nach 1918 kaufte Wilhelm Bahner, ein Unternehmer aus Westdeutschland, in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts das Vorwerk. Als Naturfreund sanierte er die landschaftlich schön gelegenen Gebäude und intensivierte den landwirtschaftlichen Betrieb.
Die Enteignung der Gutsbesitzer in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone 1946 brachte auch Wilhelm Bahner um seinen Besitz. Nach seinem Tod wurde 1947 am Waldrand ein Gedenkstein für ihn errichtet. „Bahners Grab“ hat sich bis heute erhalten und wird durch die Familie Bröcher, den Erben des Vorwerkes, gepflegt.
Aufgrund schlechter Anfahrtswege zu den zu bewirtschafteten Flächen wurde Wernershausen 1959 aus der Flur Mihla ausgegliedert und in die Flur Nazza eingemeindet.
Nach der Wende übernahm die Erbengemeinschaft Bahner den inzwischen stark verfallenen Gutshof. Mit viel persönlichem Engagement wurde die Sanierung der Gebäude in den letzten Jahren vorangetrieben und zu einem großen Teil abgeschlossen.
Diese Sanierung und damit die Rettung des Vorwerks ist und bleibt untrennbar mit dem Namen Peter Bröcher verbunden. Er hat dies alles geplant und umgesetzt.
Inzwischen ist mit den Ferienwohnungen „Gutshof Bahner“ ein richtiges Kleinod mitten im Hainich entstanden, wofür die Erbengemeinschaft Bahner 2011 mit dem Denkmalpreis des Wartburgkreises geehrt wurde. 2013 konnte eine „Eventscheune“ in einem ehemaligen Nebengebäude eingerichtet werden, in dem nun Konzerte, Familienfeiern und Kongresse durchgeführt werden.
Ortschronist Mihla