Die Delegation aus Lauterbach. Rechts zwei Husaren mit zeitlich unterschiedlichen sicher noch Original-Husarenuniformen, dahinter ein Vorreiter in Ulanenuniform sowie die Platzmeister.
Hier das Gruppenfoto der Nazzaer Delegation mit Pfarrer Bonsack, den Trachtenmädchen, Kriegerverein, Kapelle und den traditionellen drei Husaren. Gut erkennbar auch die Tracht der Platzmeister.
Die Teilnehmer am Trachtenfest aus Neukirchen unter Führung des Pfarrers Hort und des Schulheißen Rebs. In der Mitte auch in Neukirchen zwei Husaren in unterschiedlich alten Uniformen und die Kirmesfahne.
Vor einigen Tagen erhielt ich durch eine ehemalige Lauterbacherin und Mitschülerin ein historisches Fotobuch aus dem Jahre 1908. Herausgeber war der Verein zur Erhaltung der Volkstrachten.
Herzogin Victoria Adelheit von Sachsen Coburg Gotha gründete 1907 diesen Verein. Der Vorsitzende und wohl Hauptinitiator der Vereinsgründung war der Gothaer Landtagsabgeordnete und Kommerzienrat Carl Grübel.
Carl Grübel ist nun in unserer Region, vor allem in den beiden ehemals gothaischen Orten Frankenroda und Nazza, kein Unbekannter. In Frankenroda trägt die Hauptstraße seinen Namen und ein Denkmal erinnert an ihn. Daher ein kurzer Blick auf sein Leben:
Carl Ferdinand Grübel, 1849 bis 1920, aus Gotha, war ein Unternehmer und Kaufmann, der im Jahre 1872 in Gotha eine Eisenwarenhandlung begründete. In seinem Geschäft wirkte Grübel sehr erfolgreich. Aus dieser Eisenwarenhandlung ging dann nach seinem Tode, genauer im Jahre 1924, durch die neuen Besitzer, die Gebrüder Beck, die Gothaer Maschinenfabrik, die „Blema“, hervor.
Grübel wurde mehrfach in den Gothaer Landtag gewählt und stand in freundschaftlicher Beziehung zum regierenden Herzog, von dem er den Titel eines Kommerzienrates verliehen bekam.
Bekannt wurde er vor allem durch sein soziales Engagement. Seine Stiftung, die Carl Grübel Stiftung, beschäftigte sich vor allem mit der Förderung des traditionellen Handwerks, wobei dies ausdrücklich auch auf die dörfliche Situation im Herzogtum abgestellt war. So verdankt unsere Region dieser Stiftung und dem damit verbundenen Handwerker-Verein die Förderung des Weberhandwerkes, besonders in den Gothaer Orten Nazza und Frankenroda. 1896 gründete Grübel gemeinsam mit Moritz Hoppe und Theobald Wolf das Wachsenburg- Komitee, welches es sich zur Aufgabe gemacht hatte, auf der herzoglichen Wachsenburg ein Landesmuseum aufzubauen. Dies gelang.
Im Jahre 1908 gehörte Grübel zu den Hauptinitiatoren des ersten Trachtentreffens in Friedrichroda. Daran nahmen alle Orte des Herzogtums teil. Die Gemeinden Lauterbach, Frankenroda, Nazza und Neukirchen waren mit ihren Trachten, den Schultheißen sowie Kirmesburschen mit Uniformen und Fahnen dabei.
Darüber berichtet mit Texten und Großfotos jenes Album, welches ich unlängst erhalten habe und das nun in die Ausstellung im Mihlaer Museum eingearbeitet wird. Velen Dank!
Nicht nur die Bilder sind interessant, auch die Texte.
So erfahren wir, dass bereits damals eine enge Beziehung Grübels und der herzoglichen Familie insbesondere zu Frankenroda und Nazza bestand.
Kein Geringerer als Frankenrodas Schultheiß Hagedorn hatte die Ehre, zum Trachtenfest auf der Koppelwiese die Festrede zu halten! Diese ist im Album vollständig abgedruckt. Hagedorn dankte darin in einfachen Worten den Bemühungen des Herzogpaares, die alten Trachten und Traditionen und damit das Leben der Landbevölkerung an einem solchen Tag in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Er rief dazu auf, der herzoglichen Familie die Treue zu halten und schloss seine Rede mit einem entsprechenden Gedicht.
Hagedorn und seine Gemeinde Frankenroda stand damals im Zenit seiner Bekanntheit gerade bei der Landesregierung, hatte er doch ein halbes Jahr zuvor im Oktober 1907 bei der Eröffnung der Eisenbahnlinie Eisenach- Treffurt bei Ankunft des Sonderzuges in Frankenroda eine allseits bemerkte und in allen Zeitungen abgedruckte Rede gehalten. Die dankbare Gemeinde Frankenroda ehrte ihn dann auch mit der Verleihung eines Straßennamens.
Leider ist im Album kein Foto der Frankenrodaer Delegation enthalten aber Fotos der Nazzaer, Lauterbacher und Neukirchner Abordnungen jeweils mit Pfarrer, Lehrer und Schultheißen und in allen Orten mit der Kirmesgesellschaft. So sehen wir die damaligen Husaren in Lauterbach, Nazza und auch in Neukirchen!
Unter Führung des Schultheißen August König marschierte die Kirmesgesellschaft Lauterbach mit zwei Husaren und einem Vorreiter (!) auf. Der Lauterbacher Vorreiter ist unschwer in einer Ulanenuniform abgebildet, nicht, wie später in Mihla. Als Träger einer Dragoneruniform.
Schauen wir uns einige Bilder an.
Rainer Lämmerhirt