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Werratal Bote Mitteilungsblatt der VG Hainich-Werratal und Stadt Treffurt
Ausgabe 9/2026
Amt Creuzburg
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Nachrichten aus der Zeit des historischen Amtes Creuzburg

Historische Ansichtskarte der früheren Amtsstadt Creuzburg, um 1910, mit wichtigen Gebäuden, altes Rathaus, Plan mit Brunnen, Nicolaikirche und Blick auf die Stadt, Museum im Rathaus Mihla.

Ansichtskarte aus der gleichen Zeit mit Blick auf das Dorf Mihla, das Kriegerdenkmal von 1870/71 und die frühere Gaststätte Trabert in der Marktstraße, Museum im Rathaus Mihla.

Blick über die Werra auf Ebenshausen mit der Gastwirtschaft Gernandt. In Ebenshausen waren die politischen und steuerrechtichen Zusammenhänge besonders kompliziert, da neben dem Amt Creuzburg auch die Herren von Harstall Rechte besaßen und der Ort zum Herzogtum Gotha zählte.

Nachdem der letzte in Eisenach residierende Herzog Wilhelm Heinrich kinderlos 1741 verstorben war, fiel das Herzogtum Eisenach an die Weimarer Linie der Herzogsfamilie.

Neuer Landesherr wurde der Weimarer Herzog Ernst August (bis 1748), ihm folgten Ernst August Constantin (bis 1758), Carl August (bis 1825).

Bis 1815 verblieb das ehemalige selbständige Fürstentum Eisenach in Personalunion mit Weimar verbunden. Die an älteren Grenzsteinen sichtbare Landesbezeichnung blieb daher bis 1815 offiziell erhalten: S.W.u.E., Sachsen-Weimar und Eisenach.

1730, noch vor dem Erbfall, wurden die Amtmänner von der Eisenacher Regierung beauftragt, in ihren Bezirken Steuerlisten aufzustellen. Darin sollte die Anzahl der jeweiligen steuer-pflichtigen Häuser und die zu zahlenden Steuern gemeldet werden.

Die Steuerliste des Amtes ermöglichte einen Einblick in dessen Verwaltungsstruktur und lässt zugleich die Größe der Ortschaften um 1730 erkennen.

Hinzu kamen für die landwirtschaftlich geprägten Ortschaften auch die verfügbare Zahl der Pferde, mitunter auch der Zugochsen für die Feldbearbeitung.

Diese Steuerliste gibt einen interessanten Einblick in die damalige Größe der Orte und auch, vor allem wegen der gemeldeten Steuerkraft, auf die wirtschaftliche Situation.

Als einzige Stadt im Amt Creuzburg verfügte Creuzburg über 293 steuerpflichtige Häuser und fünf Freihöfe, die keine Steuern zu entrichten hatten. Auf den Freihöfen (Adelshöfe und kirchliche Einrichtungen) waren 16 Pferde, in der übrigen Stadt 94 Pferde festgestellt.

Mihla zählte als größtes Adelsdorf zum Amt Creuzburg. Die Steuereinnahmen gingen daher an die Herren von Harstall, die in den damaligen drei Schlössern, dem Roten Schloss sowie dem Vorderen und Mittleren Blauen Schloss saßen. Leider ist keine Anzahl der steuerpflichtigen Häuser, da die Steuern nicht direkt an das Amt gingen, genannt. Aus späteren Quellen ist aber zu erschließen, dass um 750 etwa 250 Wohnhäuser in Mihla und dem dazugehörigen Vorwerk Wernershausen vorhanden waren.

Neben der Stadt Creuzburg galten Marksuhl (142 Häuser), Burckhardtroda, Ütteroda, Ifta, Ebenshausen (39 Wohnhäuser), Schnellmannshausen, Stregda, Pferdsdorf sowie die Höfe Mihlberg (3 Häuser), Ebenau (3 Häuser), Buchenau (6 Häuser), Freitagszella (2 Häuser), Volteroda, Hattengehau, Wolfmannsgehau und Mittelshof als Amtsorte.

Als Adelsorte zählten neben Mihla, Berteroda (Harstallscher Besitz, 12 Häuser), Madlungen, Scherbda (49 Häuser), Krauthausen, Bischofroda (65 Häuser), Berka (87 Häuser, zwei Adelshäuser; Wangenheim und von Creuzburg).

Weitere Einzelheiten aus der Steuerliste von 1730:

Buchenau besaß sechs Wohnhäuser als Bauerngüter und zehn Pferde, Freitagszella verfügte bei zwei Bauernhäuser über sieben Pferde, der Hof Mihlberg besaß zwei „Spanngüter“ mit vier Pferden und einen „Hintersiedlerhof“, in Ebenau bestanden drei Bauerngüter und drei Hintersiedlerhäuser. Die Bauern besaßen sechs Pferde und es gab drei Zugochsen.

Besonders verwickelte Verhältnisse gab es in Ebenshausen. Die Obergerichte gehörten den Herren von Hopffgarten zu Nazza, waren also gothaisch, die Untergerichte zählten zu Eisenach. Die Steuereinnahmen wurden, ausgenommen drei Taler und einige Groschen, an Gotha geliefert.

Weitere Einzelheiten aus der Steuerliste von 1730:

Die territoriale Zersplitterung unserer Heimat wird an diesem Beispiel besonders deutlich, bedenkt man weiter, dass neben Ebenshausen auch die Nachbardörfer Nazza, Lauterbach und Neukirchen zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörten. Als dritte Territorialmacht grenzte nördlich des Hainichs das Amt Langensalza des Königreiches Preußen an.

Wie ging es weiter?

1815 wurde Sachsen-Weimar-Eisenach „Großherzogtum“.

1849/50 erfolgte im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach als ein Ergebnis der Revolution die Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung.

Das Amt Creuzburg kam mit anderen Ämtern des Eisenacher Kreises zum Verwaltungsbezirk Eisenach, der auch als III. Verwaltungsbezirk bezeichnet wurde.

Durch Einführung der neuen Gerichtsordnung im Jahr 1879 wurde das ganze bisherige Justizamt Creuzburg mit den Gemeindebezirken Bischofroda, Creuzburg, Ebenau, Ifta, Krauthausen, Madelungen, Mihla, Pferdsdorf, Scherbda, Schnellmannshausen, Spichra, Uetteroda, Volteroda und Wolfmannsgehau dem Amtsgerichtsbezirk Eisenach angegliedert.

So blieb es mit wenigen Änderungen bis 1921, zur Auflösung der Fürstentümer und der Bildung des Landes Thüringen.

Aber dies ist schon ein anderes Thema.

Ortschronist Mihla