Besonders dramatisch ist der Zustand der Linden um das Rondell.
Aber auch die vor über 150 Jahren an den Hangkanten gepflanzten Bäume sind stark gefährdet.
Selbst die vor gut 13 Jahren sanierte Gerichtslinden benötigt verschiedene Pflegemaßnahmen, damit der Baum nicht auseinanderbricht.
Seit über zwei Jahren diskutiert eine Arbeitsgruppe von jungen Eltern in der AG Spielplatz mit der Gemeinde Mihla über die Möglichkeiten einer Neugestaltung des Mihlaer Propels mit integriertem Spielplatzbereich. Im Mai 2025 wurde durch den Bürgermeister der Stadt Amt Creuzburg an das Büro für Grün- und Landschaftsplanung Ines Andraczek eine konzeptionelle Planung für den gesamten Propel in Auftrag gegeben. Als erster Schritt erfolgte die Erstellung eines Baumgutachtens für den Gesamtbestand durch den das Büro TREETECH Arboristik und Baumpflege Oliver Schwarz in Zusammenarbeit mit dem der Firma Blattgruen Michael Appel aus Bischofroda. Dieses Gutachten stellt die Basis für die weitere Planung dar, da die Verkehrssicherheit und die Entwicklung des Baumbestandes als entscheidende Elemente der künftigen Nutzung heraustreten.
Während die Eltern der AG Spielplatz mit der Neugestaltung des Spielplatzbereiches auf dem Propel eine Aufwertung der Attraktivität für Kinder als Ersatz für die dort in die Jahre gekommenen Anlage wünschen, liegt es dem Bürgermeister Rainer Lämmerhirt und Ortsteilbürgermeister Toni Nickol besonders am Herzen, den Festplatz, der als „Gerichtsstätte Propel“ unter Denkmalschutz steht, in seiner kulturellen Einzigartigkeit zu bewahren. Vor diesem Hintergrund wurden in die konzeptionelle Planung von Anfang an die zuständige untere Denkmalschutzbehörde und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hinzugezogen. Die Planungen bedürfen als denkmalpflegerische Zielstellung einer Genehmigung durch die Behörde.
Hier nochmal einige Erläuterungen zum Gerichtsplatz Propel aus der Sicht des Ortschronisten:
Uralt ist die imposante Gerichtslinde, die seit Menschengedenken auf dem Mihlaer Propel steht. Linden waren wohl schon seit sehr langer Zeit auf diesem exponierten Höhenrücken zu finden, denn Forscher vermuten, dass sich hier oben über der Werra bereits eine germanische Thingstätte (Gerichtsstätte) befand.
Bekannt ist, dass auf dem Propel, der im 19. Jahrhundert zum Festplatz der Mihlaer wurde, über Jahrhunderte Gericht gehalten wurde. Daran erinnert auch noch der Name. Propel ist mundartlich und steht für „Brachbühl“, eigentlich Gerichtsplatz, „den Gerichtsstab brechen“ und Bühl meint Hügel, also Gerichtshügel.
1254 wurde erstmals der Gerichtsplatz Brachbühl als Mainzer Lehen der Landgrafen von Thüringen bezeichnet. Nochmals im Jahre 1287 und 1378 taucht der Platz als Gerichtsstätte für die Dörfer Lauterbach, Ebenshausen, Frankenroda, Hallungen, Nazza, Heyerode, Romerode, Ichensachsen und Münsterkirchen (alle drei heute Wüstungen) sowie Bischofroda und Berka auf. Nicht für Mihla, denn hier nahmen die Herren von Harstall die Gerichtsrechte wahr.
Die älteste und mächtigste der Linden auf dem Propel ist die bereits erwähnte Gerichtslinde. Der Baum ist über 400 Jahre alt und besitzt schon seit 70 Jahren einen hohlen Stamm. Durch sachkundige Pflegemaßnahmen im Auftrag der Gemeinde Mihla gelang es bis heute, den besonderen Baum zu erhalten.
Vor dieser Gerichtslinde erfüllte sich im Januar 1732 das Schicksal des Johannes Wräge aus Mihla. Er hatte im Zorn seine Schwägerin mit einer Mistgabel erstochen, wurde gestellt und nach verkündetem Urteil auf dem alten Gerichtsplatz der Mihlaer vom Eisenacher Scharfrichter enthauptet. Dies war die letzte in Mihla vollzogene Hinrichtung, deren Historie sich mit der Gerichtslinde verbindet.
Solche Schrecknisse hat unsere Gerichtslinde also gesehen! Aber auch an angenehmere Ereignisse kann sie sich erinnern. Seit dem 18. Jahrhundert wurde alljährlich das Schützenfest unter den Linden auf dem Propel gefeiert, neben der Kirmes das wichtigste weltliche Fest.
Ja, und seit gut 120 Jahren reiten zur Kirmes die Husaren an der Spitze der Kirmesschar auf den alten Gerichtsplatz, um dort, voll Respekt vor ihren Vorfahren, in den „Morgenreden“ das dörfliche Geschehen des letzten Jahres in speziellen Reimen und Versen den erwartungsvoll lauschenden Mihlaern vorzutragen. Viel Neues erfährt so unsere alte Linde in jedem Jahr und wir hoffen, dass sie uns noch recht lange erhalten bleiben möge!
Das hängt aber wie bisher von der Hilfe der Gemeinde ab, denn die Linde ist aktuell nicht als Naturdenkmal registriert, so dass die Kosten für den Erhalt des Baumes durch kommunale Mittel auch weiterhin selbst getragen werden müssen.
Vor gut 150 Jahren wurde die heute noch in Teilen sichtbare letzte Bepflanzung mit Linden gezielt vorgenommen. Auf dem Platz entstand das bekannte „Rondell“ als zentrales Element des Festplatzes, welches in den 90erJahren bereits saniert worden ist. Die Hangränder wurden ebenfalls mit neuen Bäumen bepflanzt. Die meisten dieser Bäume sind in einem überwiegend schlechten Zustand, wie das Baumgutachten deutlich herausstellt. Auch für die Gerichtslinde wird ein Sanierungsbedarf aufgezeichnet. Vor 13 Jahren aufwendig gepflegt, muss letztere einen verbesserten Kronenschnitt und Sicherungen erhalten, damit das Auseinanderbrechen verhindert wird.
Misteln in nahezu allen Bäumen, Sturmschäden und Baumpilzbefall führen zu erheblichen Vitalitäts- und Stabilitätsproblemen an den Bäumen, was wiederum die Gemeinde Mihla als Zuständige für die Verkehrssicherheit auf dem Propel vor besondere Herausforderungen stellt.
Vom Zustand der Linden kann man sich gerade jetzt, wenn kein Laub den Blick auf den Zustand der Bäume verdeckt, ein gutes Bild machen. Unsere Fotos lassen das gut erkennen.
Aus den beschriebenen Gründen und zur Abstimmung der Spielplatzentwürfe der Arbeitsgruppe aus Mihla trafen sich dieser Tage Vertreter der Denkmalbehörde und der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie mit dem Baumgutachter Herr Appel, der Planerin Frau Andraczek und dem Bürgermeister Lämmerhirt auf dem alten Gerichtsplatz.
Die vorgetragenen Vorschläge hinsichtlich des Neubaus einer Spielanlage, abgestimmt auf den Charakter des historischen Platzes und weitgehend auf die Vorstellungen der AG eingehend, fanden unter bestimmten Voraussetzungen Zustimmung der Behörden.
Eine besondere Herausforderung stellt die konzeptionelle Planung zur Sanierung und langfristigen Gestaltung des Baumbestandes auf dem Propel dar.
Die Schädigung der Bäume ist so groß, dass parallel mit den Baumaßnahmen zur Errichtung der Spielanlage und der Erneuerung von Wegen zunächst die Misteln entfernt werden müssen. Einige Bäume am Rondell müssen zudem im Herbst 2026 gefällt werden. In der Konzeption sind als Ersatz Neupflanzungen vorgesehen.
In einem ausführlichen Protokoll sind die wichtigsten abgestimmten Schritte aufgeführte, um unseren Propel auch für spätere Generationen zu erhalten und zukunftsfähig zu machen. Dieser Moment ist jetzt wohl gekommen. Eins wurde auch klar, die Kosten für die Sanierung des Naturdenkmals werden hoch sein.
Der Bürgermeister machte zudem klar, dass vor Beginn der ersten Maßnahmen eine Anwohnerversammlung einberufen werden muss, in der die Fachleute die Notwendigkeit der einzelnen Maßnahmen und die konkrete Planung vorstellen.
Eines war beim Anblick der Bäume, die natürlich auch unter den Wetterbedingungen der letzten Jahre gelitten haben, die Rettung des Propels in Mihla muss jetzt beginnen!
Amt Creuzburg/OT Mihla